großkopfig (großkopfet)
Zu den Großkopfete(n) gehören: zu denen, die hoch hinaus wollen oder ganz oben sind. Die Wendung ist vorwiegend im süddeutschen Raum bekannt und bezieht sich auf ›die da oben‹, die das Sagen haben und sehr reich sind; häufig auch auf diejenigen, die nur so tun, als hätten sie das Sagen.
   Menschen mit außergewöhnlich großen Köpfen, die wie aufgeblasen wirken, werden oft in grob scherzhafter und verächtlicher Weise abgewertet, wie unter anderem auch die folgenden literarischen Belege zeigen: »... Narr, groszkopfeter« (Abraham a Sancta Clara: ›Etwas für alle‹ [1699]), »hette dieszer löbliche fürst die schwehre kranckheit desz geistes wie etliche groszkopfe gehabt« (G. Widmann: ›Chronica‹, 15./16. Jahrhundert, Bearbeitung Kolb [1904], 175). »Umd die groszköpf ist khay schadt« (›Volksschauspiele in Bayern und Österreich-Ungarn‹, gesammelt v. A. Hartmann [1880], 370).
   Wie der Begriff dann zur Bezeichnung für die ›hohen Herren‹ wurde, ist noch ungeklärt. Doch lassen sich aus den literarischen Zeugnissen zwei Wege dahin herauskristallisieren:
   Einmal werden dem Großkopfeten, d.h. dem hohen Herrn, zwar eine hohe Stellung, oft aber auch wenig Verstand zugeschrieben. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, daß die satirisch-spöttischen Aussagen, die schon im 17. Jahrhundert nachweisbar sind, für den großköpfigen Dummen, ›Beschränkten‹ galten, für den, der kraft Amtes geneigt ist, »ungereimte dinge in seiner groszköpfichten einbildung zu begehen« (J. Riemer: ›Der politische maulaffe ...‹ [1680], 55), d.h., hier wird der Begriff schon in übertragenem Sinne gebraucht: Vom krankhaft aufgeblasenen großen Kopf (Wasserkopf) wird die Bedeutung ›Aufgeblasenheit‹ im Sinne von Einbildung abgeleitet und auf die hohen Herren bezogen. Das kommt nicht von ungefähr, denn aus einem Beleg im Schwäbischen Wörterbuch (nach einer Quelle von 1720) mit dem Wortlaut: »die bürger, ja wohl die grozskopfigen, die paruckenteufel« läßt sich folgern, daß der Ausdruck auf die Perückenträger gemünzt war, d.h. auf Bürgerliche, die in Nachahmung der Höflinge an den Fürstenhöfen Perücken trugen und somit große Köpfe hatten. Da aber auch mit einem Perücke tragenden Kopf, d.h. mit den Großen der Gesellschaft, nicht immer die Vorstellung von Klugheit verbunden war, muß angenommen werden, daß sie aus diesem Grunde dieselbe verächtliche Behandlung erfuhren wie die (von Natur aus) großköpfigen Andersartigen der früheren Zeit.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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