Kuchen
Sich den Kuchen teilen: seine Interessen geltend machen, sich seinen Anteil sichern, den Gewinn restlos aufteilen. Die Wendung wird gern auf die Politik bezogen; vgl. französisch ›se partager le gateau‹.
   Das ist ein Kuchen, auch: Das ist Kuchen von demselben Teig: es ist eins wie das andere, es gehört zusammen, es gibt keinen Unterschied. Vgl. französisch ›C'est du gateau‹: Das ist besonders gewinnbringend. Von Menschen gesagt, heißt es: Sie sind ein Kuchen: sie bilden eine unauflösliche Gemeinschaft, sie verfolgen gleiche Ziele. schon Luther kennt die Redensart ›Das ist ein Kuchen‹ (Werke VII, 211) und braucht daneben die ähnliche Wendung »Das ist alles in einen Kuchen geschlagen« (Werke VII,68).
   Einem Küchlein backen gilt seit dem 16. Jahrhundert für: jemandem schöntun, ihm Angenehmes erweisen. Die Redensart findet sich auch literarisch, z.B. bei Thomas Murner. Abraham a sancta Clara verwendet dafür in seinen Schriften mehrfach den Ausdruck ›es jemandem kücheln‹, jemandem etwas Besonderes bereiten, es ihm schmackhaft darbieten, so im ›Judas der Erzschelm‹ (I, 150): »Er will es gekiechlet haben« und »Man thut ihms nicht kiechlen« (II,434), in ›Sterben und Erben‹ (4) stellt er fest: »Keinem thut man Küchlein backen«. Noch heute sagt man ironisch im Schwäbischen: ›Mer wurd diars küachla‹.
   Ja, Kuchen! Das könnte dir so passen. Die höhnische Ablehnung oder energische Verneinung erfolgt hierbei in der Form ironischen Zustimmung. Wander (II, Spalte 1659) vermutet, daß in dieser Wendung ›Kuchen‹ im Gegensatz zum unentbehrlichen Brot steht und daher das Überflüssige bezeichnet Diese Deutung stützen ähnliche Ausrufe enttäuschter Erwartung oder Feststellungen eines Irrtums wie: Pustekuchen, Pfefferkuchen, Kirschkuchen! Sie sind seit Anfang des 19. Jahrhunderts für Berlin bezeugt und wahrscheinlich aus der Wendung ›Ja, wenn's Kuchen wäre‹ gekürzt worden (vgl. A. Lasch, Berlinisch, S. 189). Eine andere Erklärung beruft sich auf Marie Antoinette. Als sie hörte, daß die Armen kein Brot zu essen hätten, soll sie gerufen haben: »Sie sollen Kuchen essen«. Diese Wendung wird heute in Amerika gerne gebraucht zur Kennzeichnung einer arrogant- dummen und ignoranten Haltung.
   Auf dem Volksglauben beruht die Redensart Den Kuchen anschneiden, die sich im eigentlichen Sinne auf die Person bezieht, die den Kuchen anschneidet und sieben Jahre auf Heirat warten muß oder Ähnliches zu erwarten hat.
   Im Obersächsischen werden im gleichen Sinne wie Kuchen die Gebäcknamen: ›Schnekken‹, ›Quarkspitzen‹ oder ›Appelkuchen‹ angewendet. Auch der Ausruf ›(du) flan‹ der französischen Umgangssprache, mit dem man eine Weigerung ausdrückt oder einen lästigen Menschen abweist, bedeutet wörtlich ›Kuchen‹ oder ›Torte‹ (›flan‹ ist aus germanisch ›flado‹ = Fladen abgeleitet worden).
   Wolf (Wörterbuch des Rotwelschen) stellt dagegen überzeugend dar, daß die Wendung ›Ja, Kuchen‹ als eine sinnlos gewordene Verkürzung auf das Jiddische zurückzuführen ist. 1818 ist nämlich bei J. von Voss berlinisch ›Ja Kuchen, nich London‹ bezeugt. Diese Redensart enthält unverstandene jiddisch Worte, die nur dem Klang nach aufgefaßt und daher volkstümlich umgedeutet wurden. Die entsprechende jiddische Wendung lautet: ›Ja chochom, aber nicht lamdon!‹, d.h.: ja, schlau und gerissen, aber (doch) nicht klug, weise (genug). Dieser ursprüngliche Sinn ist tatsächlich noch in der heutigen Redensart vorhanden, denn man will dem Partner, den man abblitzen läßt, damit andeuten, daß er sich etwas zwar sehr gerissen ausgedacht hat, sich dabei aber doch in seiner Überschlauheit verrechnen mußte.
• S.A. WOLF: ›Ja Kuchen!‹ und Ähnliches, in: Muttersprache 64 (1954), S. 468-469; DERS., Wörterbuch des Rotwelschen (Mannheim 1956), S. 187; A. TAYLOR: »And Marie Antoinette said ...«, in: Revista de Etnografia 11 (1968), S. 245-260; G. GROBER-GLÜCK: Motive und Motivationen in Redensarten und Meinungen (Mar-
burg 1974), §§ 157-160, S. 273-277.
Den Kuchen teilen. Karikatur von James Gillray auf die Ereignisse des Jahres 1805: Pitt und Napoleon sichern sich ihre Einflußgebiete.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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