Landsknecht
Fluchen wie ein Landsknecht: tüchtig, unaufhörlich fluchen; vgl. französisch ›jurer comme un charretier‹ (fluchen wie ein Kutscher).
   Der Begriff ›Landsknecht‹ ist seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert bezeugt. Er steht für den vom Kaiser (ursprünglich Kaiser Maximilian I.) im kaiserlichen Land angeworbenen Söldner (im Gegensatz zu den Schweizern, mit denen die Landsknechte in sprichwörtlicher Feindschaft standen, wie es u.a. auch in der ›Zimmerischen Chronik‹ (3,35,3) bezeugt ist.
   Später ist der Ausdruck zu ›Lanzknecht‹ umgedeutet worden, was fälschlicherweise auf die Bewaffnung der Söldner zurückgeführt wird. Daß es sich hierbei freilich um eine andere Herkunft handeln muß, geht sowohl aus der Schreibweise der ›Zimmerischen Chronik‹ als auch der in anderen literarischen Zeugnissen hervor, so u.a. aus einem Beleg von Joh. Lenz (ab 1494 Schulmeister in Freiburg / Üchtland), der in seinem ›Schwabenkrieg‹ (hg. von H. von Dieszbach, Zürich 1848, S. 26) folgendes berichtet:
   das ein nam ist uff komen,
   der heist lantzknecht zu land,
   als Maximilian lag im Nyderland,
   kriegt umb die land so verlorn
   er hett ee er kung was erkorn,
   da wurden all kriegslut slecht genant
   die fryen landsknecht,
   us genomen die eidgenossen
   solt man Swytzer bliben lassen,
   wolten kein Swytzer haben
   by in dieselben kriegsknaben,
   meinten besser zu sin zur zit,
   dann die eidgenossen zum strit.
Die Landsknechte wurden zwar häufig als ›Fromme Landsknechte‹ bezeichnet, doch bedeutet dieses Beiwort hier soviel wie: tüchtig, tapfer. Aber schon Sebastian Franck klagte: »Gots lestern, huoren, spilen, mörden, brennen, rauben, witwen und weisen machen, ist ir gemein handwerk und höchste kurzweil. Wer hierin küen und keck ist, der ist der best und ein freier landsknecht«.
   Hans Sachs erzählt in seinem Schwank von ›Sankt Peter mit den Landsknechten‹ von neun Landsknechten, die an die Himmelspforte kommen und vergebens Einlaß begehren, so daß sie anfangen zu fluchen: »Marter, Leiden und Sacrament«, was St. Peter für geistliche Reden hält. Als Redensart bucht die Wendung »Er flucht als ein Lands-Knecht« 1741 J.L. Frisch (Teutsch-Lateinisches Wörterbuch I,572a); er verzeichnet auch den Ausdruck: »Von einer allzufreyen Weibs-Persohn sagt man: Sie ist ein rechter Lands-Knecht«. In B.von Münchhausens Ballade ›Alte Landsknechte im Himmel‹ (1900) heißt es von den wenigen in die ewige Seligkeit aufgenommenen Landsknechten:
   Und wenn gar einer mal fluchen will:
   »Potz Tod und Teufel und Frundsberger Drill!«
   Geht's ihm nicht aus dem Mund heraus,
   Wird gleich ein Halleluja draus!

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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