Hopfen
An (bei) ihm ist Hopfen und Malz verloren: er ist unverbesserlich; da ist alle Mühe vergeblich. Hopfen und Malz als Hauptbestandteile des Bieres erscheinen schon im 9. Jahrhundert in fester Verbindung. In einer Urkunde des Abtes Adelhard von Corvey aus dem Jahre 822 und in einem altsächsischen Glossar des 10. Jahrhunderts werden Hopfen und Malz nebeneinander erwähnt. Dennoch ist die Redensart in der heute üblichen Form erst seit Beginn der Neuzeit belegt. In einem Gesellschaftslied des 16. Jahrhunderts lautet ein Vers:
   Ist einer ohn sehen ein Bruder Lüderlich,
   Der in der Schmauserey allein nur hält den Stich,
   So spricht man: an ihm ist so Hopp als Schmaltz vertorben.
Auch Burkart Waldis kleidet die Redensart in Zusammenhang mit anderem unmöglichem Tun in dichterische Worte:
   Wer einen Zigel will wäschen,
   Das leere Stroh in Tenne dreschen,
   Dem Wind das Wehen will verbieten,
   Vnd einer vnkeuschen Frawen hüten,
   Ein fliessend Wasser wil verstopffen,
   Deshalb verleusst beid Maltz vnd Hopffen.
Von Goethe stammen die Verse:
   Denn oft ist Malz und Hopfen,
   An so viel armen Tropfen,
   So viel verkehrten Toren,
   Und alle Müh verloren.
In einer Komödie August Kotzebues heißt es:
   Doch Männer sind ganz unverbesserlich geboren,
   An ihnen ist der Hopfen wie das Malz verloren.
Die Zwillingsformel reicht bis in die volkstümliche Gebrauchspoesie der Gegenwart Auf den Maßkrügen in Bayern findet sich z.B. häufig der Spruch: ›Hopfen und Malz, Gott erhalt's!‹
   Über den ganzen deutschen Sprachraum hinweg führt die Redensart auch in den Mundarten ein reiches Leben, z.B. schlesisch ›Bei dam is Huppe und Malz verturben‹; niederdeutsch ›Dar is Hoppen und Molt bî verlaren‹. Die weite Verbreitung erklärt sich daraus, daß früher die Bierbrauerei kein selbständiges Gewerbe war, sondern jede Hausfrau für den Bedarf ihres Hauses selbst braute. Wenn der Trank trotz aller Mühe nicht gelang, dann war Hopfen und Malz wirklich verloren. In einzelnen katholischen Gegenden Deutschlands ist im selben Sinne gebräuchlich: ›Da ist Chrisam (Salböl) und Taufe verloren‹, was sich schon 1512 in Murners ›Schelmenzunft‹ (26,17) findet:
   Douff vnd Crisam ist verloren,
   Sy bleyben in den alten ioren,
   Wie sy in iungen sindt erzogen.
Später begegnet die Redensart auch im Märchen der Gebrüder Grimm: ›Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen‹ (Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 4). Dort sagt der Vater zu seinem dümmlichen Sohn: »an dir ist Hopfen und Malz verloren«. Den redensartlichen Vergleich Dürr wie eine Hopfenstange gebraucht man von einem langen hageren Menschen.
• F. HUBER: Bier und Bierbereitung (Berlin 1926); L. HERMANN: Das Bier im Volksmund (Berlin 1930); LÜERS: Die wissenschaftlichen Grundlagen von Mälzerei und Brauerei (Nürnberg 1950); M. HOFFMANN: 5000 Jahre Bier (Frankfurt/M. und Berlin 1956); W. DANCKERT: Symbol, Metapher, Allegorie im Lied der Völker, Band 3 (Bonn – Bad Godesberg 1978), S. 922-925.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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