Kamm
Alles über einen Kamm scheren: alle(s) gleichmäßig, nach einem und demselben Schema behandeln; seit dem 16. Jahrhundert bezeugt, so 1579 in Johann Fischarts Satire ›Bienenkorb‹ (S. 248a): »welchen allen zugleich über einen Kamm geschoren würd«. Die Redensart, die auch in anderen Sprachen vorkommt (z.B. schwedisch ›skära alla öfver en kam‹), geht wohl auf die Praxis der früheren Baderstuben zurück, wo der Bader für alle Kunden denselben Kamm benutzte, und nicht davon aus, daß ein Schafzüchter grobe und feine Wolle über denselben Kamm schert. Obersächsisch ›etwas mit seinem Kamm streichen‹, es durchnehmen, besprechen, Hechel.
   Bei jemandem (dort) liegt der Kamm neben (auf, bei) der Butter: bei jemandem (dort) geht es schmutzig, unordentlich zu; dort herrscht ein unsauberes Durcheinander.
   Jemandem schwillt der Kamm (auch Ihm geht der Kamm hoch): er gerät in Zorn, er wird wütend; aber auch: er wird eingebildet, übermütig, herausfordernd; vom Hahn hergeleitet, dessen Kamm tatsächlich anschwillt und sich tiefer rot färbt, wenn er in Zorn gerät: »Die Lippe bebt, schon fängt der Kamm sich an zu röten« (Wieland, ›Pervonte‹,3. Teil, V. 435). Vgl. französisch ›Le rouge lui monte à la tête‹ (Die Röte steigt ihm in den Kopf). Auch lateinisch ›cristae alicui surgunt‹ wird in übertragenem Sinne gebraucht. Ähnlich niederdeutsch ›he sett en Kamm up‹, er wird böse.
   Den Gegensatz drückt aus: Einem den Kamm stutzen (beschneiden): seinen Übermut zügeln, ihn dämpfen; jemandem die Geilheit austreiben; beruht auf dem Volksglauben, daß der Haushahn unfruchtbar wird, wenn man ihm den Kamm abschneidet. Einen auf den Kamm treten und: Ihn über den Kamm beißen: ihm gehörig zusetzen, eigentlich wie es der Hahn mit der Henne tut. Einen über den Kamm hauen: ihn hart anfahren, eigentlich: ihm einen Schlag über den Nacken geben. Kanthaken.
• P. SARTORI: Artikel ›Kamm‹ und ›kämmen‹, in: Handbuch des Aberglaubens IV, Spalte 942-952; E. SCHROCK: ›Comb's getting red‹, in: Western Folklore 31 (1972), S. 26; weitere Literatur Haar.}
Alle über einen Kamm scheren. Politische Karikatur aus der ehemaligen Sowjetunion.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Kamm — 1. An Kamm und Sporen erkennt man den Hahn. Holl.: Aan kam en sporen kent men den haan. (Harrebomée, I, 377a.) 2. An Kamm und Sporen sieht man, ob der Hahn alt oder jung ist. Holl.: Kam en sporen van den haan doen zijn ouderdom verstaan.… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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