Hanf
Im Hanf sitzen: sich's wohl sein lassen, nämlich wie ein Vogel im Hanffeld. Sprichwort ist wohl auch in Goethes ›Götz von Berlichingen‹: »Du kannst mehr als Hanf spinnen«. Hanf heißt nicht nur die Pflanze, sondern auch das daraus hergestellte Gespinst: Sich nicht aus dem Hanfe finden können: nicht klug werden aus etwas, auch: verworren reden (schon im 17. Jahrhundert bezeugt): »Ohne das Französische wird man sich schwerlich aus dem Hanfe finden« (Lessing, ›Hamburg. Dramaturgie‹). Durch den Hanf gucken: sich erhängt haben (obersächsisch); ähnlich elsässisch im Hanf ersticken; noch heute heißt es schwäbisch: ›Der isch em Hanf verstickt‹, wenn sich jemand umgebracht hat. ›Hänfners Fenster‹, ›Hänfners Halsband‹, ›Hänfnerkragen‹ sind Ausdrücke für die Schlinge beim Erhängen, Seiler.
   Wer gestohlen hat, ›Der verdient eine gute Krawatte aus Hanf‹, französisch ›Il merite une bonne cravate de chanvre‹ (veraltet), d.h. daß ihm die Schlinge um den Hals gelegt werden soll. Von einem, der henkenswert ist, sagt man Er geht nicht gerne an einem Hanffelde vorbei. Ähnlich das Sprichwort: ›Besser den Hanf in den Händen als am Halse‹. Manchem Übeltäter steht der Galgen schon von früher Jugend an bevor, er muß seinem Lebenswandel nach Für den Hanf gewachsen sein.
• H. MARZELL: Artikel ›Hanf‹, in: Handbuch des Aberglaubens III, Spalte 1435-1438.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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