Lockvogel
Ein Lockvogel sein; Als Lockvogel gelten (benutzt werden): durch leere oder falsche Versprechungen in eine Falle, einen Hinterhalt locken, Leidenschaft und Begehrlichkeit reizen, um zu unüberlegtem Handeln zu verführen, aber auch: als besonders schöne und billige Ware im Schaufenster Käufer werben. Die Redensarten, die in übertragener Bedeutung auf Personen und Sachen angewendet werden können, sind bereits biblischer Herkunft. Bei Jer 5, 27 heißt es z.B.: »Ihre Häuser sind voller Tücke, wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist« und bei Sir 11, 31: »Ein falsches Herz ist wie ein Lockvogel im Korbe und lauert, wie es dich fangen möge«. Das sprachliche Bild der redensartlichen Vergleiche wurde der Jagd entlehnt. Die Vogelsteller benutzten Lockvögel, die durch ihr Pfeifen und Singen andere Vögel herbeiriefen, die ohne Scheu geflogen kamen und dadurch leicht in die in der Nähe aufgestellten Fallen, Leimruten oder Netze gerieten. Von dieser Art des Vogelfanges berichten einige Sprichwörter: ›Ein Lockvogel bringt einen andern mit lieblichem Gesang ins Garn‹ und ›Lockvögel können alle Weisen‹.
   Vgl. französisch ›attrappe-nigaud‹ (von attrapper = fangen, hereinlegen und nigaud = albern).
   Als Lockvogel arbeiten (eingesetzt werden): bewußt auf die Verführung ausgehen, einen ins Verderben locken. In Verbrecherkreisen werden gern Mädchen und Frauen bei einem Unternehmen beteiligt, wenn jemandem der Argwohn und die übliche Vorsicht genommen werden soll. Häufig sind es auch Prostituierte (›Drosseln‹), die diese Aufgabe übernehmen.
• L. RÖHRICH und G. MEINEL: Redensarten aus dem Bereich der Jagd und der Vogelstellerei, S. 317; J. LIPMAN und A. WINCHESTER: Artikel ›Lockvögel-Decoys‹, in: Die Volkskunde in Amerika. Ausstrahlung, Vorlagen, Quellen (München 1976), S. 170f.}
Lockvogel (›Drossel‹). Grandville: G.W., Bd. 2, S. 1076.
Lockvogel. Holzschnitt von Hans Sebald Beham: ›Der Teufel als Vogelfänger‹. Aus: Max Geisberg (Hg.): Die deutsche Buchillustration in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts, München 1930, Nr. 429.
Lockvogel. John Blair: Wildentenmännchen, Decoy, Holz, bemalt, 45 cm lang, 1868, Philadelphia oder Elkton, Md. Zur Verwendung in der Delaware Bay bestimmt. Aus: Jean Lipman und Alice Winchester: Die Volkskunst in Amerika. Ausstrahlung, Vorlagen, Quellen, München 1974, S.
   177, Abbildung 225.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Lockvogel — Künstlicher Lockvogel Ein Lockvogel ist ein bei der Jagd oder auch Fotografie genutzter künstlicher Tierkörper zumeist eine Vogelnachbildung der bedingt durch die Verhaltensweisen von Wildtieren dazu dient, diese zuzulocken. Sehr selten werden in …   Deutsch Wikipedia

  • Lockvogel — 1. Ein Lockvogel bringt (singt) ein andern mit lieblichem Gesang ins Garn. – Lehmann, 91, 41; Sailer, 58; Simrock, 6580. Dän.: En lokkenfugl hvormed man bedruger og forfører andre. – Lokkenfuglen bringer den anden med sin sang i garnet. (Prov.… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Lockvogel — der Lockvogel, ö (Oberstufe) jmd., der eine andere Person zu einem schlechten Zweck anlocken soll Beispiel: Der Wissenschaftler wurde ohne sein Wissen vom US Geheimdienst als Lockvogel benutzt. Kollokation: zum Lockvogel werden …   Extremes Deutsch

  • Lockvogel — Blickfang; Lockmittel; Köder * * * Lọck|vo|gel 〈m. 5u〉 1. gefangener lebender od. künstlicher Vogel zum Anlocken anderer Vögel 2. 〈fig.〉 jmd., der andere anlocken od. ablenken soll, z. B. in Gestalt eines hübschen Mädchens ● sie diente der Bande …   Universal-Lexikon

  • Lockvogel — Lọck·vo·gel der; oft pej; jemand mit der Aufgabe, jemanden zu einem bestimmten (meist illegalen) Verhalten zu bewegen: Die Polizei setzte eine Polizistin als Lockvogel für den Sexualverbrecher ein …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Lockvogel — Lockspeise, Lockspitzel, Lockvogel 2↑ locken …   Das Herkunftswörterbuch

  • Lockvogel — 1. Köder, Lockmittel; (Jägerspr.): Locke. 2. Anziehungspunkt, Blickfang, Magnet. * * * LockvogelLockmittel,Köder,Magnet,Anziehungspunkt,Blickfang,Anreiz …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Lockvogel — Lockvogelm 1.demGegneralsAnreizzumStechenvorgesetzteKartemithoherAugenzahl.Kartenspielerspr.seitdem19.Jh. 2.WarezustarkherabgesetztemPreis;Sonderangebot;branchen oderbetriebsfremdeNebenware,diebeiEinkäufenvonbestimmtemWertbilligerabgegebenwird.192… …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

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