Hölle
Einem die Hölle heiß machen: ihn durch Drohungen in Angst versetzen. Die Redensart geht auf die grellen Schilderungen der höllischen Folterqualen zurück, durch die früher die Geistlichkeit auf ihre Zuhörer, namentlich auf solche, die dem Tode nahe waren, einzuwirken suchte. Die Wendung begegnet schon bei Luther: »Wie man jetzt spricht, sie machen uns die hellen heis und den teufel schwarz« (Jenaer Ausgabe 3, 228), während mittelhochdeutsch nur das Adjektiv ›helleheiz‹ bei Walther von der Vogelweide vorkommt. In Karl Simrocks Gedicht ›Eichelsaat‹ heißt es:
   Man schürt' ihm von der Kanzel die Hölle so heiß;
   Er dacht': Ich will bezahlen das Lügengeschmeiß.
Man hat zur Erklärung der Redensart auch auf den Namen ›Hölle‹ für den Winkel zwischen Ofen und Wand im alten deutschen Bauernhaus hingewiesen, wo die ›Hellbank, Höllbank‹ stand. Wurde nun kräftig eingeheizt, so wurde dem dort Ruhenden die Hölle zu heiß. R. Neubauer hält diese Deutung für wahrscheinlich, zumal es in der älteren Literatur einen Beleg gibt, der auf einen solchen Zusammenhang schließen läßt: »Der ander lag noch hinder dem Ofen in der Hell und mocht vor Faulheit nit aufstohn« (G.
Wickram, Rollwagenbüchlein,1555, Nr. 22). Auch die Tatsache, daß in den Hüttenwerken der dem Gebläse gegenüber liegende Raum, in dem sich beim Einheizen die größte Hitze entfaltet, Hölle genannt wird, scheint diese Annahme zu bestätigen. Doch denkt bereits Luther, wie die oben angeführte Stelle zeigt, an die Hölle des Fegfeuerglaubens. Ebenso die folgenden Redensarten: Aus der Hölle ins Fegfeuer: Vom Regen in die Traufe ( Regen). ›Dem brennt die Hölle aus dem Kopf‹ sagt man bairisch von einem Rothaarigen. ›Der ist aus der Hölle auf Urlaub gekommen‹ heißt es oberösterreichisch von einem schlimmen Gast. Er hat die Hölle zu Hause sagt man von einem Mann, der mit einer bösen und schlimmen Frau verheiratet ist; vgl. französisch ›C'est l'enfer chez lui‹. Von der entsprechenden Frau heißt es Sie ist aus der Hölle entlaufen, als der Teufel schlief ( Teufel). In der Hölle ist Kirmes Kirmes.
   ›Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert‹. Das von Samuel Johnson im Jahr 1775 gebrauchte und von seinem Biographen Boswell in seinem ›Life of Johnson‹ (ed. by George Birkbeck Hill, 1887, II, 360) mitgeteilte ›Hell is paved with good intentions‹ (›Die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert‹) führt Walter Scott in seinem Roman ›The bride of Lammermoor‹ (1819, B. 1, Kapitel 7) auf einen englischen Theologen zurück. Wahrscheinlich meint er George Herbert (gest. 1632), der in ›Iacula prudentum‹ (Ausgabe von 1651, 11) denselben Gedanken ausspricht: ›Hell is full of good meanings and wishings‹. Doch findet sich das Sprichwort schon wesentlich früher in Spanien in der Fassung: ›El infierno es bleno de buenas intenciones‹. Es hat wohl die Bedeutung, daß es keinen Sünder gibt – auch wenn er noch so schlecht wäre –, der nicht den Wunsch zur Besserung hätte. Bei Franz von Sales findet sich der Hinweis, daß das Sprichwort schon vom hl. Bernhard verwendet wurde (Büchmann).
   Jemanden zur Hölle wünschen: ihn weit weg wünschen; Jemandem das Leben zur Hölle machen: schlecht mit ihm umgehen, ihm arg zusetzen.
   Die Hölle ist los!: es herrscht ein Höllenspektakel (Höllenlärm), es geht drunter und drüber.
• Artikel ›Hell is paved with good intentions‹, in: Notes and Queries, 1.2 (1850), S. 140-141; 1.6 (1852), S. 520; 2.10 (1860),S. 240; 4.9 (1872), S. 260; 8.5 (1894),8. S. 89-90; 8.6 (1894), S. 136; R. NEUBAUER: Einem die Hölle heiß machen, in: Zeitschrift für Volkskunde 17 (1907), S. 325-328; M. LANDAU: Hölle und Fegfeuer in Volksglaube, Dichtung und Kirchenlehre (Heidelberg 1909); Religion in Geschichte und Gegenwart 3. Auflage III, Spalte 402ff. Artikel ›Hölle‹; G. HEID: Die Darstellung der Hölle in der deutschen Literatur des ausgehenden Mittel-
alters (Diss. Wien 1957); K. SCHNITZER: Die Darstellung der Hölle in der erzählenden Dichtung der Barockzeit (Diss. Wien 196 l); L. RÖHRICH: Teufelsmärchen und Teufelssagen, in: Sagen und ihre Deutung (Göttingen 1965); J. LE GOFF: Die Geburt des Fegefeuers (Stuttgart 1984); I. GRÜBEL und D.-R. MOSER: Artikel ›Hölle‹, in: Enzyklopädie des Märchens VI, Spalte 1178-1191.
Höllenqualen erleiden. Illustration von Gustave Doré zu: Dante Alighieri: L'Enfer, Paris 1861: Inferno, 19. Gesang, Verse 49-50. Aus: G. Doré, Bd. I, S. 380.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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