Kante
Etwas (Geld) auf die hohe Kante legen: sparen, beiseite legen, zurücklegen. Entsprechend Etwas auf der hohen Kante haben: Ersparnisse zurückgelegt haben. Die Redensart wird meist so erklärt, daß Geld in größeren Mengen in Rollen verpackt wird und die einzelnen Geldstücke dann auf die Kante zu stehen kommen, also ›hochkant‹ stehen. Doch könnte mit der ›hohen Kante‹ auch ein Wandbrett, Sims, Schrank usw. gemeint sein, auf die man das Geld zur Aufbewahrung legte. Auch mit einer ätiologischen und vermutlich erst sekundär entstandenen Anekdote wird die Redensart in Zusammenhang gebracht. Von dem Kutscher Pfund Friedrichs des Großen, der auch als ›Pfundskerl‹ redensartlich weiterlebt, wird folgende Geschichte erzählt: Als der König überraschend Stallrevision hielt, fand er auf der Kante eines Brettes lauter Talerstücke. Das Geld lag, zu silbernen Säulchen gehäufelt, so arglos da, als wäre dieser Platz der rechte für ein kleines Vermögen in bar. Also rief Friedrich seinen Kutscher mit Namen Pfund und examinierte ihn:
   »Kerl, was hat Er da?«
   »Lauter Talers, Majestät!«
   »Sehe ich selber. Aber was tun die hier?«
   »Ick hab se uff die hohe Kante jelegt, für wenn ick mal vor die Tür jesetzt werden sollte.«
   »Aber Pfund, traut er mir das zu?«
   »Majestät, neulich wäre et bald soweit jewesen ...«
   Hier schüttelte Friedrich den Kopf, ritt zum Stall hinaus und dachte daheim über des Mannes Worte ausgiebig nach. Schickte am nächsten Morgen den Leibdiener Fredersdorff mit zehn blanken Talern los, zu des Kutschers Wohnung hin, muß man wissen, und gab dem Gelde noch einen lakonischen Zettel bei: »Lege Er es ebenfalls auf die hohe Kante. Aber mache Er sich keine unnützen Flausen«.
   Nach allen Kanten (z.B. loben) bedeutet dasselbe wie: nach allen Seiten, in jeder Beziehung. An allen Ecken und Kanten: An allen Ecken und Enden, überall. Norddeutsch ›dat stet so up de Kante‹, es kann leicht herunterfallen; ›es ist mit ihm up de Kant‹, es steht kritisch mit ihm, es geht mit ihm zu Ende; ›gah an de Kante‹, geh deiner Wege; ›Einen an die scharfe Kante kriegen‹, ihn zur Entscheidung zwingen.
   Kanthaken ist der eiserne Haken, mit dem beim Verladen der Schiffe im Hafen die Fässer und Kisten angefaßt, auf die Kante gestellt und gehoben werden. Daher die seit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts bezeugte Redensart Einen beim Kanthaken packen (nehmen, kriegen): ihn am Genick, beim Kragen, Am Schlafittchen nehmen Schlafittchen. Vielleicht ist die Redensart aus der Seemannssprache in die Umgangssprache übergegangen. Dann müßte es aber eigentlich und logisch heißen: ›jemanden mit dem Kanthaken fassen‹. Diese Formulierung ist jedoch nicht gebräuchlich. Nun hält bereits Adelung 1775 in seinem ›Versuch eines grammatischkritischen Wörterbuches‹ (Band 2, Spalte 1497) das Wort Kanthaken, dessen Bedeutung ja sehr wenig zu ›Genick‹ paßt, für eine Entstellung aus ›Kammhaken‹, das er in der Bedeutung ›Genick‹ anführt. Und in der Tat ist die ältere, seit dem 16. Jahrhundert bezeugte Form der Redensart: ›Einen beim Kamm nehmen‹, wobei ›Kamm‹ ursprünglich den Teil des Halses von Pferden usw. bezeichnet, auf dem die Mähne wächst, dann auch den Nacken, Schopf von Menschen; Kamm.
• R. BLOCK: ›Einen beim Kanthaken kriegen‹, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 26 (1912), S. 900-902; O. HAUSCHILD: ›Einen beim Kanthaken kriegen‹, in: Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 41 (1928), S. 57-59.}
Etwas auf die hohe Kante legen. Karikatur o.A. Aus: Zeitmagazin o.A..

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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