Hund
Der Hund ist im redensartlichen Ausdruck ebensosehr das Bild des Elenden, Niederträchtigen und Untermenschlichen wie auch das Symbol der Treue, Wachsamkeit usw. Mit Recht sagt M. Kuusi, daß eine vergleichende Erforschung der überlieferten Rollenverteilung in der Tiersymbolik gerade im Bereich der Sprichwörter und Redensarten äußerst interessante Probleme aufweisen würde. Die Redensarten mit Hund bieten dafür gute Beispiele.
   Am häufigsten ist Hund in Schimpfwörtern: Lumpenhund, Himmelhund, Blöder Hund, Feiger Hund, Frecher Hund, Falscher Hund, Scharfer Hund (strenger Vorgesetzter, strenger Richter), Kalter Hund, Alter Hund bedeutet eine grobe Abfertigung; ferner: alte Sache, alter Prozeß; Einen alten Hund totmachen: die Sache erledigen (aus der Leipziger Juristensprache bezeugt). ›Alter Hund‹ ferner in der Bedeutung: alter Wertgegenstand; altbairisch ›in dem Hause steckt noch ein alter Hund‹, es ist noch Geld von den Voreltern da.
   Blinder Hund: eine Wassersuppe, aus der kein (Fett-) Auge herausguckt, auch: Kaffee ohne Milch.
   Da wird der Hund in der Pfanne verrückt ist ein Ausdruck ratloser Verwunderung. Es handelt sich um eine sogenannte Nonsens-Äußerung, die meist gebraucht wird im Sinne von: Das ist eine unglaubliche Geschichte. sie erinnert an einen bekannten Eulenspiegel-Schwank. Darin wird berichtet, wie Eulenspiegel als Brauknecht in Einbeck seine Possen trieb: Eines Tages erhielt Till von seinem Braumeister die Weisung ›mit Sorgfalt Hopfen zu sieden‹. Till kam die Idee, seinem Herrn einen tollen Streich zu spielen. Sein Meister hatte nämlich einen Hund, der auf den Namen ›Hopf‹ hörte. Dieses arme Tier warf Eulenspiegel in die siedende Würze. Als man den Sud abgelassen hatte, fand der erboste Braumeister die Überreste seines Hundes in der Braupfanne.
   Das jammert einen (toten) Hund: das findet schärfste Mißbilligung. Ebenso Das ist unter dem (unter allem) Hund: das ist höchst minderwertig, unter aller Kritik.
   Dicker Hund: grober grammatikalischer oder orthographischer Fehler (so in der Schülersprache), sonst allgemeiner: große Frechheit, eindrucksvolle, schwierige Sache, schlimmes Vergehen, starkes Stück, auch: unglaubwürdiger Vorgang. Einen dicken Hund ausbrüten: eine völlig verfehlte Maßnahme mit entsprechend bösen Folgen treffen; einen schweren Irrtum begehen. Einen dicken Hund haben: beim Skat ein gutes Spiel in der Hand haben. Mach keinen dicken Hund los: reg dich nicht auf! Einen ganz dicken Hund am Schwanz packen: eine sehr heikle Sache erörtern. All diese Redensarten sind erst in der Umgangssprache des 20. Jahrhunderts bezeugt, doch mag dabei daran erinnert werden, daß es im Mittelalter als schwere Beleidigung galt, einem als Gabe einen fetten Hund hinzuwerfen (Grimm, Deutsches Wörterbuch III,1570).
   Wie man sagt ›Vom Pferd auf den Esel kommen‹, so auch Auf den Hund kommen: herunterkommen, in schlechte Verhältnisse geraten, wobei die Tierrangfolge noch weiter nach unten fortgesetzt – vom Pferde- zum Esel- und schließlich zum Hundefuhrwerk – oder der Hund einfach als etwas Verächtliches im Vergleich zum Menschen gebraucht ist. Im Jahre 1664 riefen die siegreichen deutschen Soldaten dem bei St. Gotthard an der Raab geschlagenen Türken zu: »Komst aufn Hund und nit aufn Gaul!«, und in einem neueren Volkslied,1867 auf den unglücklichen Habsburger Maximilian in Mexiko gedichtet, heißt es:
   Von dem Tag an und der Stunde
   War der Kaiser auf dem Hunde.
Eine Erklärung liefert P. Abl. Er weist darauf hin, daß in früherer Zeit zur Abschreckung von Dieben am Boden größerer Geldkassetten ein bissiger Hund abgebildet war (entsprechende Beispiele sind vor allem noch in Österreich anzutreffen).
   In anderen Berichten ist dagegen die Rede von städtischen Geldtruhen, die einen ähnlich Bilderschmuck am Boden aufwiesen und eher als Mahnung zur Sparsamkeit zu verstehen waren, denn wer zu schnell auf den Hund (den Boden) kam, hatte alles andere als sparsam gewirtschaftet: er hatte kein Geld mehr, war am Ende. E. Zeller berichtet in ihrem Roman ›Lampenfieber‹ (1974) von einer Truhe in einem pommerschen Dorf, auf deren Boden ein Hund gemalt war: wenn die Truhe keine Vorräte mehr barg, war man ›auf den Hund gekommen‹.
   S. Colditz wiederum führt die Bezeichnung für einen verarmten Menschen auf die Tatsache zurück, daß verarmte Bauern früher anstatt eines Pferdes einen Hund als Zugtier benutzten. In diesem Sinne kann man auch sagen: ›Vom Pferd auf den Esel, vom Esel auf den Hund, vom Hund auf den Bettelsack kommen‹, d.h., völlig verarmen, sozial immer weiter absteigen.
   Auf die Bedeutung der Verarmung bezieht sich auch eine Erklärung von P. Abl im Zusammenhang mit dem Sprichwort: ›Kommste übern Hund, so kommste übern Schwanz‹, das meist ermunternd gebraucht wird im Sinne von: wenn du dies bewältigst, schaffst du auch das Ganze. Sie ist vorwiegend im norddeutschen Raum geläufig, obwohl der Ursprung in einem Würfelspiel zu suchen ist, das im 15. Jahrhundert auch in Wien bekannt war und bereits von den alten Römern gespielt wurde. Die Spieler benutzten dabei 4 Astralagi (= Knochenstücke aus der Fußwurzel von Schaf oder Ziege). Diese hatten vier Flächen mit je 1,3,4,6 Augen. Als schlechtesten Wurf bezeichnete man den sogenannten ›Hundswurf‹ (canis benannt nach dem Sternbild des Hundes), d.h., wenn alle vier Astralagi die Einerseite (die Seite mit dem Hund) zeigten. Wer einen ›canis‹ geworfen hatte, verlor seinen ganzen Einsatz. Bei manchen Spielen galt auch der Wurf von vier Sechsern als verloren. Zum Trost hatte man ein Sprüchlein: ›Komme ich über den Hund (= über die Vier), so komme ich auch über den Schwanz‹ (= über die Siebenzahl des großen Hundes – gemeint sind die drei neben dem eigentlichen Sternbild stehenden Sterne). Der Prediger Johann von Capistran wandte das Wortspiel auf jene an, die zügelloser Spielwut frönten und dadurch Hab und Gut verloren.
   (Völlig) auf dem Hund sein: gesundheitlich am Ende, sich ausgemergelt und am Ende der Kräfte fühlen.
   Die scherzhafte Frage: ›Seid ihr auch auf den Hund gekommen?‹ meint heute mitunter: Habt ihr euch auch einen Hund ›angeschafft‹?
   Aus der verächtlichen Bedeutung, die an dem Hunde haftet, erklären sich die vielen geringschätzigen Zusammensetzungen wie Hundsgemein, Hunde-
schlecht, Hundeleben (französisch ›vie de chien‹), Hundewetter (französisch ›temps de chien‹), Hundemüde, auch das Hunzen (aus-, herunter-, verhunzen), das nach seiner Herkunft eigentlich ›hundsen‹ geschrieben werden müßte. Auf das ›Hundeleben‹ spielt auch Goethe im Faust an: »Es möchte kein Hund so länger leben«. Desgleichen Günter Grass, der als Titel eines Romans den Begriff ›Hundejahre‹ wählte.
   Ein Mensch muß sehr verachtet sein, wenn man von ihm sagen kann: Es nimmt kein Hund einen Bissen Brot von ihm. Schon bei Hans Sachs klagt einer über seine Frau als seinen Fegteufel:
   Der rennt mir nach offt ins wirtshaus
   vnd hollüpt (lästert) mich mit worten auß:
   Ein hund ein brot kaum von mir nem.
Der große Hund ist ein ähnliches redensartliches Bild wie ›Das große (hohe) Tier‹, worunter man einen vornehmen Mann von hohem Rang versteht. Von einem Eingebildeten sagt man obersächsisch: ›Er denkt, daß der große Hund sein Pate wäre, derweile ist es Bettelmanns Spitz‹; auch: ›wie dem großen Hund sein Bruder auftreten‹, anmaßend auftreten; niederdeutsch ›ok de gröttste Hund (Rüe) mot sek schämen‹ und dergleichen – ›De grote Hund‹ ist für den Seemann eine Verkörperung des Meeres. Mit diesem Bild wird die Raffgier der See gekennzeichnet; wenn der Koch Speisereste über Bord schüttet, spricht er dazu: ›Dat is wat för'n groten Hund‹. Aus gleicher Anschauung heraus werden gischtende Brandungsseen ›weiße Hunde‹ genannt (Stammler, Aufriß Spalte 1876).
   ›Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter‹: ist eine neuerlich in der Politik des öfteren zu hörende Wendung, meist im Sinne von: wir lassen uns nicht beirren, wir halten an unserer Linie fest. Sie soll auf ein arabisches Sprichwort zurückgehen, Karawane. Brot im Hundestall suchen oder Den Hund nach den Bratwürsten schicken: einen verkehrten Weg bei einer Handlung einschlagen, etwas Törichtes tun.
   Bekannt wie ein bunter (oder scheckiger) Hund wird von einem gesagt, der allenthalben, aber nicht gerade rühmlich bekannt ist; auch von Frauenzimmern, die sich gemein machen. Der Leipziger Amaranthes (Corvinus) sagt 1711 von einer Frau:
   Die es mit keinem redlich meint,
   Die man, es weiß es jedes Kind,
   Pflegt einen bunten Hund zu nennen,
   Den man auf allen Straßen find.
Die meisten Hunde sind einfarbig; ein Hund in mehreren Farben fällt darum auf. Die Redensart findet sich in der allgemeinen Umgangssprache ebenso wie in den Mundarten, z.B. holsteinisch ›se is so bekannt as de bunte Hund‹; ostfriesisch freilich heißt es: ›Dar sünt mehr bunte Hunne as een‹, einzelne Kennzeichen reichen nicht aus, Personen oder Sachen genau zu bestimmen. Vgl. französisch ›connu comme le loup blanc‹ (wörtlich: bekannt wie der weiße Wolf), Wolf.
   Nach dem auffälligen Zittern neugeborener Hunde heißt es: Frieren wie ein junger (nasser) Hund.
   Junge Hunde und Schoten ist in Sachsen eine der redensartlichen Antworten auf die Frage neugieriger Kinder, was es zum Mittagessen gebe, wohl mit Anspielung auf das ungeduldige Zappeln der Fragenden; doch in Oberbayern heißt eine Mehlspeise tatsächlich ›nackte Hündlein‹.
   Damit lockt man keinen Hund vom (unter, hinter, aus dem) Ofen (vor): um Erfolg zu haben, muß man mehr Klugheit, gewichtigere Gründe aufbieten. Die Redensart ist seit Luther öfters belegt; in der Ballade ›Der Kaiser und der Abt‹ läßt G.A. Bürger den unwissenden, aber schlauen Schäfer Hans Bendix sagen:
   Versteh ich gleich nichts von
   lateinischen Brocken,
   So weiß ich den Hund doch vom Ofen zu locken.
Ursprünglich hieß es ›Den Hund aus dem Ofen locken‹, was seine Erklärung in der alten Bauart der Öfen findet: Der Ofen stand auf Beinen, zwischen denen sich der Hund zu Hause gern lagerte; oder es ist auch das Ofenloch, die ›Hölle‹ gemeint, in die der Hund nach dem Ausgehen des Feuers hineinkroch.
   Auf das gereimte Sprichwort Zwei Hunde an einem Bein kommen selten überein beziehen sich sowohl das Detail aus P. Bruegels Redensarten-Bild wie auch plastische Darstellungen an Kirchengestühlen.
   Meist lebt der Hund in Feindschaft mit der Katze, so daß Wie Hund und Katze leben sprichwörtlich für fortwährendes Gezänk zweier aufeinander Angewiesener ist. So schon mittelhochdeutsch in Freidanks Lehrgedicht ›Bescheidenheit‹ (138,15):
   Bî hunden und îi katzen
   was bîzen ie und kratzen.
Ähnlich heißt es im Liederbuch der Hätzlerin (S. LXXII,36):
   Sy liebt sich mir zu aller stund,
   Als by dem tische katz vnd hund.
Anders 1639 bei Lehmann S. 881 (›Vneinigkeit‹ 23): »Vneinige sind in gutem Vernehmen wie der Fuchs vnd Han, Katz vnd Mauß«.
   Vgl. französisch ›être comme chien et chat‹.
   Nach der Meinung von Zoologen und Verhaltensforschern beruht die oft zu beobachtende Unverträglichkeit zwischen Hund und Katze nicht auf einer ›Erbfeindschaft‹, sondern auf dem gegenseitigen Mißverstehen ihrer Gebärdensprache. Was bei dem einen Tier eine Gebärde zur freundschaftlichen Annäherung ist, wird vom anderen als feindselige Haltung gedeutet. (Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 222; Bolte-Polivka III, S. 542-555; vgl. Vitus B. Dröscher: ›Mit den Wölfen heulen‹,1978,73-76).
   Die unangenehme Eigenschaft eines ungepflegten Hundes sind seine vielen Flöhe; daher der redensartliche Vergleich: Er steckt voller Unarten wie der Hund voll Flöhe. Er ist voller Freude wie der Hund voller Flöhe ist eine sehr geläufige Redensart, der etwas Ironisches anhaftet und die durchaus nicht jung ist, sondern bereits vorgebildet erscheint in den Satiren gegen Murner (›Sendbrief von der Meßkrankheit‹): »Ich mein«, sagt Frümesser, »ir seyt völler fantasten (wunderlicher, krauser Sinn), denn ein zotteter Hund flöch im Augsten (August)«. Daß man auch ebenso voll von freudloser Stimmung sein konnte, beweist Hans Sachs' Fastnachtsspiel vom Pfarrer mit den ehebrecherischen Bauern (2):
   Ich steck unmuts und angst so vol
   Und ge gleich in den sinnen umb,
   Wie der hund in den flöhen krumb.
Eine sehr lästige Beschäftigung vergleicht man mit Hundeflöhen.
   Von der Jagd stammt: Mit allen Hunden gehetzt sein: so schlau, so erfahren sein, daß man sich allen Gefahren zu entziehen weiß.
   Den Hund bös (wütend) machen: jemanden reizen, aufstacheln; niederländisch ›Zij maekt den hond boes‹; dazu die Abbildung des 18. Jahrhunderts, die sich satirisch gegen diejenigen Frauen wendet, die ihre sanftmütigeren Männer aufreizen; ähnlich Schlafende Hunde wecken: die Gefahr selbst herbeiführen; auf sich aufmerksam machen, unvorsichtig sein, ein kontroverses, schwieriges oder tabuiertes Problem aufgreifen, das man besser auf sich beruhen lassen sollte; vgl. französisch ›Il ne faut pas réveiller le chat qui dort‹ (wörtlich: Man darf die schlafende Katze nicht wecken), Katze.
   Ebenfalls auf die Jagd bezieht sich der redensartliche Vergleich, den Carl Zuckmayer (›Schinderhannes‹,4. Akt) bringt: »Die Kerl sinn ihr nachgemacht wie die Hund hinnerm Schweiß«.
   Wenn der Hund zum Springen und zum Laufen unlustig ist, rutscht er auf dem Hintern; daher Den Hund hinken Iassen: faul, falsch, unzuverlässig sein; die Redensart ist bereits im 16. Jahrhundert ganz geläufig (z.B. ›Zimmerische Chronik‹ I, 287 und bei Luther).
   Das ist so echt wie Hundehinken: wenn ein Hund einem größeren begegnet und sich von ihm bedroht glaubt, fängt er an zu hinken, um sich seiner Gnade zu versichern, indem er seine eigene Ungefährlichkeit manifestiert.
   Vor die Hunde gehen: verkommen, entzweigehen, zuschanden werden; die Redensart ist vielleicht hergeleitet von krankem und schwachem Wild, das leicht den Jagdhunden zum Opfer fällt (seit dem 17. Jahrhundert). Wahrscheinlicher als diese Herleitung aus der Jägersprache ist aber wohl die Geringwertigkeit des Hundes, die für die Wahl der Metapher ausschlaggebend gewesen ist (vgl. ›Das ist für die Katz‹, ›In die Wicken gehen‹, ›Flöten gehen‹ und verwandte Redensarten).
   Einer breiteren Erklärung bedarf die Redensart Hunde tragen (oder führen), landschaftlich mit verschiedenen Zusätzen, z.B. in Sachsen: ›bis Bautzen‹, im Elsaß: ›nach Lenkenbach‹, in Gießen: ›nach Endebach‹, in Franken: ›nach Buschendorf‹, in Schwaben: ›bis Ulm‹, Ortsbezeichnungen, die heute alle nur noch bedeuten: sehr weit. Der Sinn der Redensart ist: eine unangenehme, beschwerliche, langwierige, nicht einträgliche Arbeit ausführen. Man hat zur Erklärung an verschiedene alte Rechtsbräuche erinnert: ›Hunde tragen‹ war eine Strafe, zu der Edelleute, die geraubt oder den Landfrieden gebrochen hatten, verurteilt wurden; damit sollte ausgedrückt werden, daß sie eigentlich verdient hätten, aufgehängt zu werden wie ein Hund. Die Redensart ›Hunde führen‹ dagegen wird zurückgehen auf eine alte Untertanenpflicht, dem Herrn, zumal dem Gerichtsherrn, Hunde zu halten: eine sicherlich als beschwerlich empfundene Aufgabe. Möglicherweise haben die genannten Orte dabei eine bestimmte Bedeutung als Grenzangabe; so war Bautzen der Grenzort zwischen Meißen und der Lausitz; auch für Ulm an der Donau gilt eine solche Grenzlage.
   In dem Bannteiding von Podersdorf (Neusiedel am See) findet sich aus dem 16. Jahrhundert folgende Bestimmung:
   Wenn einer nach Podersdorf kommt und niemals früher hier gewesen ist, so soll man den größten alten Hund in dem Gemeindegebiet nehmen, ihn in einen Sack gut einbinden, daß er nicht beißen kann, und soll ihn dann dem Ankömmling auf die Achsel legen. Dieser soll ihn von des Richters Haus bis zu einem Kreuz tragen. Dort kann er rasten. Dann hat er den Hund ungesäumt wieder bis zu des Richters Haus zurückzutragen ... Wer aber den Hund nicht tragen will, kann sich mit einem Eimer Wein freikaufen. Mit der Strafe des Hundetragens hängt möglicherweise die Redensart ›auf den Hund kommen‹ zusammen, wenn hier nicht doch an den Hund als Zugtier der Ärmsten oder auch an den Hund als Nahrungsmittel ärmerer Leute zu denken ist (s.o.).
   Jemandem einen Hund antun: einen bitteren, kränkenden Spott zufügen (vor allem in Niederösterreich).
In dieser Redensart lebt die Erinnerung an alte Rechtsbräuche fort: an das Mithängen eines Hundes am Galgen als besonders schimpfliche Hinrichtungsart oder an die Strafe des Hundetragens. Die Rechtsstrafe lebt als Hänselbrauch weiter und ist verschiedentlich durch Weistümer belegt. Wie sehr die alten Rechtsbräuche fortwirkten, zeigt eine Kabinettsordre Friedrich Wilhelms I. von Preußen vom 5. November 1739, die aus dem Widerwillen gegen die Wiederaufnahme überlebter Sachen entstand: »Von morgen über acht Tage ab, wenn ein Advokat oder Prokurator oder anderer dergleichen Mensch seiner Königlichen Majestät Memoralien in abgetanen und abgedroschenen Prozeß oder Gnadensachen einreichen zu lassen sich unterstehen wird, als dann seine Königliche Majestät einen solchen ohne Gerede aufhängen lassen wird und neben ihn einen Hund«.
   Hunde aus- (oder ein-)läuten nennt man es, wenn unruhige Kinder beim Sitzen den einen oder den anderen Fuß beständig vor- oder rückwärts bewegen, auch: {\i Den Hunden Schiedung (Scheidung) läu-
   ten}; die heilige Glocke darf nur einem Menschen beim Tode ausläuten, nicht aber einem Tier; bei einem Tier wird sozusagen stumm geläutet, wie die Bewegung der Kinderbeine zeichenhaft andeutet.
   L. Schmidt meint dazu: »Die Beziehung auf den Hund, der offenbar unter dem Tisch liegend gedacht war, hat sich wohl im 16. Jahrhundert eingestellt. Hans Sachs hat sie 1534 verwendet (Zwölf Fastnachtsspiele aus den Jahren 1518-1539, in: Neudrucke deutscher Literaturwerke des XVI. und XVII. Jahrhunderts, Nr. 26 und 27, Halle 1880)«, Esel. Schmidt erwähnt des weiteren auch das Sprichwort: ›Wenn man einen Hund schlagen will, findet man einen Stecken‹, das bei Johann Fischart 1575 in seiner Verdeutschung eines französischen Originals begegnet:
   Wann man kurtzum einen tot will haben,
   Kan man bald ein ursach von Nägeln schaben,
   Und welcher schlagen will ein Hund,
   Bald ein Stecken fund.
Die Redensart ist im 19. und 20. Jahrhundert von Ostpreußen bis nach Österreich gewandert. Dort ist sie auch heute noch anzutreffen.
   Hunde hinten haben: einen heimlichen Schatz besitzen. Dazu wohl auch die Redensart Da liegt der Hund begraben: das ist's, worauf es ankommt; das ist die Ursache der Schwierigkeiten, des Übels; vgl. französisch ›voilà le chien‹, heute ungebräuchlich. Dafür: ›C'est là qu'est le lièvre‹ (wörtlich: Da liegt der Hase), Hase; niederländisch ›daar ligt de hond begraven‹. Wander (II, Spalte 879f.) bringt gleich mehrere, allerdings ganz verschiedene und sich widersprechende Erzählungen, die die Entstehung dieser Redensart zu erklären versuchen; sie alle sind aber erst sekundäre ätiologische Deutungsversuche, denen keinerlei Wahrscheinlichkeit zukommt. Wieder eine andere, aber vermutlich auch nur ätiologische Erklärung gibt Büchmann. Er erinnert an das Grabmal eines treuen Hundes, das sich in der Nähe der Schloßruine von Winterstein in Thüringen, zwischen Friedrichroda und Eisenach gelegen, befindet. Die beinahe 1m hohe Steinplatte trägt die Inschrift:
   Ano 1630 Jar dr
   19 Marci ward
   Ein Hund hieher
   Begrawen das in nicht fressen die
   Rawen war sein Name Stuczel genant
   Fürsten ud Hern wol bekt geschah
   Ob seiner grosse Treulichkeit die er
   Seine Her ud Frauen beweist.
Die Redensart bezieht sich aber wahrscheinlich auf den in der Erdentiefe verborgenen Schatzhüterhund der Volkssage. Oft ist es der Geizige selbst, der nach seinem Tode als Hund die Schatzgräber abschreckt. Mephistopheles spottet in Goethes ›Faust‹ (II,1, V. 4977ff.) über die Menge, die an seinem Schatzgräbertum zweifelt:
   Da stehen sie umher und staunen,
   Vertrauen nicht dem hohen Fund;
   Der eine faselt von Alraunen,
   Der andre von dem schwarzen Hund.
Hans Sachs läßt einmal einen jungen Menschen, der Geld in der Tasche zu haben glaubt, daran klopfen und sprechen: »Da ligt der hunt«. Bei Abraham a Sancta Clara (›Mercurialis‹,82) heißt es: »Vermerkte gar bald, wo der faule Hund vergraben lag«.
   Christian Weise (1642-1708) sagt in der Komödie ›Tobias und die Schwalbe‹ (I,15): »Es ist ein verständiger Hund, ich halte immer, es ist einmal ein Schatzgräber darein verbannt worden«. Offenbar hat man also den schwarzen Hund, der den verborgenen Schatz ursprünglich hütete, mit dem Schatz selbst gleichgesetzt. In dem ›Carmen de Brunsbergo‹ stehen die Verse:
   Horrendus canis est tenebrosum cinctus ad antrum
   Thesauri custos, qui latet imus ibi,
   Igneus est visus, color atque nigerrimus illi
   Os patulum et cunctis halitus, usque gravis.
Der schwarze Hund der Schatzsage steht vielfach anstelle des Teufels als Schatzwächter, wie der Teufel ja auch sonst vielfach in Hundegestalt auftritt. Um den Namen des Teufels zu verhüllen, sind dann wohl auch andere Ausdrücke eingesetzt worden, z.B.: ›Da liegt ein Musikant begraben‹ oder, wie in der angeführten Stelle aus dem ›Faust‹: »Da liegt der Spielmann, liegt der Schatz«. Goethe schreibt auch in einem Brief vom 6.6.1809 an Charlotte von Stein: »Ist doch alles, was mich in Jena umgibt, so trümmerhaft gegen vorige Zeiten, und ehe man sich's versieht, stolpert man über einen Erdhöcker, wo, wie man zu sagen pflegt, der Spielmann oder der Hund begraben liegt (deren Gedudel oder Gebell gleichsam in die darüber schreitenden Füße fährt)«; vgl. ferner das Liedchen ›Hier liegt ein Spielmann‹ aus ›Des Knaben Wunderhorn‹, wo es in der 9. Strophe heißt:
   Da laufen die Schwaben
   Und fallen in Graben,
   Liegt ein Spielmann begraben
   Mit der kleinen Killekeia,
   Mit der großen Kum, Kum.
E. Hermann deutet die Redensart völlig anders. Für ihn ist sie kein Hinweis auf einen Schatz, sondern vielmehr auf ein Geheimnis bzw. ein verborgenes Übel. Er geht von der entsprechend französischen Wendung: ›c'est là que gît de lievre‹ aus und folgert, daß es sich um ähnliche Prämissen handelt: so wie der Hase seinen Lagerplatz an einem schwer zu findenden Ort aufschlägt, bleibt auch die Stelle, an der ein Hund begraben wird, für die Allgemeinheit meist unbekannt. Wußte man, wo er begraben lag, war man hinter ein Geheimnis gekommen. Da im Englischen das Aufspüren eines unbekannten Übels wiedergegeben wird mit der Wendung ›There is the rub‹ (die ärgerliche Schleifstelle, die Quelle allen Übels), ist nach Hermann der Weg vom Geheimnis zum Übel auch bei der deutschen Redensart nicht weit.
   Der Hund hat das Leder gefressen: wenn man jemandem etwas anhaben will, findet man leicht einen Grund. Diese Redensart reicht in das Altertum zurück bis auf Theokrit (Id. 10,11): ›xalepon xorio kyna geysai‹ (es ist schlimm, den Hund vom xorion kosten zu lassen); xorion ist die feine Haut um die Eingeweide, die von den Griechen samt den Eingeweiden getrocknet, mit Milch gefüllt ans Feuer gesetzt, geröstet und so gegessen wurde. Xorion bedeutet aber auch die Hülle, die die Frucht im Mutterleibe umschließt und ihr bei der Geburt als Nachgeburt folgt. Diese Nachgeburt nun wird von Hunden, Schweinen u.a. Tieren gern gefressen. Wenn man Hunde zähmen wollte, hielt man ihnen dieses xorion vor. Man soll also keinen Hund davon kosten lassen, er kann dann nicht mehr davon lassen. Im weiteren Sinne muß aber xorion auch Haut bedeutet haben. Da Häute zu Leder verarbeitet werden, ergab sich die Bedeutung Leder von selbst. Sie drang nun auch in die Redensart ein. Hier beginnt das Mißverständnis, das über Lukian z.B. auf Horaz überging (Sat. II,5,83): »Ut canis a corio nunquam absterrebitur uncto« (Wie der Hund nie vom gefetteten Leder abzubringen ist). Von Horaz aus hat sich die Redensart weiter verbreitet. Z.B. bei Notker Labeo (952-1022): »Fone démo limble so beginnit tir hunt leder ezzen« (Angefangen mit einem Riemen beginnt der Hund Leder zu fressen): Kleine Übertretungen führen mit der Zeit zu größeren Vergehen. Genauso haben wir den Spruch noch bei Luther: »An den lappen lern der hund ledder fressen«. Er versteht es aber in dem Sinn: »Wem das kleine verschmaht, wird das großer nicht«. – Dieses Sprichwort erfuhr später noch einmal eine Umdeutung: Der Hund darf kein Leder fressen, tut er es doch, wird er gestraft. Hier beginnt nun wieder im Anschluß an Stellen wie Theokrit und Horaz die spätere Fassung ihre Bestätigung zu bekommen: ›Canis assuetus corio‹ und ›skytoys eneka deretai kyon, ekeinos de skytotomei‹ (Wenn man einen Hund prügeln will und will einen Grund haben, so muß er das Leder gefressen haben). Gemeint ist mit dem Leder fressenden Hund das Sichlosmachen von eingegangenen Verpflichtungen; das Tertium comparationis dürfte der lederne Riemen sein, an den der Hund gebunden war und den er nun zerbeißt. So z.B. in Freidanks ›Bescheidenheit‹ (138,17):
   Der hunt hat leder gezzen
   Do man dienstes vil vergezzen.
Im ›Renner‹ heißt es (V. 18365):
   swer triuwen und dienstes wil vergezzen
   der spricht sln hunt hab leder gezzen.
Bei Luther findet sich die Redensart wiederholt: »Aber es geht, wie man sagt, wenn man dem Hund zu will, so hat der Leder gefressen«. G.T. Pistorius bucht in seinem ›Thesaurus paroemiarum‹ von 1715/25 »An Riemennagen lernen die Hunde Leder fressen«. Und J.H. Voß dichtet: »Hans, der Hund, den hängen man will, hat Leder gefressen«. Vgl. französisch ›Qui veut noyer son chien l'accuse de la rage‹ (wörtlich: Wer seinen Hund ertränken will, behauptet, er sei tollwütig). Dagegen sagt das Sprichwort: ›Von geschmiertem Leder scheiden Hunde nicht gern‹, d.h. wer in einer günstigen oder scheinbar günstigen Abhängigkeit ist, wird sich nicht frei machen wollen.
   Den Hund vor dem Löwen schlagen: einen Schwächeren in Gegenwart eines Mächtigeren bestrafen, damit dieser sich eine Lehre daraus ziehe; später und sekundär: etwas Unsinniges tun. Varianten: ›Wenn man dem Löwen eine Lehre geben will, schlägt man den Hund auf die Schnauze‹ (Wander II, Spalte 883, Nr. 1464 und III, Spalte 242, Nr. 108); französisch ›battre le chien devant le lion‹; niederländisch ›Om den leeuw te bedwingen, slaat men het hondje klein‹. Auf die Redensart bezieht sich auch eine Darstellung vom Brunnen auf dem Domplatz zu Perugia, von Niccolo von Pisa und seinem Sohne Giovanni 1277-1280 errichtet. Die Wendung scheint zuerst bei dem hl. Ambrosius (›de Cain et Abel‹ I,13) vorzukommen: »caeditur canis, ut pavescat leo«. Von hier aus hat sich die Redensart in alle Sprachen Europas verbreitet. – Frühe Belege finden sich ferner in der ›Fecunda ratis‹ des Egbert von Lüttich (um 1023): »Ceditur, ut feritas paveat, canis ante leonem«; bei Thomasin von Zercläre (1216) (›Der wälsche Gast‹, ed. Rückert 1852, V. 12385):
   Der lewe der hat einen site,
   daz man im vüert einn hunt mite.
   Wan ob er ze deheiner stunt
   unreht tuot, man sleht den hunt;
   damit ist er gezühtigt wol,
   daz er tuot, daz er sol.
In Freidanks ›Bescheidenheit‹ heißt es: »Vohrhte machet lewen zam, êren beseme daz ist scham«; in Lassbergs ›Liedersaal‹ (III,493, V. 37):
   Ir zürnen fürcht ich alle tag,
   alsam der lew des hundez slag.
Der andere Morolf (v.d. Hagen-Büsching: Deutsche Gedichte des Mittelalters 1,5,46) schreibt:
   Der hunt wirt czu wilen geschlan
   umb daz der lebe hat getan.
Suchensinn, ein bairischer fahrender Sänger gegen Ende des 14. Jahrhunderts, schildert den Vorgang:
   Ein edler lewe ân missetât
   die natûre in hertzen hât,
   wan sîn meister vor im stât
   und slecht ein hündlîn sêre,
   zehant der lewe im vorchten tuot,
   dacz im betrüebet wirt sîn muot
   (E. Pflug, Suchensinn, Breslau 1908, S.78, Nr.6).
Das in einer Karlsruher Handschriftensammlung des 15. Jahrhunderts erhaltene Gedicht ›Von der Treu und Untreu‹ faßt die vielen Schädigungen, die ehrenhafte Leute durch die Untreue erleiden, als eine Warnung auf, die Gott der ganzen Welt vorhält:
   Man slecht den hund dem lewen vor.
   Das geschicht durch dro:
   Got slecht also die werlt,
   Die mit mangen sachen
   Die do ginnent swachen
   (A.v. Keller: Erzählungen aus altdeutschen Handschriften 1855, S. 631,16).
Auch in Luthers ›Sprichwörtersammlung‹ ist die Wendung ›Hund für dem lewen schlahen‹ verzeichnet.
   Shakespeare (›Othello‹ II,3) schreibt: »Ihr seid jetzt nur in seiner Heftigkeit kassiert; eine Strafe mehr aus Politik als aus Erbitterung, just als wenn einer seinen harmlosen Hund schlüge, um einen dräuenden Löwen zu schrecken« und Chaucer (›Canterbury Tales‹): »Um durch mein Beispiel andere zu bewahren, so wie den Löwen einst gewarnt der Hund«.
   Wo die Redensart in der neueren Literatur bezeugt ist z.B. bei Fischart u.a.), hat sie meist schon den Sinn eines unnützen Tuns angenommen, aber ursprünglich handelte es sich um einen tatsächlichen Realvorgang. Es gibt eine Abbildung des 13. Jahrhunderts aus dem Skizzenbuch des französischen Baumeisters Villard (Album de Villard de Honnecourt, architecte du XIIIe siecle, Paris 1906, Blatt 24), die zeigt, wie man damals wilde Tiere domestiziert hat: Der Tierwärter schlägt angesichts des Löwen die beiden Hunde, um den noch wilden Löwen zur Raison zu bringen. Dressuren von wilden Tieren durch Hundegeheul hat es sogar schon in der römischen Kaiserzeit gegeben; dieser Vorgang ist dann in die christlich-theologische Literatur übergegangen als redensartliches Bild zur Warnung der Pflegebefohlenen durch das Beispiel bestrafter Sünder. Diese geistliche Auslegung verschaffte dem ursprünglich konkreten Vorgang eine bis ins 19. Jahrhundert reichende Popularität in den sprichwörtlichen Redensarten verschiedener europäischer Völker. Aber zunächst hatte auch diese Redensart deutlich einen realen Vorgang als Ausgangspunkt.
   Die Redensart hat möglicherweise Parallelen im noch lebendigen Jagdgebrauch von Beduinen. Der Beduine nimmt, wenn er auf die Jagd geht, den Jagdleopard vor sich auf sein Kamel und zusätzlich noch einen in einem Korb sorgfältig verborgenen kleinen Hund. Das hat seinen ganz besonderen Grund. Denn nicht immer läßt sich das Raubtier nach einem Beutezug willig zurück auf das Kamel nehmen, z.B. wenn es noch blutrünstig ist und wütend um sich schlägt. Dann nimmt der Jäger den Hund aus dem Korb, packt ihn am Fell und gibt ihm fürchterliche Stockprügel, so daß das Tier vor Schmerzen aufheult. Beim Vernehmen dieser Schmerzensschreie wird das Raubtier ruhig und schmeichelnd und läßt sich vom Beduinen gefügig wieder auf das Kamel nehmen. Wenngleich auch kein direkter Zusammenhang mit der Redensart nachgewiesen werden kann, so ist doch anzunehmen, daß der Beduinenbrauch auf die Sitte der Tierbändiger der römischen Kaiserzeit bzw. auf die damit verbundene Kenntnis vom Verhalten bestimmter Raubtiere zurückzuführen ist. Schon bei Plinius ist nachzulesen, daß ein Jagdlöwe gezähmt werden kann, wenn er sieht, wie ein Hund geschlagen wird.
   Wenn die Hunde mit dem Schwanze bellen: nie, niemals, Buxtehude. Eine Fülle speziell schlesischer Sprichwörter und Redensarten hat K. Rother zusammengetragen, die nicht im einzelnen erörtert werden können. Nur eine kleine Auswahl soll hier ihren Platz finden: ›A bleder Hund werd salda fett‹; ›a fragt an tuten Hund dernooch‹; ›a frissts nei wie der Hund 's Gespeite‹; ›das kann ihm bekommen wie dem Hund das Grasfressen‹; ›das mag der Hund nicht, und wenns mit Butter beschmiert ist‹ – ›Dr Hund werd dir was scheissa (niessa)‹; ›Ich bien doch kee Hund, soo ichs riecha kennde‹; ›ich bin em gram, wie anem Hund‹; ›ich kann nicht allen Hunden Schuhe machen‹.
   Ferner Hundshaare, Hundeschnauze.
   Daherkommen wie das Hündle von Bretten: erfolglos und geschlagen, ›Wie ein begossener Pudel‹ oder ›Mit eingeklemmtem Schwanz‹. Wenn einer den kürzeren gezogen hat, wird das häufig kommentiert mit den Worten: ›Er kommt daher wie's Hündle von Bretten‹. Die Redensart bezieht sich auf ein bekanntes Denkmal in Bretten, worauf ein Hund mit abgehacktem Schwanz dargestellt ist. Dazu gibt es eine Vielzahl von Sagen, die als Erklärung des merkwürdigen Wahrzeichens Verbreitung gefunden haben. So heißt es in einer Sagenfassung: Eine Brettener Kaufmannsfamilie habe ihr Hündchen so abgerichtet, daß es ein Körbchen um den Hals gehängt bekam, worin ein Zettel und Geld lag, wenn es beim Metzger und Bäcker einkaufen ging. Als es an einem Freitag mit einer Wurstbestellung zum Metzger geschickt wurde, hieb ihm dieser aus Ärger darüber, daß das Fastengebot nicht eingehalten wurde (in einer 2. Fassung: aus Wut über nicht beigefügtes Geld) den Schwanz ab und legte diesen anstelle der Wurst in den Korb. In einer anderen Version wird von einer Belagerung berichtet, bei der von der hungernden Bevölkerung zur Vortäuschung von Wohlhabenheit ein Hündchen dick und fett gemästet und dann zum Stadttor zu den Feinden hinausgelassen wurde. Diese hackten ihm enttäuscht den Schwanz ab und schickten den verstümmelten Hund zurück als Zeichen dafür, wie es ihnen selbst ergehen würde. Doch dann besannen sie sich und traten den Rückzug an mitsamt dem abgehackten Schwanz. Das Hündchen soll als bleibendes Denkmal für die Errettung der Stadt aus großer Not auf ein Stadttor gesetzt worden sein. Tatsächlich befindet sich das Original des ›Brettener Hundle‹ in Stein gehauen an der evangelischen Stiftskirche (früher St. Laurentiuskirche) in Bretten, ein späteres Steindenkmal des Hundle dagegen auf dem sogenannten ›Hundlesbrunnen‹ an der Melanchthonstraße von Bretten (vgl. Grimm: Deutsche Sagen Nr. 96; E. Meier: Deutsches Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart 1852, Nr. 395, S. 356f.).
   Den Hund zum Jagen tragen müssen: wird auf eine Person bezogen, die überaus bequem und träge ist und sich buchstäblich nicht von der Stelle rührt.
• R. RÖHRICHT: ›Löwe und Hund‹, in: Zeitschrift für deutsche Philologie, 9 (1878), S. 473-474; F. BRINKMANN: Der Hund in den romanischen Sprachen und im Englischen, in: Herrigs Arch. Nr. 46, S. 425-464; F.A. STOETT: Het haar van den hond, in: Tijdschrift voor Nederlandse Taalen Letterkunde 12 (1893), S. 251-267; D. SANDERS: Zu der sprichwörtlichen Redensart: ›Hunde nach Bautzen tragen‹, in: Zeitschrift für deutsche Sprache 10 (1896-1897), S. 25-28; O. WEISE: In die Wicken gehen, flöten gehen und Verwandtes, in: Zeitschrift für hochdeutsche Mundarten, 3 (1902), S. 211-217; J. BOLTE: Den Hund vor dem Löwen schlagen, in: Zeitschrift für Volkskunde. 16 (1906), S. 77-81; 32 (1922), S. 145; 37/38 (1927/1928), S. 19; O. KELLER: Die antike Tierwelt, Band 1 (Leipzig 1909), S. 91-151, besonders 136-147; A. KOSKENJAACKO: Koira suomalaisissa ynnä virolaisissa sanalaskuissa = Der Hund in den finnischen und estnischen Sprichwörtern (Helsinki 1909); F. PFAFF: ›Das Hündchen von Bretten‹, in: Alemannia, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, ländliche Wohlfahrtspflege und Heimatschutz Badische Heimat, III. Folge, Band 5 (1913) S. 4416; J.S. TATLOEK: ›To beat the dog before the lion‹, in: Modern Language Notes 38 (1923), S.
506-507; K. ROTHER: Hund, Katze und Maus im schlesischen Sprichwort, in: Mitteilungen der schlesischen Gesellschaft für Volkskunde 26 (1926), S. 247-251; A. PFLEGER: Die alte ›Harneschar‹ oder das Hundetragen, in: Elsaß-Land- Lothringer Heimat, 9. Jahrg., April 1929, 4. Heft, S. 109-112; DR. AVABZINI: ›Der große Hund‹, in: Oberdeutsche Zeitschrift für Volkskunde. 7 (1933), S. 155; O. K HOFFMANN: ›Zwei Redewendungen aus dem germanischen Rechtsleben‹, in: Zeitschrift für deutsche Bildung 12 (1936), S. 192-195; Singer III, 21,99; W. DICKERTMANN: ›Wieso ist man auf den Hund gekommen?‹, in: Muttersprache 66 (1956), S. 478-481; ders.: ›Auf den Hund gekommen‹, in: Muttersprache 69 (1959), S. 287-288; M. KUUSI: Parömiologische Betrachtungen, Folklore Fellows Communications 172 (Helsinki 1957), S. 7ff.; B. ALLEN WOODS: The devil in dog form, Folklore Studies 11 (Berkeley – Los Angeles 1959); M. LEACH: God had a Dog. Folklore of the Dog (New Brunswick/N.J. 1961); P. ABL: ›Nochmals auf den Hund gekommen‹, in: Muttersprache 73 (1963), S. 182; S. COLDITZ: ›Nochmals auf den Hund kommen‹, in: Muttersprache 73 (1963), 54-55; G. KROTHOFF: ›Auf den Hund kommen‹, Etymology and Ideology, in: Modern Language Notes 78 (1963), S. 532-535; E. HERMANN: ›Da liegt der Hund begraben. Reflexionen über eine Redensart‹, in: F.A.Z.v. 14. Aug. 1971; L. RÖHRICH und G. MEINEL: Redensarten aus dem Bereich der Jagd und der Vogelstellerei, S. 315,317f.; R. THALMANN: Der Hund im Volksleben, in: Schweizer Archiv für Volkskunde 73 (1977) S. 224-230; R. SCHENDA: Artikel ›Hund‹, in: Enzyklopädie des Märchens VI, Spalte 1317-1340; R. BERGLER: Mensch und Hund. Psychologie einer Beziehung (Köln 1986); F. HERAN: Comme chiens et chats. Structures d'un conflit culturel et genese, in: Ethnologie française 18 (1988) S. 325-337.
Bekannt wie ein bunter Hund. Reklame für Gurken-Einmachgewürz von Alba.
Den Hund hinter dem Ofen vorlocken. Karikatur von Haitzinger, vom 16.VII.87. Aus: Badische Zeitung., Nr. 161, vom 17.VII.1987.
Zwei Hunde an einem Bein kommen selten überein. Misericordiendarstellung in Kempen (Niederrhein).
Wie Hund und Katze leben. P.e.R., Plate LIX.
Hunde flöhen. Detail aus einem Antwerpener Bilderbogen, aus: L'imagerie populaire des Pays-Bas.
Mit allen Hunden gehetzt. Posch-Missale 1526, Stiftsbibliothek Neustift Brixen.
Den Hund bös machen. Detail aus einem Bilderbogen aus Ost-Flandern, um 1700.
Da liegt der Hund begraben. Carl Schultze als ›Deubel‹, 28. Juni 1862 – Geering: Klassisches Theater in der volkstümlichen Parodie, in: Beiträge der deutschen Volks- und Altertumskunde, herausgegeben von W. Hävernick und H. Freudenthal, Hamburg 1970, H. 14, Tafel I.
Den Hund vor dem Löwen schlagen. Relief vom großen Brunnen in Perugia von Niccolo von Pisa und seinem Sohne Giovanni, 1277-80.
Den Hund vor dem Löwen schlagen. Skizzenbuch des französischen Baumeisters Villard (Album de Villard de Honnecourt, architecte du XIIIe siècle. Paris 1906, Blatt 24).
Den Hund vor dem Löwen schlagen. P.e.R., Plate CLVII.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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