Hieb
Einen Hieb haben (auch: ›Einen Hau haben‹, Hau): nicht ganz richtig im Kopf sein, einen Rausch haben, eine wunderliche Angewohnheit (Charaktereigentümlichkeit) haben. Ein ›Hieb‹ ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch ein Schluck Alkohol; daher Einen Hieb vertragen: viel trinken. Diesen Redensarten liegt der Vergleich der Trunkenheit mit einem erhaltenen Schlag zugrunde. Auch im Französischen hat das Wort ›Hieb‹ (coup) die Bedeutung von einem Schluck Alkohol, z.B. ›boire un coup‹ (einen Schluck trinken).
   Die Zwillingsformel Hieb- und stichfest (= unangreifbar, einwandfrei, absolut sicher und nachprüfbar) gehört zum zauberischen Brauch des ›Festmachens‹, einer magischen Handlung, die Unverwundbarkeit gegen Hieb, Stich und Schuß verleiht. »Die Welt pflegt zu sagen, wenn einer schußfrei, stichfrei, hiebfrei, und weder Gabel noch Säbel eingeht, er sei gefroren« (Abraham a Sancta Clara, ›Reim dich‹,1684,10). Wundsegen, wie sie noch bis in den 2. Weltkrieg hinein gebräuchlich waren, sollten ihre Träger ›hieb- und stichfest‹ machen. Wer ›festgemacht‹ oder ›gefroren‹ ist, ist unverwundbar durch gewöhnliche Kugeln, feuerfest, gefeit gegen Stich und Hieb, er schneidet sich nicht, selbst wenn er auf Schwertschneiden tanzen müßte, Stich.
• O. BERTHOLD: Die Unverwundbarkeit in Sage und Aberglauben, RW. XI,1 (Gießen 1911); W.E. PEUCKERT: Artikel ›festmachen‹, in: Handbuch des Aberglaubens II, Spalte 1353ff.; A. SPAMER: Romanusbüchlein. Historisch-Philologischer Kommentar zu einem deutschen Zauberbuch (Berlin 1958); E. WAGNER: Hieb- und Stichwaffen (Prag 1966); CHR. DAXELMÜLLER: Artikel ›hieb- und stichfest‹, in: Enzyklopädie des Märchens VI, Spalte 994-997.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Hieb — Hieb …   Deutsch Wörterbuch

  • Hieb — der; (e)s, e; 1 ein starker Schlag (besonders mit einer Waffe oder einer Axt) <jemandem einen Hieb versetzen>: Ein einziger Hieb mit seiner Axt genügte, und der Baum fiel um || K : Hiebwaffe || K: Peitschenhieb, Schwerthieb 2 meist Pl; eine …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Hieb — Hieb: Das seit dem 15. Jh. bezeugte Wort ist aus dem starken Verb ↑ hauen (hieb, gehauen) rückgebildet …   Das Herkunftswörterbuch

  • Hieb — Hieb, 1) Schlag mit einem scharfen Werkzeuge; namentlich mit einem Hieber u. Säbel, s.u. Fechtkunst II; 2) die Spur od. Wunde, welche so ein Schlag bewirkt; 3) die Kerben od. Einschnitte der Feile, s.d. I. A); 4) (Forstw.), so v.w. Gehan; 5) das… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Hieb — Hieb, Abzeichen beim Pferde, s.d. F) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Hieb — Hieb, Angriff mit Hiebwaffen (Säbel, Rapier oder Hieber), die, schlagend und ziehend geführt, Schnittwunden erzeugen sollen. Zu den Hiebwaffen gehören auch Streitaxt, Hellebarde u. gewisse Schwerter. – H. an der Feile, s. d …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Hieb — Hieb, s. Feilen, Feilenfabrikation …   Lexikon der gesamten Technik

  • Hieb — Hieb, in der Fechtkunst, die mit der Kraft des Handgelenks und der Finger vollführte Bewegung der Klinge, je nach der Faustlage unterschieden: Prim H. (von oben nach unten), Sekonde H. (von unten nach oben), Terz H. (von links nach rechts), Quart …   Kleines Konversations-Lexikon

  • hieb — Imperfekt, 1. und 3. Person Sg; ↑hauen …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Hieb — Sm std. (15. Jh.) Stammwort. Abstraktum zu hauen, gebildet aus dem Präteritum (die Bildungsweise ist ungewöhnlich: sonst stehen bei Ableitungen Ablautformen, die nur zufällig mit den Präteritalformen identisch sind. Hier handelt es sich aber um… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • hieb — vgl. hauen …   Die deutsche Rechtschreibung

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