Häcker
Schluckauf (mundartlich oberdeutsch). Durch Sprüche und verschiedene Maßnahmen versucht man, den lästigen Schluckauf loszuwerden. Sowohl das Sprechen von Formeln als auch die Zuflucht zu besonderen Praktiken gehören zum großen Teil in das Gebiet psychologischer oder magischer Krankheitsbehandlung, wie sie für die Volksmedizin typisch ist. Das Hersagen eines Spruches gehört zum Bereich der Heil- und Zaubersegen, durch deren Kraft das Übel gebannt werden soll. Solche Heilformeln sind beim Schluckauf allerdings in die Kindersphäre abgesunken, entbehren heute jeglichen Glaubens, haben sich aber als volkstümliche Reimereien und Redensarten halten können; z.B. ›Häcker, Häcker, spring über de Necker‹ oder ›Häcker, Häcker, reit über d'Äcker, reit über die Brach, reit den alten Weibern nach‹; ähnlich niederdeutsch ›Hückup, loop't Stück up, loop linge langs den Redder (eingezäunter Weg), kumm mien Leewdag nich wedder‹.
   In der deutschschweizerischen Formel bittet der vom Schluckauf Befallene, das geheimnisvolle Hitzgi-Hätzgi – es kann auch ein männliches Wesen sein (Hitzger-Hätzger) möge ihm das Übel wegnehmen: ›Hitz gi Hätz gi hinder em Hag, nimmer au de Hitz gi Hätz gi ab‹. Es lebt in der volkstümlichen Vorstellung die wohl scherzhaft gemeinte Ansicht, daß ein unsichtbares Männchen komme und einem den Schluckauf abnehme. Bei den entsprechenden französischen Formeln kommt vor allem die Ergebenheit in Gottes Willen zum Ausdruck: ›J'ai le hoquet, Dieu me l'a fait, je ne l'ai plus, vive Jésus‹ (veraltet.): Gott, in seltenen Fällen le petit Jésus, hat den Schluckauf gesandt, er wird ihn aber auch beseitigen, und dafür sei Jesus gelobt. Vorschriften, daß man diese Sprüche mehrmals, z.B. drei-, fünf- oder siebenmal, drei- oder siebenmal ohne zu atmen, hersagen müsse, sind bezeichnend für die Wortmagie.
   Eng verbunden mit der Magie des Wortes, dem ›Tun mit Worten‹, ist die Magie der Tat, die zauberische Handlung. Solche Handlungen, wie sie im ganzen Bereich der Volksmedizin überaus häufig sind, treten bei manchen Praktiken gegen den Schluckauf deutlich hervor. Zweifellos werden sie nicht mehr als Zauber empfunden, sondern als traditionelle, beinahe spielerisch angewandte Mittel, um sich Linderung zu verschaffen. Zu ihnen zählen z.B. Angaben wie: man müsse sich bücken und ein Kreuz auf die Schuhe zeichnen; es sei nötig, an jemanden zu denken oder einen Gegenstand zu fixieren; es erweise sich als heilkräftig, einen Stein aufzuheben und darunterzuspucken. Der schweizerische Volkskunde-Atlas hat für die Schweiz diesen redensartlich formulierten Aberglauben erfragt (›Gibt es besondere Sprüche und Verhaltensmaßregeln, um sich vom Schluckauf zu befreien?‹) und verkartet. Dort sind auch Redensarten über Ursachen und Bedeutung des Schluckaufs verzeichnet. Nach volkstümlicher Auffassung verursacht Mißgunst den Schluckauf. Irgend jemand, der dem vom Übel Betroffenen schlecht gesinnt ist, hat ihm dieses angetan. ›Öbber vergönnt eim öbbis‹, sagt man z.B. in Therwil. Jemand ›vergönne‹ einem das Essen, heißt es präziser in Pratteln oder Andermatt. In Interlaken glaubte man früher, es habe jemand einem das ›Gluxi‹ angewünscht, um den Betreffenden am Sprechen zu hindern.
   Häufiger ist die Meinung, daß der Schluckauf denjenigen plage, der genascht, zuviel Zwiebeln gegessen oder eine heimliche Sünde begangen habe. Diese Ansicht ist ziemlich verbreitet in der Nordwestschweiz (Baselland besonders), dann an verschiedenen Orten des Kantons Bern.
• O. EBERMANN: Segen gegen den Schlucken, in: Zeitschrift für Völkerkunde 13 (1903), 64ff.; I. HAMPP: Beschwörung, Segen, Gebet (Stuttgart 1961); O.V. HOVORKA und A. KRONFELD: Vergleichende Volksmedizin, Bd. 2 (Stuttgart 1909), S. 198f.; OHRT: Artikel ›Schlucksen‹, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens VII, Spalte 1223f.; Atlas der Schweizerischen Volkskunde II, 243-244.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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