Ärmel
Etwas aus dem Ärmel (auch aus den Ärmeln) schütteln: etwas Schwieriges leicht und mühelos, wie spielend, oder scheinbar gleichgültig ausführen; besonders von Dingen gesagt, die sonst eine genaue Vorbereitung erfordern, z.B. eine Rede aus dem Ärmel schütteln. Joh. Christoph Adelung leitet in seinem ›Versuch eines grammatisch-kritischen Wörterbuchs‹ 1774 (I, 388) diese Redensart »von den weiten Ärmeln der Geistlichen« ab, »daher es auch besonders von Predigten, die ohne Zubereitung gehalten werden, gebraucht wird«. Doch kommen die weiten Ärmel aus der spätmittelalterlichen Mode, und auch der Realsinn der Redensart muß auf eine Zeit zurückgehen, in der Ärmel so geräumig waren, daß man etwas darin verbergen oder aufbewahren konnte, was man dort nicht vermutete. Dafür gibt es genug reale Beispiele; etwa in einem schwäbischen Beleg: »Anno 1399 hatten sich 5 Zünfft gesamelt mit iren Paneren in den Oermelen haimlich«. In Fischarts ›Gargantua‹ heißt es: » ... Und konnten sich nicht wehren, so voll haten sie die Ermel gesteckt«. Sebastian Brant sagt im ›Narrenschiff‹ vom Narren:
   Das man jn ouch füer witzig halt,
   Bis jm die pfif uß dem ermel falt,
   d.h., bis man seine Narrheit erkennt (weitere Belege vgl. Trübner I, S. 126). Die Taschen in den Ärmeln dienten später auch den Taschenspielern und Gauklern bei ihren Tricks.
   So sagt man noch heute: Das ist einer mit Ärmeln: das ist ein geriebener, abgefeimter Schlauberger. Auf die Möglichkeit, etwas in den Ärmeln zu verstecken, spielt auch das abfällige Sprichwort an: ›Pfaffen haben weite Ärmel‹; auch das ältere Sprichwort ›In Franziskanerärmel und Diebsgewissen geht viel‹ verbindet ebenfalls beide Erklärungsmöglichkeiten. Als sprichwörtliche Redensart, d.h. in übertragener Bedeutung, ist die Wendung ›Aus dem Ärmel schütteln‹ jedenfalls erst seit dem 18. Jahrhundert bezeugt. Chr. Fr. Henrici (Picander) sagt in seinen ›Ernst- Schertzhaften und satyrischen Gedichten‹ 1727-37 (III, 49):
   Will man ein Ding geschwind ermitteln,
   So ist das Sprichwort eingeführt:
   Er kann es aus dem Ermel schütteln,
   Eh sich ein hocus pocus rührt.
   Hingegen wird es einem sauer
   Kommt alles bey ihm langsam raus,
   So heißt's: Er sieht als wie ein Bauer
   Und wie Hannß ohne Ermel aus.
Auch heutzutage denkt man bei der Erklärung der Redensart meist an die Tricks von Zauberkünstlern. Die Redensart Etwas hinter dem Ärmel haben: zurückhaltend, hinterlistig sein, seine Gesinnung und seinen wahren Charakter geschickt verbergen, beinhaltet einen ähnlichen Gedanken. Jemanden über den Ärmel einladen: eine Absage zu erwarten haben. Dagegen Einem bald die Ärmel zerreißen: einen Gast zum Dableiben nötigen.
   Er wird den Ärmel einzupassen wissen, wird von jemandem gesagt, von dem man erwartet, daß er eine Sache in Ordnung zu bringen versteht. Diese Redensart bezieht sich auf eine der schwierigsten Arbeiten im Schneiderberuf und wurde auf allgemeine Schwierigkeiten übertragen.
   Ich kann die Ärmel aufstreifen (hochkrempeln) versichert derjenige, der selbst mit zupacken will, weil er keine Arbeit scheut. Die Redensart stammt aus der Zeit, als noch Handmanschetten getragen wurden, die bei den meisten Arbeiten hinderlich waren.
   Leck mich am Ärmel ist eine verhüllende Wendung für die bekannte Aufforderung des Götz von Berlichingen, deren letzter Bestandteil durch ein anlautgleiches Wort ersetzt wird (bekannt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts). Ähnlich wird die Wendung ›Im Ärmel‹ für einen verächtlichen Platz gebraucht; z.B. ostpreußisch ›He kan mi öm Ärmel wanen (wohnen), denn brukt he keene Müd (Miete) to betaln‹ Arsch. Auf den Ärmel binden Bär; Dreck am Ärmel haben Dreck; Frech wie Rotz am Ärmel frech.
• RICHTER-WEISE, Nr. 149, S. 164f.; TRÜBNER I, S. 126; KÜPPER.}
Die Ärmel hochkrempeln. Karikatur, aus: UNI- Journal 21984.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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