Hase
Ich dachte, es hätte mich ein (der) Hase geleckt: ich meinte, mir wäre ein besonderes Glück zuteil geworden. Eine seit dem 17. Jahrhundert bekannte Redensart, die auch heute noch mundartlich verbreitet ist. Obersächsisch: ›Daar hat a Gesicht gemacht, als wenn'n der Hos gelackt hett‹, er schmunzelte.
   Wissen, wie der Hase läuft: gut Bescheid wissen; sehen, wie eine Sache läuft, vgl. französisch ›connaître la musique‹, Musik.
   Der Hase ist bekannt wegen seines Hakenschlagens, wenn er vom Hund aufgestöbert wird. Der erfahrene Jäger läßt sich von den einzelnen Haken nicht beeindrucken und achtet nur auf die Hauptrichtung seiner Flucht. Auf dieser Beobachtung beruht schon die folgende Stelle in der ›Hildesheimer Chronik‹ von Oldecop aus dem 16. Jahrhundert: »Tom lesten (zuletzt) dede de markgraf einen hemelichen afsprunk, also de hase deit, und vorlor sie«. Bei einer Sache mit zweifelhaftem Ausgang wartet ein Kluger ab, wohin der Hase läuft, in welche Richtung sie sich entwickelt; englisch sagt man im gleichen Sinne: ›to see how the cat jumps‹ (sehen, wie die Katze springt). Goethe gebraucht in ›Dichtung und Wahrheit‹ die Wendung »einen Hasen nach dem andern laufen lassen« und bemerkt: »Dies war unsre sprichwörtliche Redensart, wenn ein Gespräch sollte unterbrochen und auf einen anderen Gegenstand gelenkt werden«.
   Den Hasen laufen lassen: das Geld mit vollen Händen ausgeben. Bereits Grimmelshausen schreibt im ›Simplicissimus‹ (III, Kapitel 11): »Ich war aber ein schröcklich junger Narr, daß ich den Hasen so lauffen ließ«, d.h., daß ich die Sache so begann, mein Geld so verschwendete. Bei Wander (II,375, Nr. 187) wird die Redensart jedoch mit ›verliebt sein‹ übersetzt.
   Merken, wo der Hase liegt: genau Bescheid wissen, den Kern der Sache erfassen, nämlich ursprünglich wo sich der Hase versteckt hält. »Ha, ha, nun merk ich wo der hase liegt«, sagt A. Gryphius (1698). Nur scheinbar eine Erweiterung ist die Redensart Da liegt der Hase im Pfeffer: das ist der Punkt, auf den es ankommt; da ist die Schwierigkeit; da hakt es (vgl. ›Da liegt der Hund begraben‹), Hund. Hier dreht es sich nicht um den lebenden, sondern um den toten und sogar schon fertig zubereiteten Hasen. Unter Pfeffer muß man eine früher allgemein beliebte und oft bereitete Brühe oder Soße verstehen, die mit Pfeffer u.a. Gewürzen abgeschmeckt wurde und in der man Fische, Hasen und anderes Fleisch anrichtete (›Hasenpfeffer‹). Die Redensart ist seit dem 13. Jahrhundert schriftlich belegt. Bei Philander heißt es: »Keiner aber weiß, wo der Has im Pfeffer liegt, als der ihn angerichtet oder helfe esse«. »Da liegt der Haas im Pfeffer« heißt es bei Schiller (›Kabale und Liebe‹ 1,1). Geiler von Kaysersberg (gest. 1510) betitelt sinnbildlich einen Predigtzyklus: »Ain geistliche bedeutung des häßlins, wie man das in den pfeffer bereyten soll«, und in Sebastian Brants ›Narrenschiff‹ (71,12ff.) wird von streit- und prozeßsüchtigen Leuten gesagt, sie verließen sich darauf, das Recht zu ihren Gunsten zu drehen:
   Nit denckend, das sy sint der has,
   der ynn der schriber pfeffer kumt.
Der ursprüngliche Sinn der Redensart ist wahrscheinlich: da sitzt der Unglückliche in der Patsche, und ihm ist nicht mehr zu helfen. Ähnlich ist das Bild von der eingebrockten Suppe, die ausgelöffelt werden muß. Deutlich geht dieser Sinn hervor aus der ›Zimmerischen Chronik‹ (Band 4, S. 165): »Den (König) fieng erst an sein fürnemen zu rewen, jedoch so war der has im pfeffer, er kem gleich darauß, wie er welte«. Möglich ist auch, daß die Redensart ›Der Hase liegt in jemandes Pfeffer‹ (d.h. Der Gegenstand oder die Person ist einem andern zur Beute, zum Gegenstand des Genusses geworden) vermischt worden ist mit der oben genannten: ›Er weiß, wo der Hase liegt‹ (d.h. wie die Sache zu machen ist, worauf es ankommt). Die heutige Form der Redensart ist seit dem 17. Jahrhundert oft bezeugt. Vgl. französisch ›Voila le hic‹: Da liegt die Schwierigkeit.
   Mir ist ein Hase über den Weg gelaufen: ich bin heute vom Pech verfolgt und überzeugt, daß mir nichts gelingen wird. Besonders im ›Angang‹ (erste Begegnung am Morgen) bedeutet ein Hase Unglück im Volksglauben. Dieses Vorurteil ist so stark, daß es noch heute den Jäger zur Umkehr bewegt. Nicht anders ist es, wenn einem eine Katze, besonders im Dunkeln, über den Weg läuft, und ebenso ist das Zusammentreffen mit Hinkenden und Einäugigen bedenklich, auch mit alten Weibern und Priestern; Bär, Wolf und Eber dagegen bedeuteten einstens Glück. Man sah die Begegnung mit kampflustigen Tieren als gute Vorbedeutung für den Ausgang eines bevorstehenden Kampfes an, die mit unkriegerischen dagegen als schlechtes Zeichen. Außerdem gelten Hase und Katze als Verwandlungsgestalten der Hexe. Literarische Belege berichten von diesem Volksglauben oder verurteilen ihn, z.B. heißt es: ›1289 verloren die wider die Dithmarschen kriegenden Grafen von Holstein eine Schlacht, weil ihrem Heer ein Hase entgegenlief‹ (Ber. ein Schriftstück des 17. Jahrhunderts – Wander II, Spalte 372); in Albertinis ›narrenhatz‹ (München 1617) wird gespottet: »abergläubig stocknarren erschricken, wenn ein haas über den weg, darüber sie gehen oder reiten müssen, laufet, denn sie vermeinen, daß sie an selbigem tag ein unglück ausstehen müssen«. 1646 heißt es: »Item, wann einer morgens ausgeht, und ihm zum ersten ein weyb begegnet, oder ein haas über den weg läuft ... dass ihm etwas widerwärtiges desselben tages zuhanden stossen werde«. Auch die Rockenphilosophie warnt: »Es ist nicht gut, wenn man über Land reist, und läufft einem ein Haase übern Weg«. Noch im Kinderlied klingt dies an:
   Läuft ein Häslein übern Steg
   Fahren wir nen andern Weg.
Die Furchtsamkeit des Hasen war Grund zu mehreren Redensarten, wie etwa Einen Hasen im Busen haben: sich fürchten; Hasenschreckig sein: Angst haben. »Ich bin nicht hasenschreckig« heißt es bei Sebastian Franck um 1570. Im Bairischen meint ›derhasen‹ furchtsam werden, den Mut sinken lassen; vgl. englisch ›to hare‹ (in Angst geraten). In der ›Zimmerischen Chronik‹ (Band 1, S. 200) findet sich: »Do überkamen sie ainsmals den hasen im busen, wie man sprücht, und berathschlagten, das in der nacht sie haimlich mit allem kriegsvolk abziehen und in iren vorteil sich legern wolten«. ›Den Hasen im Busen haben‹ hatte im 16. und 17. Jahrhundert auch die Bedeutung von ›närrisch sein‹, so wie oftmals der Hase als närrisches, dummes Tier in den Redensarten auftaucht. Hase nannte man im 16. Jahrhundert einen albernen Gecken; im Siegerland sagt man von einem, der eitel und eingebildet ist: ›Er hat einen Hasenfuß in der Tasche‹; ebenso in Westfalen.
   Um eine ernste Angelegenheit handelt es sich bei der Wendung ›Eine Hasenscharte haben‹, d.h., eine Mißbildung der Oberlippe haben, die im Aussehen an die Spaltung der Oberlippe des Hasen erinnert. Sie begegnet als Erzählmotiv in verschiedenen Sagen (Mot. A 2, 211.2); darüber hinaus aber auch im Zusammenhang mit der sprichwörtlichen Ängstlichkeit des Hasen in einer Fabel (Aarne-Thompson 20), die seit der Spätantike in vielen Variationen tradiert ist. Es ist darin die Rede von einer Versammlung von Hasen, die aus Verzweiflung darüber, daß sie von Menschen und Tieren verfolgt werden und in ständiger Furcht leben müssen, sich ertränken wollen bzw. in ein anderes Land ziehen. Ihr Weg führt sie an einem Teich vorbei, an dessen Ufer Frösche sitzen. Vom Lärm der heranziehenden Hasenschar aufgeschreckt stürzen sie sich ins Wasser. Ein alter, weiser Hase ermahnt daraufhin die übrigen zur Umkehr, da es offensichtlich noch andere Tiere gebe, denen es schlechter als ihnen ginge, und es wohl kein Land gäbe, in dem man ohne Furcht leben könne. In einigen jüngeren Variationen hat das Thema eine Erweiterung erfahren: Die Hasen müssen am Ende über ihre eigene Torheit so lachen, daß sich ihre Oberlippe spaltet und sie seither eine Hasenscharte haben. R.W. Brednich nimmt an, es könnte aus der verbreiteten Tiererzählung vom ›Fuchs am Pferdeschwanz‹ (Aarne-Thompson 47) seinen Weg in die Fabel Aarne-Thompson 20 gefunden haben. Auch könnte die Redensart Ein alter Hase sein (viel Erfahrung haben) hier ihren Ursprung haben.
   Die Ausdrücke Hasenfuß und Hasenfüßig enthalten ebenfalls oft den Begriff des Närrischen, Albernen und Geckenhaften. Bei Goethe (›Mitschuldige‹) sagt der Wirt seinem Schwiegersohn eine Menge schlimmer Dinge nach und faßt das zusammen mit dem Wort: »Der König Hasenfuß«. Vor dem 14. Jahrhundert galt der ›Hasenfuß‹ (mittelhochdeutsch hasen vûz) als rascher Läufer, erst später verschob sich die Bedeutung zur Bezeichnung eines Furchtsamen. Das englische ›hare-foot‹ meint heute noch lediglich den guten Sportler. Bei Schiller heißt es: »Hat ers Kourage nicht, so ist er ein Hasenfuß« (›Kabale und Liebe‹ 1,2).
   Das Hasenpanier ergreifen: davonlaufen, fliehen. Das Panier des Hasen (auch Hasenbanner ist bezeugt) ist sein Schwänzchen, das er bei der Flucht in die Höhe reckt. Daher sagte man von Ausreißern auch: ›Sie werfen das Hasenpanier auf‹ (so schon 1564 belegt) oder ›der hasen paner aufstecken‹ (1548 in der Fabelsammlung ›Esopus‹ von Burkard Waldis). Die Form ›das Hasenpanier ergreifen‹ steht seit Luther fest. ›Ergreifen‹ wurde wahrscheinlich aus ›die Flucht ergreifen‹ übernommen. Im Bilderbogen von Paul Fürst um 1650/60, ›speculum bestialitatis‹, heißt es:
   Der haß der ist ein forchtsam thier,
   Gar bald wirfft er auff sein panier.
Neben ›Hasenfuß‹ und ›Banghase‹ ist ein Angsthase sein eine seit 1500 gemein deutsche Redensart – Andere Redensarten für ›fliehen‹ sind: Den Hasenkurs nehmen; Sich auf seine Stärke verlassen wie die Hasen; Einen Hasen machen; Standhalten wie der Hase bei der Trommel; Den Hasen bauen; Hasenschuhe anziehen.
   Hasenherz nennt man den Feigling. So etwa heißt es in Schillers ›Räuber‹ (1,2): »und das schreckt dich, Hasenherz?« und Grillparzer spricht vom »hasenherzgen Schuft«. Hase ist schon in der ›lex salica‹ ein zu büßendes Schimpfwort: »si quis alterum leporem clamaverit ...« (wenn einer einen anderen einen Hasen gescholten hat ...). Im ›Armen Heinrich‹ des Hartmann von Aue (um 1200) steht: »ir sint eines hasen genoz«.
   Er ist kein heuriger Hase mehr sagt man von einem nicht mehr jungen, aber auch von einem erwachsenen, erfahrenen, kampferprobten Menschen. Der Alte Hase, der schlau und rasch genug war, dem Jäger immer wieder zu entwischen, weiß sich zu helfen.
   Hasenbrot wird allgemein ein Butterbrot genannt, das man unberührt von einer Reise oder vom Gang zur Arbeit wieder mit nach Hause bringt, wo man es den Kindern mit den Worten gibt, man habe es einem Hasen abgenommen. Meist fügt man hinzu, man habe vorher Dem Hasen Salz auf den Schwanz gestreut, wodurch er nicht mehr habe fliehen können. Diese Art, einen Hasen zu fangen, wird den Kindern allgemein angegeben. Vg. französisch ›mettre du sel sur la queue des petits oiseaux‹ (den Vögeln Salz auf den Schwanz streuen), Vogel.
   Dem habe ich einen Hasen in die Küche gejagt sagt man im Rheinischen für ›einen Gefallen getan‹. Mit dem Satz: ›Ich erwarte nicht, daß Sie mir die Hasen in die Küche treiben‹ wird zum Ausdruck gebracht, daß man nichts Unangemessenes erwartet.
   Wem der Hase von allein in die Küche läuft, der muß ihn nicht mühsam erjagen. Denn Hasen zu fangen ist nicht einfach. Ich bin dem Hasen nachgelaufen sagt, wer tüchtig gearbeitet hat. Das ist doch keine Hasenjagd! ruft man einem ungestüm Davoneilenden nach, und von einem, der immer alles zugleich tun will, sagt man er läuft zwei Hasen nach; vgl.
französisch ›Il court deux lièvres a la fois‹. Aber: Wer zwei Hasen will, kriegt keinen. Von jemandem, der gut hört, sagt man, er habe Hasenohren, denn die langen Ohren des Hasen legen den Gedanken nahe, er müsse besonders gut hören. Der Hase hat große hervorstehende Augen und kleine Augenlider, so daß er gewöhnlich beim Schlafen die Augen nicht ganz schließt. Man glaubte daher, das furchtsame Tier wolle nur den Anschein erwecken, als ob es schlafe, in Wahrheit aber sei es stets auf der Hut. Daher die alte Redensart Den Hasenschlaf schlafen (oder haben), gebucht in lateinischer Form seit 1508 bei H. Bebel (Nr. 547), in deutscher 1541 bei Sebastian Franck (11,73): »Er schläfft den Hasenschlaff. Er schläfft mit offnen augen wie ein Hase«, Auge.
   Sich um den Hasenbalg zanken: sich um Kleinigkeiten streiten, die des Zankens nicht wert sind; früher wurde nur wenig für das Fell eines Hasen gezahlt.
   Arbeit und Schulden sind keine Hasen: sie laufen nicht davon, man kann sie auch später noch erledigen. In ›Sprichwörtlich‹ reimt Goethe:
   Lief' das Brot, wie die Hasen laufen,
   Es kostete viel Schweiß, es zu kaufen.
Hasenrein ist der Jagdhund, der für die Hühnerjagd abgerichtet wurde und keinen Hasen angreift. ›Er ist nicht ganz hasenrein‹ sagt man heute im Sinne von: nicht einwandfrei, politisch nicht ganz unverdächtig. Ein Blinder Hase ist ein in der Pfanne gebratener Hackfleischkloß. Vielerorts kennt man dafür nur ›Falscher Hase‹, weitverbreitet (sogar in Italien, Frankreich und den Niederlanden) ›Frikadelle‹, in Berlin das französische ›Boulette‹ und in Ostdeutschland (Königsberger) ›Klops‹.
   Die Katze ist als ›Dachhase‹ bekannt und in Notzeiten auch wohl öfter ›in den Kochtopf gewandert‹.
   Daran denkt das Karnevalslied:
   Bi Lehmanns hebbt se'n Has im Pott,
   den Häwelmann sin Katt is fott,...
   Angeblich sollen findige Gastwirte früher ihren Gästen statt des gewünschten Hasenbratens eine Katze zubereitet haben. Goethe schließt sein parabolisches Gedicht ›Katzenpastete‹ mit den Worten:
   Die Katze, die der Jäger schoß,
   Macht nie der Koch zum Hasen.
An einem entlegenen Ort Sagen sich die Hasen (auch: Fuchs und Hase) gute Nacht, Fuchs.
   Der gespickte Hase war ehedem ein gefürchtetes Folterinstrument. Bönhasen hießen im Spott Handwerker, die ohne Vollmacht der Zunft heimlich in oberen Kammern arbeiteten. Ursprünglich hieß es ›Bodenhase‹ oder ›Bühnenhase‹ (für Bühne ›Dachboden‹); hierhin mußten sich nämlich die nicht anerkannten Handwerker flüchten, um nicht entdeckt zu werden. Da solche Leute oft schlechte Arbeit lieferten, bedeutet ›Bönhase‹ soviel wie › Stümper‹, › Pfuscher‹.
   Die Redensart Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts wird auf den Heidelberger Studenten Viktor Hase zurückgeführt, der einem Kommilitonen, nachdem dieser einen andern im Duell erschossen hatte, durch absichtliches Verlieren seines Studentenausweises zur Flucht nach Frankreich verhalf. Seine Antwort auf die Generalfragen des Universitätsgerichts (1854/55) machte bald die Runde durch die Universitäten und ging von da in den allgemeinen Sprachgebrauch über.
   Den Hasen suchen (alemannisch ›dr Has suche‹) sagen die Eltern an Ostern, dann finden die Kinder zwar keinen Hasen, wohl aber die vom Osterhasen versteckten Ostereier.
   Dem Has läuten meint einen Osterbrauch in Hessen: Am Morgen des ersten Ostertages setzt sich ein Bursche an die Tür der Kirche und fängt an zu rufen: ›bomm, bomm‹, worauf es in allen Höfen, erst in der Nähe, dann in der Ferne ›bomm, bomm‹ ertönt. Daran schließt sich ein Umtrunk an. Der Brauch beruht auf der legendären Überlieferung, daß die Glocken an den drei letzten Tagen der Karwoche in Rom sind und dort neu geweiht werden. Man ersetzt also die Glocken durch die menschliche Stimme, Karfreitagsratsche.
   Viele andere magische Vorstellungen sind mit dem Hasen verbunden. Sie haben ihren Niederschlag u.a. auch im Märchen oder in bestimmten Redewendungen gefunden. so gilt der Hase z.B. auch als Liebessymbol, wie es auch zum Ausdruck kommt in der Wiener Redensart: ›schickt der Herr die Haserln, so gibt er auch die Graserln‹, die bei reichem Kindersegen Verwendung findet. Ähnlich auch der Spruch ... ›Bescherert Gott ein Häsigen, so beschert er auch ein Gräsigen‹ (J. Praetorius: ›Geschichten ... von ... dem Rübezahl‹, Neuausg. von P. Ernst,1908, S. 85 (vgl. L. Schmidt: Sprichwörtliche deutsche Redensarten, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde.,28 (1974), S. 98-99). Anspielungen ähnlicher Art finden sich auch in den neuzeitlichen Häschen-Witzen (H. Venske: ›Hattu Möhren‹ – Über Häschen-Witze, in: Der Spiegel 6, 1977, S. 142-143).
   Häufig wird der Hase auch in Verbindung mit Regen und Nebel genannt. Das zeigt sich auch in der Redensart ›Die Hasen rauchen‹, die beim Aufziehen von Nebel gebraucht wird, oder in der Wendung ›Die Hasen bachen (backen) Küchlein (Brot)‹, was soviel bedeutet wie: wir bekommen Regen.
   Aus dem Grimmschen Märchen vom Hasen und Igel (Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 187) sind die Worte des Igels ›Ick bün all hier‹ sprichwörtlich geworden. Das Märchen dient heute zur Charakterisierung von Konkurrenzen zwischen ungleich Großen, vor allem wenn ein Kleiner über den Großen siegt; oder auch Intelligenz über bloße Körperkraft.
• C.E.V. THÜNGEN: Der Hase ... dessen Naturgeschichte, Jagd und Hege (Berlin 1879): J.A. WALZ: ›Einen Hasen laufen lassen‹ in Goethes ›Dichtung und Wahrheit‹, in: Modern Language Notes 23 (1908), S. 211-212; O. KELLER: Die antike Tierwelt, I (Leipzig 1909), S. 210-216; W. LINDENSTRUTH: Dem Has läuten, in: Hessische Blätter für Volkskunde, Band VIII, S. 187-190 (mit mehreren historischen Belegen aus der Pfarrchronik von Beuren/Hessen); H. HEPDING: Ostereier und Osterhase, in: Hessische Blätter für Volkskunde, 26 (1927), S. 127-141; RIEGLER: Artikel ›Hase‹, in: Handbuch des Aberglaubens III, Spalte 1504-1526, insbesondere 1512f.; W. JESSE: Beiträge zur Volkskunde und Ikonographie des Hasen, in: Volkskunde-Arbeit. Festschrift Otto Lauffer (Berlin-Leipzig 1934), S. 158-175; A. BECKER: Osterei und Osterhase (Jena 1937); L. RÖHRICH und G. MEINEL: Redensarten aus dem Bereich der Jagd und der Vogelstellerei, S. 319f., 321; V.B. DROSCHER: Mit den Wölfen heulen (Reinbek 1978), S. 69-72; B.M. HENKE: ›Sie liessen einen Hasen nach dem anderen laufen ...‹ (Frankfurt/M. 1983); A. SCHNAPP: Eros auf der Jagd, in: Cl. Bérard u.a.: Die Bilderwelt der Griechen (Mainz 1984), S. 101-125; R.W. BREDNICH: Artikel ›Hasen und Frösche‹, in: Enzyklopädie des Märchens VI, Spalte 555-558, hier insbesonders 557; R. SCHENDA: Artikel ›Hase‹, in: Enzyklopädie des Märchens VI, Spalte 542-555.
Wissen, wie der Hase läuft. Kupferstich von Matth. Merian zu: Julius Wilhelm Zincgreff: Emblematum ethico-politicorum Centuria, Frankfurt 1614.
Hasenfuß. Grandville: G.W., Bd. 2, S. 822.
Das Hasenpanier ergreifen. Emblematischer Kupferstich, aus: Meisner /Kieser, Bd. II, Teil 2, Abbildung 31.
Angsthase. Grandville: G.W., Bd. 2, S. 823.
Hasenherz – Der ängstliche Liebhaber. Emblematischer Kupferstich, aus: Philip Ayres: Cupids addresse to the Ladies, Emblemata Amatoria, London 1683, Page 4.
Mein Name ist Hase. Zeichnung von Brisolla, Abbildung 19.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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