Katze
Ebenso wie der Hund kommt auch die Katze in zahlreichen bildlichen Redensarten vor, so daß Hans Sachs im Schwank vom Katzenkrämer dichten konnte: »Der hat fünf Katzen feil, eine Schmeichelkatze, eine nasse Katze, eine Haderkatze, eine Naschkatze und eine faule Katze«. Wanders ›Sprichwörterlexikon‹ zählt sogar über 1 000 Sprichwörter und Redensarten auf, in denen die Katze vorkommt.
   Die Katze im Sack kaufen: unbesehen kaufen (ebenso französisch ›acheter le chat en poche‹ und italienisch ›comprare la gatta in sacco‹; niederländisch ›een kat in de zak kopen‹). In der Umgangssprache der Gegenwart wird die Redensart vielfach in Beziehung auf die sogenannten ›Probenächte‹ und zur Rechtfertigung vorehelichen Geschlechtsverkehrs angewandt (›Man kauft doch keine Katze im Sack!‹); so auch in den Mundarten, z.B. elsässisch ›i will kei Katz im Sack käufe‹; niederdeutsch ›ik köp keen Katt in Sack‹.
   Das Volksbuch von ›Till Eulenspiegel‹ bringt zum ersten Mal den Schwank von der Katze im Sacke, die als Hase verkauft wurde. Hans Sachs hat denselben Eulenspiegelschwank zu einem Standesspott auf die Kürschner umgestaltet (›Ewlenspiegel mit der kaczen‹, I. 354f.):
   Seit her thuet mon noch faczen
   Die kuersner mit der kaczen.
Die frühesten schon im Mittelalter geläufigen Formen der Redensart sprechen nur vom ›Kaufen in einem Sack‹, z.B.:
   Man koufet daz vil selten
   In dem sacke und ungesehen
   Des man ze gewinne müge jehen
   (Stricker, ›Kleinere Gedichte‹);
»Wir koufen in dem sacke niht« (Winsbeke 63,6);
   Swer in dem sacke koufet
   Und sich mit tôren roufet
   Und borget ungewisser diet,
   Der singet dicke klageliet
   (Freidank, ›Bescheidenheit‹ 85,5).
Auch Luther gebraucht noch die mittelalterliche Form der Redensart ›im sacke keuffen‹; ›im sacke verkeuffen‹.
   Die Katze ›im‹ bzw. ›aus‹ dem Sack gehört jedoch erst dem Eulenspiegelschwank an, und das Zusammentreffen von Schwank und Redensart ist hier nicht verwunderlich, weil in den Eulenspiegelschwänken ebenso wie etwa im Redensartenbild Bruegels) die sprachlich Ausdrücke wörtlich genommen werden. Die ursprüngliche Redensart ist dann erweitert worden zu der Form, die sich bei Fischart findet: »Ir werd mir kei katz im sack verkaufen«. Beide Wendungen kombiniert finden sich noch bei Thomas Mann (›Die Entwicklung des Dr. Faustus‹, Frankfurt a.M. 1949, S. 16): »Ist es leichtsinnig, ›die Katze im Sack zu kaufen‹, so ist, sie darin zu verkaufen, noch weniger empfehlenswert«. Dazu das schwäbische Sprichwort: ›Narren und alte Weiber kauft man in einem Sack‹.
   Verwandt ist die Redensart Die Katze aus dem Sack lassen: die Wahrheit, die bisher verheimlichte wahre Meinung aussprechen. Wer die Katze aus dem Sack läßt, kann niemandem mehr einreden, daß sie ein Hase ist. Die Erklärung der Redensart braucht sich aber nicht unbedingt auf den oben erwähnten Eulenspiegelschwank zu beziehen. Man steckt die Katze in einen Sack, um sie zu ersäufen. Läßt sie der Träger aus Unvorsichtigkeit vorher aus dem Sack, ist damit die Absicht, weshalb er sie eingeschlossen hatte, vereitelt, und er weiß auch nicht, was die losgekommene Katze noch alles anstellen kann. Vgl. französisch ›laisser passer ...‹ oder ›montrer le bout de l'oreille‹ (wörtlich: die Ohrenspitze zeigen).
   Die Anwendung der Redensart reicht noch bis in die politische Karikatur der Gegenwart ›Raus mit der Katze aus dem Sack‹ heißt es bairisch und schwäbisch statt bloßem: ›Heraus damit‹ ›Heraus mit der Sprache‹ Dafür elsässisch ›Erus mit de wilde Katze!‹
Holsteinisch ›Nu kümmt der Kater to'n Sack rut‹, nun zeigt es sich, wird es offenbar; und ›Nu mutt de Katt to'n Sack rut‹, nun muß die Wahrheit ans Licht kommen; rheinisch ›Loss mol de Katz aus em Sack‹, ›zeige, was du verbirgst‹; schwäbisch ›Der glotzt, wie we ma d' Katz vom Sack' rausläßt‹, er macht erstaunte Augen. Daneben: ›Schwätz mir kei Katz in Sack‹, versuche nicht, mir etwas einzureden, und ›die Katz im Sack haben‹, das Schäfchen im trockenen haben.
   Das ist für die Katz(e)! auch Das ist der Katze: das ist vergeblich, wertlos, zwecklos. Niederdeutsch ›dat ös för de Katt to Böxe‹, rheinisch ›dat war för de Katz jedon‹, ›för de Katt sin‹ (vgl. niederländisch ›voor de poes zijn‹; französisch ›c'est de la bouillie pour chat(s)‹: es ist wertlos).
   Alles für die Katz!: alles vergebens, umsonst. In einem Klagelied, das Burkard Waldis in seinen Streitgedichten gegen Herzog Heinrich von Braunschweig dem Herzog in den Mund legt, jammert dieser, daß er vergebens auf sein Schloß Wolfenbüttel gebaut habe, vergebens auf sein Roß:
   Dahinder ich zu fuß mus gahn,
   Die Schwerter hants zerhauwen,
   Die Katz frist jizt davon.
Derselbe Burkard Waldis verwendet die Redensart 1548 in seiner Fabelsammlung ›Esopuss‹ (IV,62) zu der Erzählung ›Vom Schmied und seiner Katze‹: Ein Schmied nahm sich vor, von seinen Kunden nichts für seine Arbeit zu verlangen, sondern die Bezahlung ihrem eigenen Willen anheimzustellen; sie begnügten sich aber mit einem bloßen Danke. Nun band der Schmied eine fette Katze in der Werkstatt an, und wenn ihn die Kunden mit bloßen Dankesworten verließen, sagte er: ›Katz, das geb ich dir!‹ Die Katze verhungerte, und der Schmied beschloß, es zu machen wie die andern Handwerker, d.h. seine Bezahlung selbst festzusetzen. Die Geschichte ist zum Teil auch in die mündlichen Volkserzählung übergegangen und findet sich in redensartlichen Anspielung auch in den Mundarten z.B. schleswig-holsteinisch ›A Tak, däh döj ä Smej sin Kat a‹ (= Von Dank, davon starb die Katze des Schmiedes). – Ähnliches findet sich u.a. bei dem Prediger Abraham a Sancta Clara (1644-1709): Einer, der vom Fürsten bloße Versprechungen erhält, gibt seiner eingesperrten Katze nichts zu fressen, so daß sie Hungers stirbt; als ihn der Fürst wieder seiner Gnade versichert, sagt er, seine Katze sei daran gestorben. In denselben Zusammenhang gehört ein schleswig-holsteinisches Sprichwort: ›Was einer spart mit dem Mund, das ist für Katze und Hund‹: gemeint ist eine nur unbedeutende Ersparnis, aus der sich der Begriff ›vergeblich‹ leicht entwickeln konnte. ›Für die Katz‹ ist auch der Titel einer Bauernkomödie des Oldenburger Heimatdichters August Hinrichs. Mecklenburgisch ›Da, Katt, hest ok en Fisch‹; diese Worte begleiten ein Gegengeschenk, aber auch einen Gegenhieb. Wenn etwas verschwunden ist, seien es Lebensmittel oder irgendwelche Gegenstände, so gebraucht man häufig die scherzhafte Entschuldigung: ›Die Katz hat es gefressen‹; ›Die Katz hat es getan‹. Man bedient sich dieses Satzes aber auch, wenn man keine Auskunft über den Verbleib einer Sache geben will, entweder weil man keine Lust für weitschweifige Erklärungen hat, oder weil sie von jemandem verlangt wird, den sie nichts angeht. Meistens dient er aber dazu, Kindern klarzumachen, daß sie etwas nicht haben können. Im Elsaß sagt ein naschhaftes Kind, das wegen des Verschwindens eines Leckerbissens zur Rede gestellt wird: ›D' Katz hat's gfressn!‹, worauf es zu hören bekommt: ›Ja, die wu zween Füeß hatt‹. so schon bei dem Volksprediger Geiler von Kaysersberg (15. Jahrhundert) von einer naschhaften Magd und den verschwundenen ›Gastbißlen‹: »So ist es von der Katzen mit zweyen Beinen gefressen und verschlucket«. Die Redensart spielt deutlich an auf den damals sehr bekannten Schwank von der naschhaften Köchin (Aarne-Thompson 1741; Mot. 2137; ebenso Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 77; vgl. L. Röhrich: Erzählungen des späten Mittelalters I, S. 192ff.,291ff.).
›Die Katze hat vom Käse genascht!‹; ›Sie hat die Katze über den Käs kommen lassen‹; ›Sie hat die Katze drüber gelassen‹; ›der is och de Katz an de Käs gewest‹. Mit diesen Wendungen deutet man an, daß ein Mädchen sich hat verführen lassen.
   Tut jemand so, als wenn er seine Lieblingsspeise nicht mehr möge, sagt man ›Die Katze mag die Fische nicht‹. Außer Fischen, Mäusen und Vögeln gehören Käse, Speck und Schmer zu den Lieblingsspeisen der Katze; wer ihr etwas davon zum Bewachen gibt, macht den ›Bock zum Gärtner‹. Diesen Sinn haben auch die folgenden Beispiele der zahlreichen mundartlichen Belege: ›Die Katze anstellen, um die Milch zu bewachen‹; ›Die Katze in die Milchkammer treiben‹; ›Die Katze nach dem Speck schicken‹; ›Das heißt der Katze den Hering anvertraut‹; ›Das heißt die Katze zum Speck gesetzt‹ (vgl. niederländisch ›Dat is de Kat bij het spek gezet‹); ›Der Katze die Maus zu hüten geben‹; ›do hammer de Katz be et Fleesch gesatt‹; ›Das heißt der Katze den Käs anvertraut‹; französisch ›laisser le chat au fromage‹; (veraltet) schwäbisch ›der setzt die Katze zum Schmer und den Wolf zum Schaf‹; schweizerisch ›d' Chatz über's Schmer setzen‹. ›Das soll mir keine Katze fressen‹ sagt man, wenn man einen guten Bissen für sich selbst aufhebt. In Norddeutschland heißt es von einem, der gut gegessen hat: ›Dem wird auch die Katze den Magen nicht verschleppen‹ (›de Katz ward de Mag nich wegtrecken‹; ›dem geht de Katz m'em Magen net lofen‹). Bairisch ›der woaß, wo d' Katz in Toag langt‹ bezeichnet einen besonders listigen Menschen, der die Schliche der anderen genau kennt.
   Auf etwas Unmögliches weist die Wendung ›Die Katze im Fischladen bringt auch keine Heringe zur Welt‹, d.h. das ist zuviel verlangt.
   Und wenn es Katzen hagelt: beim schlechtesten Wetter (englisch: ›when it is raining cats and dogs‹.). ›Aussehen wie's Kätzle am Bauch‹ (schwäbisch): schneeweiß, blaß. Katzen bürsten: etwas heimlich tun. ›De Katz isch de Baum'nauf‹ (alemannisch): es ist schon vorbei, daran läßt sich nichts ändern.
   Der Katze den Schmer abkaufen: einen unvorteilhaften Handel abschließen, übervorteilt werden; speziell auch: etwas beim letzten Händler kaufen, also da, wo es am teuersten ist; kaufen oder etwas kaufen wollen, was gar nicht angeboten ist. Der Grundgedanke ist wohl der, daß der Schmer der Katze nicht feil ist. Den Ursprung dieser schweizerischen Redensart hat Gottfried Keller in der Erzählung ›Spiegel, das Kätzchen‹ auf eine angebliche Seldwylaer Sage zurückgeführt. Goethe reimt unter ›Sprichwörtlich‹ (um 1810):
   Freigebig ist der mit seinen Schritten,
   Der kommt, von der Katze Speck zu erbitten.
Dazu das Sprichwort: ›Der Katze ist nicht gut Schmer abkaufen‹, mit geizigen Leuten ist nicht gut handeln.
   Um etwas herumgehen wie die Katze um den heißen Brei: Ausflüchte machen, ein Problem umgehen, das Wesentliche nur mit vielen Umschweifen berichten. Das anschauliche Bild leitet sich von der Vorsicht und dem Mißtrauen her, mit dem die Katzen den dampfenden Freßnapf umkreisen. so auch mundartlich holsteinisch ›he slickt sik ümbi as de Katt üm de Mehlbrie‹; ›üm de Semp‹; schweizerisch ›tapen (bedächtig vorgehen) wie die Katze um ein frisches Mus‹; französisch heißt es: ›tourner autour du pot‹. Lateinisch gilt in gleichem Sinne: ›Lupus circa puteum saltat‹ = der Wolf tanzt um den Brunnen. Im Deutschen findet sich die Redensart bei Luther: »Drumb geht er umbher wie die katz um den heißen brey«.
   ›Dat ös Katt un Hund vergäve!‹ Mit diesem Ausruf gibt man seiner Unzufriedenheit über schlechtes Essen Ausdruck. Der Sinn ist klar: Dieser Schlangenfraß würde sogar Hund und Katze, die doch das Schlechteste gewohnt sind, vergiften.
   Wie Katz(e) und Hund zusammen leben: verfeindet sein, sich nicht vertragen, sich nicht leiden können (vgl. englisch ›to fight like cats and dogs‹; französisch ›ils s'accordent comme chiens et chats‹). Nach weitverbreiteter Ansicht können Katze und Hund nicht friedlich zusammenleben.
   Die Wirklichkeit widerspricht dieser redensartlichen Meinung oft, denn früh aneinander gewöhnte Hunde und Katzen kommen meistens sehr gut miteinander aus.
   Die Redensart Wie Katz' und Hund miteinander stehen wird durch zahlreiche und ganz verschiedenartige Erzählungen begründet (Aarne-Thompson 200). Darin allerdings gleichen sich fast alle diese ätiologischen Erzählungen, daß sie von einem ehemaligen guten Einvernehmen zwischen Katze und Hund sprechen (Kontrakt, gemeinsame Wirtschaft, gemeinsame Jagd, Verwandtschaftsverhältnis usw.), das durch ein einmaliges Ereignis sich ins Gegenteil verkehrte.
   Wie ›Hund und Katze‹ redensartliche Gegensätze sind, so auch ›Katze und Maus‹. Am häufigsten ist die Redensart ›Spielen wie die Katze mit der Maus‹. Das Spiel der Katze mit der Maus gründet sich durchaus auf reale Naturbeobachtung: Katzen spielen tatsächlich mit der gefangenen Maus, bevor sie sie fressen. Die bildliche Anwendung der Redensart hat sich vermutlich in Frankreich zuerst ausgebildet; vgl. französisch ›jouer au chat et à la souris‹: einander nachlaufen. Auf französischem Boden ist die Redensart auch schon früh in lateinischer Sprache bezeugt: ›Sic alacer cattus, dum prenso mure iocatur, raptum deponuit depositumque rapit‹. Deutsch zuerst: »Als die katze mit der mus spilten die Oselère« (›Livländische Reimchronik‹ 1230); »Dy spelen mittenander alzo dy katze mit der mauß« (Prov. Fridanci 112); »Und mit inen als ein katz mit einer mauß spylen« (Geiler von Kaysersberg); »Vnd die magd mit den schüsseln spilt als ein katz mit der mauß« (Sebastian Franck, Sprichwörter 209). Bis zur Gegenwart ist die Redensart Katz und Maus mit jemandem spielen in zahlreichen, vorwiegend niederdeutschen Varianten lebendig, z.B. ›hei springt'r midde umme as de Katt mit'r Mus‹; ›de spellt grad med dem we de Katz met der Maus‹.
   Es geht ihm wie der Katz mit der Maus sagt man von jemandem, der mit langweiligen Menschen nichts zu tun haben will. Goethe erweiterte die Redensart zu folgendem Zweizeiler:
   Es geht ihm wie der Katz mit der Maus,
   Für einen Leichnam ist er nicht zu Haus.
Es ist jedoch zweifelhaft, ob der Zusatz wirklich den ursprünglichen Zusammenhang zum Ausdruck bringt. Wahrscheinlicher ist, daß sich die Redensart auf die Beobachtung gründet, daß eine unbewegte Maus der Räuberin viel weniger ins Auge springt als eine laufende.
   Da greifen zehn Katzen nicht eine Maus; ›dau findet siebe Katze kä Maus‹; ›Sieben Katzen können da keine Maus fangen‹ bezieht sich auf ein heilloses Durcheinander, in dem es schwer ist, Ordnung zu schaffen. ›Neun Katzen können nicht eine Maus drin fangen‹, sagt man von einem gänzlich durchlöcherten Kleidungsstück, wo die Mäuse zu viele Wege zum Herausschlüpfen fänden, wenn die Katze dort Jagd auf sie machen müßte. Die Redensart ist hauptsächlich im Norden verbreitet (vgl. auch Wilh. Buschs ›Katze und Maus‹).
   Setz die Katzen an und jag die Mäus voraus!: mach schnell! Die Redensart geht auf einen Spruch aus dem Beginn der Neuzeit zurück:
   Wer mit Katzen ackern will,
   Der spann die Mäus voraus,
   So geht es alles wie der Wind,
   So jagt die Katz die Maus.
Auch das Sprichwort ›Wer mit Katzen ackern will, der eggt mit Mäusen zu‹ hängt damit zusammen.
   Er will andern Katzen fangen und kann sich selbst keine Maus fangen heißt es von einem, der anderen in wichtigen Angelegenheiten Ratschläge erteilen will, obwohl er selbst schon bei kleineren Aufgaben versagt.
   Mit den Worten ›Wenn die Katz satt es, schmecke de Müs bitter‹ weist man einen zurecht, der über das Essen nörgelt. Dieselbe Bedeutung hat auch das Sprichwort: ›Wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter‹. Aus der Tierfabel (Aarne-Thompson 110) stammt die Redensart Der Katze die Schelle nicht umhängen wollen. Die Mäuse beschließen, der Katze, um von ihr nicht beschlichen zu werden, eine Schelle umzuhängen. Als es aber an die Ausführung des trefflichen Beschlusses geht, findet sich keine Maus, die das heikle Geschäft übernehmen will. Die Fabel kommt im Deutschen schon 1350 in Ulrich Boners ›Edelstein‹ vor. Dort heißt es (V. 19ff.) von den Mäusen:
   si rieten alle ûf einen sin,
   wi sie wol möchtin komen hin,
   und vor der katzen zorn genesen.
   sie muosten alle in sorgen wesen;
   grôz was der katzen gewalt.
   der miusen rât was manigvalt.
   ze jungest kâmens über ein
   mit gemeinem râte, daz irein sölt
   der katzen henken an
   ein schallen, die si sölte hân
   und tragen, einzeklîch dur daz,
   daz si sich möchtin deste baz
   gehüeten vor der katzen list.
   dô antwurt in der selben vrist
   ein altiu mûs, und sprach alsô
   »des râtes sîn wir alle vrô!
   der rat mag uns wol troestlich wesen;
   wil got, wir mugen al genesen.
   râtent, und koment über ein,
   wel under uns diu sî allein,
   diu daz getürre wol bestân,
   daz si der katzen henken an
   welle die schallen (daz dunkt mich guot);
   sô wirt gevrîget unser muot,
   und mugen âne sorge leben«.
   enkein mûs wolt sich selber geben
   an den tôt, an ende stât
   und âne nutz der miusen rât ...
Boners Quelle war Odos 26. Fabel ›de muribus et cato‹; aus dieser ist vermutlich auch ein lateinisches Gedicht einer Pariser Handschriftensammlung des 14. Jahrhunderts abgeleitet. Im 16. Jahrhundert kehrt die Fabel bei Arlotto, Joh. Pauli und Hans Sachs wieder und reicht von hier bis in die Volksüberlieferung des 19. und 20. Jahrhunderts. La Fontaine hat ihr im Französischen die klassische Form gegeben. Entsprechend häufig finden sich redensartlich und sprichwörtliche Anspielungen auf die Fabel. In Hans Rosenplüts ›Klugem Narren‹ heißt es:
   Der der katzen die schellen anpunde
   Vnd frohlich die warheit getorst gesprechen.
Sebastian Franck verzeichnet in seiner Sprichwörtersammlung: »Wer will der katzen die schellen anhencken?« Anders Lehmann S. 32 (›Anschläg‹ 13): »Wenn die Katzen mausen, hengen sie keine Schellen an«. Der junge Goethe übernahm die Redensart in die erste Fassung seines ›Götz‹: ›So ist doch jetzt, da es zur Sache kommt, niemand als der getreue Gottfried von Berlichingen, der der Katze die Schelle anhängen mag‹. Bismarck sagte in einer Rede (Reden VIII,387): »Gerade in der Stellung, in der ich bin, halte ich es für meine Pflicht, der Katze die Schellen anzuhängen, die Sache offen zu besprechen«. Vgl. mittellateinisch ›feli tintinnabulum annectere‹; englisch ›who shall hang the bell about the cat's neck?‹, niederländisch ›de kat de bel aanbinden‹; französisch ›attacher le grelot (au chat)‹; ähnlich italienisch und spanisch. Eine weitere deutsche Variante ist: Die Katze häng sich auch keine Schelle um, wenn sie auf Mäusejagd geht: ich muß doch nicht alles verkünden, was ich vorhabe. Redensart bzw. Fabel sind als Sinnbild für den Kampf der Tugend gegen das Laster – oft bildlich dargestellt worden, insbesondere in der niederländisch- flämischen Tradition. Die Miserikordien- Skulptur von Kempen am Niederrhein zeigt genau die Fabel: vier Mäuse gruppiert um eine Katze; ein Schellenhalsband liegt am Boden, und man ersieht aus dem diffusen Verhalten der Mäuse, daß es offenbar unmöglich ist, der Katze die Schelle umzuhängen. Dem Sinn der Fabel entspricht zunächst auch die Bedeutung der Redensart ›Der Katze die Schelle nicht umhängen wollen‹. Sie meint zunächst eben: ein gefährliches Unterfangen nicht übernehmen wollen, entsprechend noch im modernen englischen Sprachgebrauch: ›it is well said, but who will bell the cat?‹ In späteren Darstellungen wird der Katze tatsächlich die Schelle umgehängt, aber es ist nicht eine Maus, die dies besorgt, sondern entsprechend der bildlichen Übertragung ein Mensch. In dieser Weise vermenschlicht findet sich die Redensart ebenso auf P. Bruegels Redensarten-Bild wie in den späteren niederländischen Bilderbogen. Die Übertragung aus der Welt der Tierfabel in die Welt menschlichen Tuns hat notwendigerweise auch eine Sinn- und Funktionsveränderung mit sich gebracht. ›Der Katze die Schelle umhängen‹ wird jetzt zu einem redensartlichen Bild der üblen Nachrede. Positiv gewendet, bedeutet ›der Katze die Schelle umhängen‹ nun: ein Gerücht über jemanden ausstreuen, böse Nachrede über jemandenführen, jemanden bemäkeln, eine Heimlichkeit offenbaren. Dadurch, daß diese Redensart nun nicht mehr zwischen Maus und Katze, sondern zwischen Mensch und Katze spielt, hat sie ihre ursprüngliche Realwelt der Fabel verlassen und ist außerdem auch zum Bild unsinnigen Tuns geworden; d.h. es kommt noch eine dritte Bedeutung hinzu. Folgerichtig ist es nur noch der Narr, der so etwas tut, was in Sebastian Brants ›Narrenschiff‹ auch seine bildliche Demonstration gefunden hat. Der dazu gehörige ›Narrenschiff‹-Text lautet:
   Manch narr der richt vß yederman
   Vnd henckt der katzen die schellen an
   Vnd will sin doch keyn wort nit han.
So können uns die Bilder helfen, den Bedeutungswandel von Redensarten zu erläutern; zugleich entwickelt sich die Darstellungsabsicht von der abgebildeten Fabel zur abgebildeten Redensart.
   Mundartlich (die) Katze (aus-)halten: stillhalten, auch: sich Übles gefallen lassen müssen; ähnlich: Der muß die Katz halten, Die Katze heben; Die Katze in die Sonne halten müssen. Der älteste Beleg für die Redensart stammt aus dem Jahre 1525. Aber noch in Lessings ›Minna von Barnhelm‹ (III,10) sagt Franziska: »Ja, ja; im Wagen muß der Herr Major Katz aushalten; da kann er uns nicht entwischen«. ›Die Katze aushalten‹ bedeutet auch: er muß zu Hause bleiben, oder: er muß für den anderen die Strafe auf sich nehmen. In der Leipziger Gegend sagt man: ›Du mußt die Katz' aushalten‹, du mußt dich in dein Schicksal fügen. Möglicherweise geht die Redensart auf einen älteren Rechtsbrauch zurück (vgl. ›Hundetragen‹). Das gleiche gilt auch für die Redensart Die Katze durch den Bach ziehen; ›der muß die Katz durch'n Bach schleiffn‹; ›Es geht mit der Katz durch den Bach‹; ›Er muß die Katze übers Wasser tragen‹. Die Redensart ist schon für die Reformationszeit belegt. In Johann Fischarts ›Flöhhatz‹ heißt es: »... und wer da ist am meisten schwach, der zieh die Katz dann durch den Bach«. Aus der gleichen Zeit stammt folgende Stelle: ›Wenn in Verbundnussen der fürnembsten einer noth leidet, müssen die geringeren hernach, jedermann fallt auff sie und müssen die Katz durch den Bach ziehen‹. Die Redensart ist im Südwesten Deutschlands, besonders längs des Rheins, verbreitet. Sie bedeutet im allgemeinen: für jemanden anderen die Suppe auslöffeln, entweder indem man für einen Schaden, den man nicht selbst verursacht hat, bezahlen muß, oder indem man eine gemeinsame Rechnung allein zu begleichen hat. In denselben Zusammenhang gehört auch schwäbisch ›mit der Katz durch de Bach‹, mach schnell, sowie ›d' Katz isch scho de Bach na(b)‹, die Sache ist schon schief gelaufen. Die seit dem 16. Jahrhundert bezeugte Wendung Mit einem die Strebekatze (mundartlich auch: die Strangkatze, die Strabelkatze) ziehen: in Zank mit ihm leben, hat ihren Ursprung entweder ebenfalls in einer alten Ehrenstrafe, wo zwei sich vor der Menge um eine Katze reißen mußten, oder im Spiel des ›Katzenstriegels‹, einem mittelalterlichen Kraftstück, ähnlich dem Tauziehen: zwei Spieler, um deren Hälse eine Seilschlinge gelegt ist, hocken sich gegenüber und haben die Hände auf dem Boden aufgestützt. Beide versuchen, durch Zurückbiegen des Kopfes, den Gegner zu sich herüberzuziehen. Ähnlich heißt englisch ›to tear the cat‹ = wüten, toben, z.B. in Shakespeares ›Sommernachtstraum‹ (I,2). Bei Christian Weise: »Ich habe noch mit niemand gezankt, nur mit meinem Mann ziehe ich manchmal die Strebekatze; aber solch ein Ding gehört zum Haushalten«. Auch Miteinander im Katzenbalgliegen, Sich katzbalgen: sich streiten, gehört hierher. So steht bereits bei Aventin: »und hat Julianus vier jar an einander sich mit den Teutschen gekatzbalgt«.
   Von falschen Menschen (›falschen Katzen‹) sagt man auch, daß sie wie die Katzen vorn lecken und hinten kratzen lecken, so auch zum Teil in den Mundarten, z.B. schlesisch ›daar ies wie de Kotza, die vorna lecka un hinda krotza‹. Schon Luther kennt das Sprichwort »Das sind böse Katzen, die vorne lecken und hinten kratzen«. Hans Sachs bringt das Sprichwort mit dem Judaskuß zusammen; es gibt dazu eine sehr eindrucksvolle Illustration von Hans Weiditz. Thüringisch bedeutet ›mir war, als hätt' mich das Kätzchen geleckt‹, ich war ganz vergnügt, ich wiegte mich in behaglicher Sicherheit; dagegen schleswig-holsteinisch ›dat lickt di de Katt nich af‹, das bleibt auf dir sitzen, besonders von Prügeln, die einer bezogen hat. Aus dem Erzgebirge ist bezeugt: ›Do muß mer de Katz Miezel häßen‹, gute Miene zum bösen Spiel machen.
   Die Katze ist im Aberglauben Begleiter von Teufel und Hexe. sie kann fast lautlos schleichen und sieht auch nachts mit phosphoreszierenden, grünen Augen. Das machte sie den Menschen unheimlich. Da sie mit dem Teufel im Bunde ist, bedeutet ihr Erscheinen etwas schlechtes; sie ist der Bote drohenden Unheils. Besonders die schwarze Katze war gefürchtet. Will eine Sache gar nicht gedeihen, so sagt man deshalb: Da ist die schwarze Katze zwischen gekommen. In allen Mundarten finden wir entsprechende Wendungen. Niederländisch heißt es: ›Daar is eene zwarte kat tusschen gekomen‹.
   Mit der Redensart Sieht doch die Katz den Kaiser an pflegt sich jemand zu entschuldigen, der wegen seiner Dreistigkeit getadelt wird. 1513 bucht Tunnicius unter Nr. 86 »It süt wol eine katte up einen konnink (Adspicit et felis magna corpora regum)«. Zur Entstehung der Redensart wird eine geschichtliche Sage oder Anekdote überliefert. Die Erzählung sucht den Ursprung der Redensart in einem Besuch Kaiser Maximilians in der Werkstatt des Holzschneiders Hieronymus Resch, wo eine sehr zahme, anhängliche Katze fast stets auf dem Arbeitstisch des Meisters zu finden war. Diese Katze soll nun trotz des Kaisers Anwesenheit ihren Platz behauptet und den Kaiser beständig mißtrauisch angesehen haben. Daher, so sagt man, stamme die Redensart. Aus den Kreisen der Hofleute wäre sie dann allmählich in den Volksmund übergegangen. Doch handelt es sich sicher hierbei um eine nachträglich erfundene ätiologische Anekdote. Das Datum des Kaiserbesuches ist für 1517 genau fixierbar; doch spricht gegen die traditionelle Erklärung der Redensart aus dem historischen Anlaß die Tatsache, daß die Redensart schon 1514 in Niederdeutschland gedruckt erscheint. Auch in England findet sich schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Wendung ›A cat may look on a king‹. Noch ein anderes Moment spricht gegen die Anekdote als Ursache der Redensart: Neben der ›Kaiser‹-Redaktion erscheint in den Belegen schon früh die ›Bischofs‹-Version (vgl. auch französisch ›un chien regarde bien un évêque‹), z.B. schon in einem Fastnachtsspiel von Hans Rufold Manuel von 1548:
   Ä, wilt dich dann nit bschowen lan,
   Sicht doch ein katz ein Bischoff an!
In der gleichen Form kennt man die sogar durch einen Reim gestützte Redensart noch im heutigen Wien; vor allem auf die Frage: ›Was schaust mi denn an?‹: ›Schaut die Katz den Bischof an, und dös is a geweichter Mann!‹
   James Joyce wandelte die Redensart ab und bezog sie auf das Oberhaupt einer Stadt: »... die Katze schaute hinauf zum Bürgermeister, denn im Städtchen Beaugency war es wohl erlaubt, daß eine Katze einen Bürgermeister ansah« (›Die Katze und der Teufel‹).
   Die Redensart ist in mancherlei oberdeutschen und niederdeutschen Versionen noch heute geläufig, z.B. schwäbisch ›Ma wurd de därfe au no angucke, därf jo d'Katz de Kaiser au angucke‹, oder holsteinisch »De Katt sätt doch wohl den Kaiser an, un seggt nich erst: ›Gnädiger Herr‹«. Die Abwehr des starren Anschauens hängt wohl mit der Furcht vor dem bösen Blick zusammen; zumal die Katze als Hexentier galt. Man nahm sich also auch vor dem Angeschautwerden durch die Katze in acht. Daraus erklärt sich der Grundgedanke der Redensart, wenn der Ermahnte meint: Mein Anschauen ist harmlos, sieht doch die hexenartige Katze vermessenerweise sogar so bedeutende Personen wie Kaiser oder Bischof an, und doch schadet es ihnen nichts. Nicht auf einen bestimmten Kaiser oder Bischof bezieht sich also die Redensart, wie die geschichtliche Sage glauben lassen möchte, sondern auf den geweihten Herrscher als solchen.
   Wenn einer Seine Katze schickt, so kümmert er sich nicht selbst um eine Angelegenheit, sondern läßt sie von einem unbedeutenden Untergebenen erledigen. Bevor die Katze Junge wirft, verliert sie Haare; die mundartlich reich belegte Redensart Jetzt geht der Katz das Haar aus bedeutet: jetzt geht es hart her, jetzt wird es ernst. »Erst da gieng der katzen 's har uss; forcht, schrecken, zittern mängen grus empfiengend wir on underloss«, schreibt R. Schmid 1579.
   Das kostet der Katze den Schwanz; Das kostet der Katze das Fell: nun ist's aber genug!
   Die Katze am Schwanz haben: eine Sache fest im Griff haben ( Katzenschwanz). Da beißt sich die Katz in' Schwanz: das ist ein circulus vitiosus, eine sich im Kreis drehende Kausalität.
   Er kann die Katze am Arsch lecken: Ausdruck derber Abweisung; gemildert durch die Einfügung der Katze. Vgl. die dazu gehörigen Verse:
   Wer nie die Katze am Arsch geleckt,
   Weiß nicht, wie Katzenscheiße (auch: Affenscheiße) schmeckt.
Immer noch besser als der Katze am Arsch geleckt: besser als nichts; Arsch, lecken.
   Bei überraschenden Ereignissen kann man den Ausruf hören: {\i Da möchte doch die Katze Kaviar scheißen!
   Da ist der Katze gleich gestreut}; so auch in den Mundarten, z.B. schwäbisch ›Jetz isch dr Katz gstreut‹, der Übelstand ist beseitigt, die Sache ist zur Zufriedenheit erledigt. Die Redensart bezieht sich ursprünglich wohl auf die geschwinde Beseitigung von Katzendreck durch Bestreuen mit Sand.
   Nur ein Katzensprung: es ist nicht weit.
   Um die Geringfügigkeit einer Angelegenheit darzutun, sagt man: Darum bekommt die Katze keinen Klaps. Dieselbe Bedeutung hat auch die Wendung Davon wird keine Katze den Schwanz verlieren.
   Das macht der Katze keinen Buckel: das ändert nichts an der Sache, das tut der Liebe keinen Abbruch. Das macht der Jungfer kein Kind. Mundartlich ›das macht der Chatz kei Buggel‹: ›dat micht der Katz kän Bockel, wann se käner hot‹.
   Kein Katzendreck: keine Kleinigkeit.
   Wenn man einen Besuch machen will und trifft niemand an, so sagt man wohl Es war keine Katze da und drückt damit aus, daß nicht einmal das geringste, aber notwendig zum Haus gehörende Lebewesen daheim war.
   Um etwas Unwahrscheinliches auszudrücken, sagt man: Das geschieht, wenn die Katze ein Ei legt, Wenn die Katze kräht: es ist sehr spät. Belegt ist diese Wendung schon 1650: »Ein solches Schreien und Lüejen (der Zechbrüder) währet oft bis gar spät in die Nacht, bis die Katzen, wie das sprichwörtlich lautet, kräjen!«
   Ehe die Katze ein Ei legt: schnell; und Ehe die Katze vom Backofen kommt (auf dem sie die Nacht über geschlafen hat): sehr früh. Wo die Katzen Eier legen ist eine Umschreibung für nirgends.
   Das mach einer Katz weis! (niederdeutsch ›Dat mak der Katte im Drome nit wis!‹) ruft man aus, wenn einer etwas völlig Unglaubwürdiges erzählt.
   Mehrfach kommt Katze vor in scherzhaften Antworten auf die vorlaute Frage: ›Was?‹; z.B. schwäbisch ›Katz' isch dei Bas, Hund isch dei Vetter, morgen wird gut Wetter‹; oder niederdeutsch ›Wat?‹ ›Swart Katt, bunt Hund, slap gesund!‹
   Nur regional notierte Wendungen sind: schlesisch ›das wird keine lahme Katze anlocken‹. Rheinhessisch sagt man von einem, der Heimweh hat: ›er will seines Vaters Katz noch einmal sehen‹; vor allem in Österreich ist verbreitet: ›die Katze putzt sich, wir kriegen Gäste‹. ›Merke, wo Chatz im strau hockt‹ sagt man schweizerisch für: ›Wo der Hase im Pfeffer liegt‹. ›De Katt öss em möt dem End weggerennt‹ heißt es niederdeutsch, wenn ein Redner mitten in seinem Vortrag steckenbleibt. ›Dat is de erste Katt, die mi van Dage die Poten gift‹, sagt man in Norddeutschland, wenn man von unerwarteter seite gegrüßt wird, und drückt damit aus, daß man von der freundlichen Gesinnung des Grüßenden etwa so viel hält wie von dem Schnurren der falschen Katze.
   Gebräuchliche redensartliche Vergleiche sind: ›Er fällt immer wieder auf die Füße wie eine Katze‹. Mundartlich finden sich reiche Belege dieser Redensart, so schweizerisch ›er fallt allwil uf d'Füess wie d'Chatze‹; rheinisch ›er fällt wie de Katz op de Föss‹. Dagegen: ›Wann et Onglöck sin sall, fällt de Katz van Stuhl un brecht de Start‹.
   Es geht wie das Katzenficken (Katzenmachen): es geht sehr schnell (19. Jahrhundert).
   Von einem übertrieben unterwürfigen Menschen sagt man Er krummbuckelt wie eine Katze; Er katzbuckelt. Der gekrümmte Rücken nach Katzenart gilt als Zeichen von Dienstfertigkeit und Schmeichelei. Lessing verwendete das sprachliche Bild vom ›Katzenbuckel‹ zuerst 1767 literarisch in seiner ›Minna von Barnhelm‹ (3,1). Rheinhessisch ›ein Buckel wie e Katz, wenns dunnert‹, rheinhessisch ›nass wie e Katz‹
   Rheinisch ›de mach en Gesich wie en Katz, wann et donnert‹, ›wann et bletz‹, ›wann et wederlöch‹, ›wann se Donnerwedder sieht‹, ›die möm Arsch Nöss krach‹, ›die en hete Wotzel in de Mond hot‹, ›die Destele kaut‹, ›die Bretzele friß‹; ›wie en Katz no Fastelovend‹, ›wie en Katz om schleifstein‹, ›wie en Katz, die se op de sterz getrodde hant‹, ›wie en Katz em Kellerloch‹, ›wie en Katz, wo Heu roppt‹, ›wie en Katz, die en de Brei hät geseck‹, ›wie en besächt Katz‹, ›de mach en Gesich, als wenn alle Katze Köh möte werde‹.
   Schleswig-holsteinisch. ›en Stemm, as wenn mer de Katz op de Start tritt‹: ›en Stemm wie en Katz, der de Schwanz geklemp wird‹. Holsteinisch ›he geit as de Katt in Dau‹, ›wie der Storch im Salat‹; schlesisch ›a hood a zäh Laba wie de Kotza‹; ›a war verschwunda wie a schwatze Kotz‹; ›heimkommen wie eine gebrühte Katze‹; ›er schleicht davon wie die Katze vorm Taubenschlag‹. Schon Johann Fischart (1546-90) gebraucht die ironisch-satirische Wendung: »Daselben ziehen wir mit Ehren ab wie die Katze aus dem Taubhauß«.
   Norddeutsch und rheinisch gibt es den redensartlichen Vergleich: ›er ist so klug as Salomon sin Katt‹; ›su klok äs Salomons Katz, de geng drei Dag fürm Regn heim un word doch nat (weil sie in einen Bach fiel)‹; ›su klok äs Salomons Katz, de vor Wisegheit de Trapp affel‹. Die Zusätze lassen auf eine Herkunft aus einer zusammenhängenden Erzählung schließen. Wir finden sie z.B. in der Sprichwörter-Sammlung Joh. Agricolas unter der Überschrift ›Art lest von art nicht, die Katze leßt yhres mausens nicht‹ (Nr. 131): »Man sagt, daß Marcolfus mit dem weisen Salomon disputiert habe, vnd gefragt, ob art vnd eingepflantzte naturliche neygung mehr sey denn gewonheyt, die durch fleiß der menschen vber die natur eingefueret wirt, vnd da Salomon schloß: Wes einer auffs newe gewonet, das hange yhm gleich so hart an, als daß er von natur empfangen hatt. Nun ließ konig Salomon Marcolfus diß nicht gut sein, sonder wolte, wie es auch war ist, art gieng für gewonheyt. Vnnd dieweil Salomon eyne Katzen hette, die ym nach gewonheyt das liecht hielte bey nacht, brachte Marcolfus etliche meuse zuwegen, vnd kam des abends zu Salomon, vnnd ließ erstlich eyn mauß lauffen, vnnd als bald die katz der mause gewar ward, tapt sie eyn wenig mit der pfoten, vnd ließ doch das liecht nicht fallen. Do aber die ander vnnd dritte maus furüber lieffen, ließ sie das liecht fallen vnd lieff den meusen nach. Darauß hernach Marcolfus beweisete, Art gieng für alle gewonheyt«.
   Die sogenannte ›Klugheit‹ der Salomonischen Katze ist also nur angelernt, ist nur Dressur.
   Jemanden als Katzenpfote gebrauchen: jemanden ›Die Kastanien aus dem Feuer holen lassen‹, Kastanie.
   Auf Katzenpfoten daherkommen: d.h. sehr behutsam, vorsichtig, leise, auch: sanft wie eine Schmeichelkatze. Der Seemann nennt die bei Windstärke 5-6 auftretenden stärkeren Wellen, die weiß schäumend überschwappen: ›Katzenpfoten‹... »Der ›blanke Hans‹ zeigt ›Katzenpfoten‹.« Die Katze gilt von alters her als Symboltier der Frau, wie auch aus den Kosenamen ›Muschi‹, französisch ›minette‹, englisch ›pussy‹ hervorgeht. Als sexuelle Metapher begegnet sie u.a. auch im Volkslied (vgl. Grimm, Volkslieder, S. 543), ferner im Schwank, wie auch im neuzeitlichen Fastnachtgedicht – ähnlich wie der Kater für den Mann. Als verhüllende Bezeichnung für die Vulva spielt sie außerdem in der alemannischen Fasenacht eine Rolle, so u.a. in dem Reim:
   Horig, horig, horig ischt die Katz,
   und wenn die Katz it horig ischt,
   dann fängt sie keine Mäuse nicht,
   horig, horig, horig ischt die Katz.
Katzenmusik: mißtönende Musik; wird hergeleitet vom nächtlichen Geheul der verliebten Katzen. Man versteht darunter vor allem Aufzüge von Burschen mit Lärminstrumenten, Charivari.
   Am Katzentisch essen müssen: an einem kleineren Tisch, getrennt von den anderen – meist als Strafe gedacht. Der Katzentisch war ein abseits stehender Tisch für die Kinder oder verspätete Gäste; eigentlich der Fußboden in der Stube; in der heutigen Bedeutung nach 1750. Vom Katzentisch übertragen auf die Schulverhältnisse ist die Katzenbank: die Sitzbank für die Klassenschlechtesten; spätestens seit 1900.
   Katzenjammer Kater, Klosterkatze, Kater, Klosterkatze.
   ›Die Katze hat neun Leben‹: altes Sprichwort, das auf die Langlebigkeit und Zähigkeit der Katze anspielt.
   Im Norddeutschen nennt man den ›Strumpf, in dem Geld aufbewahrt wurde‹, das spätere ›Portemonnaie‹: ›Geldkatze‹.
• A. DE COCK: ›Volksuitdruckingen betreffende de ketelmuziek‹, in: Volkskunde 12 (1899-1900), S. 1-21; 16 (1904), S. 128-136; R. SPRENGER: ›Die Katze im Sack kaufen‹, in: Zeitschrift des allgemeinen deutschen Sprachvereins 18 (1903), S. 336-337; S. WESSELSKI: Die Schwänke und Schnurren des Pfarrers Arlotto, Band 2 (Berlin 1910), S. 64f., 226-228; O. DÄHNHARDT: Natursagen IV 2 (Leipzig – Berlin 1912), S. 145ff., 299f.; JOH. BOLTE in seiner Ausgabe von Johannes Pauli: Schimpf und Ernst, 2 Bände (Berlin 1924), Band 2, S. 393f. (Nachweise für: ›Der Katze die Schelle umhängen‹); L. BERTHOLD: ›Wenn die Katze kräht‹, in: Nassauische Blätter 5 (1925), S. 132-133,199-200; K. ROTHER: Hund, Katze und Maus im schlesischen Sprichwort, in: Mitteilungen der Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde 16 (1925), S. 247-251; A. WESSELSKI: Hundshaare und Katzenjammer, in: A.W.: Erlesenes (Prag 1928), S. 13-17; A. PERKMANN: Artikel ›Katzenmusik‹, in: Handwörterbuch des Aberglaubens IV, Spalte 1125-1132; D. LÄMKE: Ma. Tierfabeln und ihre Beziehungen zur bildenden Kunst in Deutschland (Diss. Greifswald 1937); L. SCHMIDT: Die Katze und der Bischof, in: Das deutsche Volkslied, 42 (1940), S. 73f.; L. RÖHRICH: Sprichwörtliche Redensarten in bildlichen Zeugnissen, S. 269f.; DERS.: Sprichwörtliche Redensarten aus Volkserzählungen, S. 74f.; U.M. MEISSER: Tiersprichwörter und Verhaltensforschung, in: Studium Generale 22 (1969), S. 861-889; U. FÖRSTER: Die Strebkatze ziehen, in: Sprachdienst 18 (1974), S. 166; G. GROBER-GLUCK: Motive und Motivationen in Redensarten und Meinungen (Marburg 1974), § 117ff.; G. WAEGER: Die Katze hat neun Leben. Katzennärrische Ausdrücke, Redewendungen und Sprichwörter (Bern 1976); V.B. DROSCHER: Mit den Wölfen heulen (Düsseldorf 1978), S. 25-28; M. BERGHAUS: Von der Tischgemeinschaft zur Konsumgesellschaft, in: Matreier Gespräche. Otto Koenig 70 Jahre (Wien, Heidelberg 1984), S. 243-259; L. RÖHRICH: Zur Deutung und Be-Deutung von Folklore-Texten, in: Fabula 26 (1985), S. 3-28, hier S. 11; CHR. AMMER: It's raining cats and dogs and other beastially expressions; CHR. AMMER: Drawings by Cathy Boback (New York 1989); R. Bergler: Mensch und Katze (Köln 1989).
Die Katze im Sack kaufen. P.e.R., Plate II.
Die Katze aus dem Sack lassen. Deutsches symbolisch-satirisches Sprichwortflugblatt auf das Heiraten, Kupfer von G. Altzenbach 1648, München, Kupferstichkabinett.
Wie die Katze um den heißen Brei schleichen. Politische Karikatur, aus: DIE WELT o.A..
Katz und Maus spielen. Englische Karikatur, aus THE SUN. Aus: DER SPIEGEL, vom 26.XI.1988.
Die Katze läßt das Mausen nicht. Tuschfederzeichnung von Alfred Kubin, 1945, Privatbesitz.
Der Katze die Schelle umhängen. Misericordiendarstellung in Kempen (Niederrhein).
Der Katze die Schelle umhängen. Detail aus dem Sprichwörterbild von P. Bruegel, 1559.
Der Katze die Schelle umhängen. Politische Karikatur aus: HANDELSBLATT o.A..
Katzbuckeln. Grandville: G.W., Bd. 2, S. 1004.
Katzenmusik. Pinselzeichnung: ›Die Katzensymphonie‹ von Moritz von Schwind, 1868, dem Geiger Joseph Joachim gewidmet. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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