Landfrieden
Dem (Land)frieden nicht trauen: einen Zustand nicht für ganz sicher, nicht für gefahrlos halten, obwohl es so scheint. Im späten Mittelalter war der Friede oft durch Fehden bedroht oder gestört. Die Kaiser erließen dagegen seit dem 11. Jahrhundert ›Gottesfrieden‹ für bestimmte Tage der Woche, später meist ›Landfrieden‹ für größere Teile des Reiches. Aber Heer und Polizei waren nicht genügend ausgebildet, um für diesen Landfrieden völlig sichere Gewähr zu leisten; daher die Redensart, die freilich in übertragenem Sinne erst im 18. Jahrhundert belegt ist. Älter bezeugt ist die Wendung ›Dem Geleit nicht trauen‹: zum Schutz gegen Überfälle bedienten sich reisende Kauf- und Privatleute des Geleites, einer Art berittener Polizei. In Rollenhagens ›Froschmeuseler‹, einem episch- didaktischen Gedicht von 1595 (Aa8b), warnt der alte Sperling seine Jungen:
   Spür ich an einem dicken Strauch,
   Daß sich herauswindet der Rauch,
   Als wenn ein Feur darunter wär,
   So trau ich dem Geleit nicht mehr.
• E. KAUFMANN: Artikel ›Landfrieden‹ (I), in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte II, Spalte 1451-1465.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Landfrieden — Ein Landfrieden (oder: Landfriede; lat. constitutio pacis, pax instituta auch pax jurata) war im mittelalterlichen Recht der vertragsmäßige Verzicht der Machtträger bestimmter Landschaften auf die Anwendung von (eigentlich legitimer) Gewalt zur… …   Deutsch Wikipedia

  • Landfrieden — Lạnd|frie|den 〈m. 4; MA〉 vom Monarchen für eine bestimmte Zeit, auf dem Reichstag zu Worms 1495 endgültig festgesetzter Frieden für das ganze Land zur Einschränkung der Fehden; oV Landfriede ● Ewiger Landfrieden (1495) * * * Lạnd|frie|de,… …   Universal-Lexikon

  • Landfrieden — Una Landfrieden (o: Landfriede; del latín constitutio pacis, pax instituta o pax jurata; en castellano paz o seguridad pública) era una forma jurídica medieval por la que un señor renunciaba al uso de la fuerza. El juramento afectaba… …   Wikipedia Español

  • Landfrieden (Begriffsklärung) — Landfrieden ist ein mittelalterlicher Rechtsbegriff, siehe: Landfrieden Historische Landfrieden waren: Ewiger Landfriede 1495 Landfrieden von Eger 1389 Mainzer Landfriede 1235 Wankumer Landfriede Landfried, eine 1440 gegründete Vereinigung… …   Deutsch Wikipedia

  • Landfrieden von 1495 — Mit dem Ewigen Landfrieden von 1495 wurde unter Kaiser Maximilian I. im Heiligen Römischen Reich das definitive und unbefristete Verbot des mittelalterlichen Fehderechts verkündet. Tatsächlich wurden im Reichsgebiet noch bis weit ins 16.… …   Deutsch Wikipedia

  • Landfrieden von Eger — Der Landfrieden von Eger wurde am 5. Mai 1389 in Eger zwischen König Wenzel (HRR) und dem Schwäbischen Städtebund, einem Zusammenschluss südwestdeutscher Reichsstädte geschlossen. Seit 1376 herrschte Unruhe in Süddeutschland. 14 schwäbische… …   Deutsch Wikipedia

  • 1. Landfrieden (1529) — Erster Kappeler Landfriede (auch Erster Landfrieden von 1529) ist die Bezeichnung für einen Friedensvertrag, der am 26. Juni 1529 zwischen den katholischen und reformierten Orten der Eidgenossenschaft im Anschluss an den Ersten Kappeler Krieg… …   Deutsch Wikipedia

  • Ewiger Landfrieden — Mit dem Ewigen Landfrieden von 1495 wurde unter Kaiser Maximilian I. im Heiligen Römischen Reich das definitive und unbefristete Verbot des mittelalterlichen Fehderechts verkündet. Tatsächlich wurden im Reichsgebiet noch bis weit ins 16.… …   Deutsch Wikipedia

  • Mainzer Landfrieden — Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung. Der Mainzer Landfriede wurde anlässlich des Reichstags in Mainz im… …   Deutsch Wikipedia

  • Vierter Landfrieden — Toggenburgerkrieg / Zweiter Villmergerkrieg Die konfessionelle Teilung der Eidgenossenschaft im 18. Jahrhundert …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”