Mann
Seinen Mann stehen (oder stellen): die Aufgaben und Pflichten, die einem als Mann zufallen, zu erfüllen wissen; Vollwertiges leisten; ähnlich niederdeutsch ›Da bin ik Mann vör‹, dafür bin ich Bürge.
   Seinen Mann finden: einen finden, der einem gewachsen ist; so schon 1541 in Sebastian Francks ›Sprichwörtern‹; auch französisch ›trouver son homme‹. Das ostfriesische ›de is sien Mann ankamen!‹ bedeutet auch: er ist unangenehm überrascht worden.
   (Ein) Mann bei der Spritze sein: tüchtig dabeisein, auch: eine wichtige Rolle spielen; der Ausdruck hat sich vom Feuerlöschwesen aus verbreitet, wo die Männer bei der Spritze die entscheidende Tätigkeit ausüben, Spritze.
   Ein gemachter Mann sein: in guter Position, vermögend sein.
   Ein Mann von Welt sein: Analogiebildung zu ›Kinder dieser Welt‹; Lk 16,8: »Die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Lichts«. Im Mittelalter bezeichnet man mit ›werltman‹ einen Menschen, dem irdische Güter sehr wichtig erschienen, während im 16. Jahrhundert – wohl unter spanischem Einfluß derjenige als Mann von Welt galt, der Karriere in einem weltlichen Beruf gemacht hatte, der sich in der höfischen Gesellschaft im Gegensatz zu Geistlichkeit und Kirche hervortat; in dieser Bedeutung auch bei Grimmelshausen, simplicius Simplizissimus: »... daß sie keinen Mönch, sondern einen Weltmann aus mir machen wollten«. Heute charakterisiert man mit dieser Wendung jemanden, der sich weltgewandt benimmt und mit den Umgangsformen der gehobenen Gesellschaft vertraut ist.
   Ein Mann in den besten Jahren; literarisch auch bei Heinrich Heine ›Die Heimkehr‹ (1826), wo vom Teufel gesagt wird:
   Er ist nicht häßlich und ist nicht lahm,
   Er ist ein lieber, charmanter Mann.
   Ein Mann in seinen besten Jahren;
französisch entsprechend ›un homme dans la fleur de l'âge‹.
   Mann Gottes steht ursprünglich Dtn 33,1 und sonst noch sehr oft im A.T. Heutzutage wird die Wendung meist als Ausdruck mißbilligender Verwunderung gebraucht; ähnlich Mann, Mann!, Mannomann! oder Mannometer! Hier ist die Anrede ›Mann!‹ gedehnt durch Herbeiziehung des gleichanlautenden Fremdworts ›Manometer‹, entstanden aus französisch ›manomètre‹, einem Druckmesser für Gase und Flüssigkeiten. Männeken! ist eine verächtliche Anrede. Die stabreimende Zwillingsformel Mit Mann und Maus untergehen stammt aus der Seefahrt. »Wärn gute Leute auf dem Schiff gewesen, in Grund gesunken wär's mit Mann und Maus«, heißt es bei Schiller (›Tell‹, IV,3). Vgl. auch französisch ›périr avec armes et bagages‹. Dagegen ist Mit Mann und Roß und Wagen (hat sie Gott geschlagen) ein Zitat aus dem ›Fluchtlied‹ (1813) von Max von Schenkendorf, dieses wiederum stammt aus der Bibel: Ex 15.
   Mann für Mann: eine Person nach der anderen, jeder einzelne für sich.
   Von Mann zu Mann sprechen: vertraulich. Das ist gesprochen wie ein Mann kommt als Zitat aus Schillers Drama ›Die Piccolomini‹ (IV,4).
   Das sprichwörtliche ›Ein Mann – ein Wort‹ soll die Einhaltung eines gegebenen Wortes garantieren. Bei Schiller heißt es im ›Pegasus im Joche‹: »Der Täuscher, hoch vergnügt, die Ware loszuschlagen, schlägt hurtig ein. ›Ein Mann, ein Wort‹ und Hans trabt frisch mit seiner Beute fort«. In frauenfeindlicher Absicht erweitert zu: ›Ein Mann ein Wort. Eine Frau – ein Wörterbuch‹. Etwas an den Mann bringen: seine Ware absetzen, auch: eine Geschichte, einen Witz erzählen können; ursprünglich wohl eine kaufmannssprachliche Wendung.
   Goethe schreibt: »Gewöhnlich haben unsere Schauspieler eine aparte Leibesbewegung einstudiert, die sie mit ... Fertigkeit an den Mann zu bringen wissen«.
   Jemanden an den Mann bringen: verheiraten. Umgangssprachlich sagt man von einer Frau, deren Ehe von Eltern, Verwandten, Freunden arrangiert wurde, sie wurde an den Mann gebracht.
   Manns genug sein, etwas zu tun: die nötige stärke, Tapferkeit und den Mut besitzen, um eine Sache zu bewältigen. Die Redensart kann sich auf beide Geschlechter beziehen. Literarische Beispiele:
   »Nathan: ›Bleibt! Wohin?‹
   Tempelherr: ›Zu ihr! Zu sehn, ob diese Mädchenseele manns genug wohl ist, den einzigen Entschluß zu fassen, der ihrer würdig wäre.‹« (Lessing, ›Nathan der Weise‹.)
   »Wie? Sind wir beide ihm nicht manns genug, daß er, besorgt, uns den Gehilfen sendet?« (Schiller: Fragment Macbeth).
   Das ist unser Mann: das ist diejenige Person (männlichen oder weiblichen Geschlechts), die wir gerade suchen; man sagt auch: ›Das ist der rechte Mann‹, jedoch bezieht sich diese Wendung nur auf Männer. Literarisch z.B. bei Hans Sachs, Fastnachtsspiele:
   »da kumbt der rechte Mann herzu.«
   Oder bei Goethe:
   »Kaum hatte er Ferdinanden gesehen, als dieser ihm sein Mann zu sein schien.«
   Den wilden (starken) Mann markieren (machen), sich hemmungslos gebärden, kraftvoll dünken, als Betrunkener Streit suchen. Ursprünglich war der ›Wilde Mann‹ ein riesiger Waldmensch in Volkssagen, mittelalterlichen Epen und bildlichen Darstellungen.
   Voll wie tausend Mann: schwer bezecht. Männchen machen wird zunächst von Tieren (Hunden, Hasen) gesagt, die sich auf den Hinterbeinen aufrichten; in der Soldatensprache bedeutet es: stramme Haltung annehmen; dann wird es übertragen zu ›sich sträuben‹, so z.B. wienerisch ›Manderln machen‹, Umstände machen, sich widersetzen. Vgl. französisch ›faire le beau‹ (wörtlich: den Schönen machen), auch in der ursprünglichen ersten Bedeutung der deutschen Redensart, dann aber im Sinne von ›Radfahren‹, sich hervortun und bei anderen beliebt machen, um einen Vorteil zu bekommen (wie der Hund sich auf den Hinterbeinen aufrichtet, um einen Leckerbissen zu bekommen), Radfahrer.
   Einen kleinen Mann im Ohr haben: nicht ganz bei Verstand, verrückt sein. Die Redensart soll eine Aussage, vor allem einen Wunsch oder eine Forderung, als sinnlos abtun. Es ist, als ob der kleine Mann im Ohr das Sinnlose oder Törichte hervorgebracht hätte, dem Vernünftigen den Gehörgang versperrend ( Ohr).
   Obwohl die Redensart neu erscheint, ist sie doch in Berlin mindestens schon vor dem 1. Weltkrieg bekannt gewesen. Im Grunde zeigt sich dabei ein altertümliches krankheitsdämonistisches Denken. Ähnlich kann der Berliner Arzt beim klinischen Ausspülen des Ohres und Entfernen eines Pfropfens sagen: ›Jott sei Dank, det der kleine Kerl raus is!‹
   Kleiner Mann, was nun? ist der Titel eines Romans von Hans Fallada (Berlin 1932).
   Einem nackten Mann in die Tasche greifen: etwas holen wollen, wo es nichts zu holen gibt.
   Man kann doch einem nackten Mann kein Bonbon ins Hemd kleben: es ist nicht möglich, man kann ihm nichts anhaben.
   Einen alten Mann schlagen: eine Arbeit verrichten, die wenig einbringt, die vergebens ist. Die Wendung stammt aus dem altsächsischen Bergmannswesen; ein ›alter Mann‹ ist die Bezeichnung für das abgebaute Flöz, ein ›toter Mann‹ ist ein Gang ohne Erz.
   Den toten Mann machen: sich ohne Bewegung auf dem Rücken im Wasser treiben lassen.
   Ein toter Mann sein: verloren sein, keine Überlebenschancen besitzen; oft als Drohung gegen Verräter in der Unterwelt verwendet.
   Sich stellen wie der aIte Mann von Wien: eine verschollene Redensart, deren Sinn sich nicht mehr erklären läßt; belegt in den Ingolstädter Reimen 1562, wahrscheinlich im Sinne von Niemand:
   »Spräch ich, du hetst mich gheißen,
   Du laugnest hin und hin,
   Und köndst dich gar wol stellen
   Als der alt Mann von Wien.«
Dastehen wie's Mandl beim Sterz: diese Wiener Redensart meint einen ungeschickten Menschen. Literarisch belegt bei Nestroy.
   Männchen auf Männchen setzen aus der Druckersprache, der besagt, daß bei der Neuauflage eines schon gedruckten Buches völlige Übereinstimmung zwischen beiden besteht.
   Sei ein Mann!: sei so (tapfer, furchtlos, beherzt), wie es sich für einen Mann gehört; dies sagte schon der sterbende David zu seinem Sohn Salomo (1 Kön 2,2). In Goethes ›Faust‹ (2. Teil, 3. Akt) findet sich die Wendung Selbst ist der Mann: er weiß sich selbst zu helfen. Daß sich ein Volk erhebt ›Wie ein (d.h. einziger) Mann‹ (ohne Unterschied, vollständig), ist bereits biblisch (Ri 20,1.8.11) bezeugt.
   Dem Manne kann geholfen werden: hier kann Abhilfe geschaffen werden, so lauten die letzten Worte Karl Moors in Schillers ›Räubern‹ (V,2).
   Als Schnelligkeitsprobe beim Sprechen dient der eigentlich zum Nachdenken anregende Spruch:
   Wenn mancher Mann wüßte,
   wer mancher Mann wär',
   Gäb' mancher Mann manchem Mann
   manchmal mehr Ehr'.
Auf Männerfang ausgehen (aussein): unbedingt heiraten wollen und alles daransetzen, einen Mann für sich zu gewinnen.
   Die Wendung Männerstolz vor Königsthronen entstammt als Zitat Friedrich Schillers Gedicht ›An die Freude‹, das er zuerst in der ›Thalia‹ Band I, Heft 2, S. 1-5 im Jahre 1787 veröffentlichte.
• A. SPAMER: Wenn mancher Mann wüßte, was mancher Mann wär ..., in: Zeitschrift für Volkskunde. 46 (1936/37), S. 134-149; R. BERNHEIMER: Wild Men in the Middle Ages. A Study in Art, Sentiment, and Demonology (Cambridge 1952); F. NEUMANN: Der kleine Mann im Ohr, in: Muttersprache 69 (1959), S. 129-131; E. MEYER-HEISIG: Vom Herrn Niemand, in: Zwischen Kunstgeschichte und Volkskunde, Festschrift für Wilhelm Fraenger (Berlin 1960), S. 65ff.; L. RICHTER: Mutter, der Mann mit dem Koks ist da; Berliner Gassenhauer (Leipzig 2. Auflage 1977); D. RÜNZLER: Machismo. Die Grenzen der Männlichkeit (Kulturstudien. Bibliothek der Kulturgeschichte. Band 16, hg. von H.C. Ehalt und H. Konrad), (Köln 1988).}
Wilder Mann. England Holzschnitt: ›A Wodehouse‹. Aus: The Sports and Pastimes of the People of England by Joseph Strutt, London 1855, S.
   378, Abbildung 115.
Auf Männerfang ausgehen. Holzschnitt ›Der Narrenkäfig‹ von Erhard Schoen, um 1530. Aus: Stefanie Poley: Unter der Maske des Narren, Stuttgart 1981, S. 90, Abbildung 103.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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