Haupt
Jemandem eins aufs Haupt geben: scherzhafte Wendung für ›bestrafen‹, auch mit Worten. Haupt ist die ältere Bezeichnung für Kopf. Gemessen an der Fülle der Redensarten, die zum Begriff Kopf gehören, gibt es nur wenige feste Fügungen mit dem Wort Haupt. Lebendig ist noch die Wendung Ein graues Haupt. Gewiß kann man auch von einem grauen Kopf sprechen, aber ohne daß jener Ausdruck von Ehrfurcht vermittelt würde, der in der Fügung mit ›Haupt‹ mitschwingt. Aus der Studentensprache früherer Zeiten kennen die Älteren von uns noch die Wendung ein bemoostes Haupt für einen ›ewigen‹ Studenten. Mit dem Verschwinden solcher Erscheinungen aus unseren Hochschulen wird allmählich auch die Redensart unbekannt oder gelegentlich im Scherz zu einem älteren Menschen gesagt. Ähnlich die feierliche Bezeichnung Ein gekröntes Haupt für einen Monarchen.
   Aus Schmerz oder Scham kann man ›Sein Haupt verhüllen‹ oder ›Sein greises Haupt schütteln‹. In feierlicher Rede spricht man davon, daß jemand sein Haupt erhebt, während er – weniger feierlich – nur den Kopf hebt. In einem ähnlichen Verhältnis zueinander stehen die Redewendungen Jemanden um Haupteslänge überragen und Einen Kopf größer sein. Man steht entblößten Hauptes, gesenkten oder geneigten Hauptes an einer Bahre oder einem Grabe.
   In Märchen und Sagen lesen wir öfter, daß einem Ungeheuer das Haupt abgeschlagen wurde; heute verwenden wir meist die Fügung Jemandem den Kopf abschlagen. Juristisch ist noch Enthaupten üblich; in der Umgangssprache ist dafür Köpfen verbreitet.
   Zu nennen ist ferner die alte Zwillingsformel Haupt und Glieder.
   Eine Reformation der Kirche an ›Haupt und Gliedern‹, d.h., eine völlige Erneuerung der Kirche, forderten schon vor der Reformationszeit die sogenannten Reformkonzile. Sprichwörtliche Bedeutung erlangte ein Vers aus Schillers ›Lied von der Glocke‹, in dem es heißt: »Er zählt die Häupter seiner Lieben. Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt«. Im Volksmund wurde er parodistisch abgewandelt zu: ›Er zählt die Häupter seiner Lieben. Und sieh! statt sechse sind es sieben!‹ In dieser Version ist er fast bekannter als in der Originalfassung. ›Feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln‹ Kopf.
• CH. M.: »›Kopf‹ und ›Haupt‹ in Redensarten«, in: Sprachpflege 15 (1966), S. 212-213.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Haupt — steht für: den Kopf ein führendes Mitglied einer Gruppierung, siehe z. B. Häuptling Haupt bezeichnet: Brünig Haupt, einen Berg bei Melchsee Frutt Gagenhaupt, einen Vorberg des Riffelhorns beim Stockhorn (Zermatt) Chabishaupt, einen Hügel… …   Deutsch Wikipedia

  • Haupt — das; (e)s, Häup·ter; geschr; 1 der Kopf eines Menschen <mit stolz erhobenem Haupt; mit bloßem / entblößtem Haupt>: das Haupt der Medusa || K : Haupthaar || K: Greisenhaupt 2 der Kopf eines edlen Tieres: das gewaltige, majestätische Haupt… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Haupt- — [hau̮pt] <Präfixoid>: kennzeichnet in Bildungen mit Substantiven jmdn. als maßgebliche, wichtigste Person od. etw. als wesentliche, bedeutungsvollste Sache /Ggs. Neben /: Hauptabnehmer; Hauptargument; Hauptaufgabe; Hauptaugenmerk;… …   Universal-Lexikon

  • Haupt — (jetzt weitgehend durch Kopf ersetzt) Sn erw. obs. (8. Jh.), mhd. houbet, ahd. houbit, as. hōbid Stammwort. Aus g. * haubida n. Haupt , auch in gt. haubiþ, anord. haufuđ, ae. hēafod, afr. hāved, hā(u)d, hafd. Neben diesem steht anord. ho̧fuđ, ae …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Haupt- — Präfixoid erster, wichtigster, oberster std. ( ) Stammwort. So in Hauptmann, Hauptsache usw., auch Hauptwort, das seit dem 16. Jh. als Ersatzwort für Substantiv verwendet wird. deutsch s. Haupt …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Haupt — Haupt: Die gemeingerm. Körperteilbezeichnung mhd. houbet, ahd. houbit, got. haubiÞ, engl. head, schwed. huvud ist wahrscheinlich verwandt mit lat. caput »Haupt, Kopf« (s. die Sippe von ↑ Kapital) und mit aind. kapū̓cchala m »Schale; Haar am… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Haupt — (Ansichtsfläche), die in die Außenseite eines Mauerwerks fallende Seitenfläche eines Steines. L. v. Willmann …   Lexikon der gesamten Technik

  • Haupt — Haupt, Moritz, Germanist und klassischer Philolog, geb. 27. Juli 1808 zu Zittau, 1841 Prof. in Leipzig, 1850 wegen Teilnahme an der nationalen Bewegung abgesetzt, seit 1853 Prof. zu Berlin und seit 1861 Sekretär der Akademie, gest. 5. Febr. 1874; …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Haupt — Haupt, Moritz, Philolog u. hinsichtlich seiner Verdienste um die deutsche Sprache und Dichtung des Mittelalters würdig neben Graff, Wackernagel, Ettmüller u.a. stehend, wurde geb. 1808 zu Zittau, studierte in Leipzig, besuchte 1834 die Wiener… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Haupt- — im Subst, betont, sehr produktiv; verwendet, um auszudrücken, dass es sich um das Zentrale oder Wichtigste handelt ↔ Neben ; der Hauptabschnitt <eines Buches>, der Hauptakzent <eines Wortes>, der Hauptangeklagte <in einem… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Haupt- — Kapital..., Kardinal..., Zentral …   Das große Fremdwörterbuch

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