Matthäus
Bei ihm ist Matthäi (Matthäus) am letzten: es ist aus mit ihm, sein Geld ist alle; Mit ihm ist Matthäi am letzten: er wird bald sterben. Die Redensart ist mehrfach und in widersprechender Weise gedeutet worden. Eine zweifellos etwas zu gewagte Erklärung gibt Wackernagel, der darauf hinweist, daß bei dem von den Persern übernommenen Schachspiel ›schah mate‹ bedeutet: ›Der König ist tot‹ ( Schach). Der Ausdruck sei dann in die romanischen wie germanischen Sprachen übergegangen (›schachmatt‹). Wenn wir den Worten ›Matthäi am letzten sein‹ den Sinn unterlegen von ›zu Ende gehen‹, so erklärt Wackernagel dies als ein durch den Anklang des Wortes ›Matthäi‹ an ›matt‹ entstandenes Wortspiel. Schwerlich hat auch Wustmann recht, wenn er den Ausdruck an den Tod Karls V. anknüpft, der am 21. September 1558 starb, am ›abent Mathei‹, wie eine Magdeburger Chronik berichtet. Die Redensart ist vielmehr der evangelischen Kirchensprache entnommen, wo sie eigentlich bedeutet: im letzten Kapitel des Matthäusevangeliums, und es ist damit auf dessen Schlußworte (Mt 28,20) angespielt: »... bis an der Welt Ende«. Durch Luthers Katechismus, wo es in dem Hauptstück von der Taufe heißt: »Da unser Herr Jesus Christus spricht Matthäi am letzten: Gehet hin in alle Welt ...« ist die Wendung in weite Kreise gedrungen (ganz ähnlich heißt es von einem langweiligen Menschen: ›Er ist immer Joh. in eodem‹;) . Im überwiegend katholischen Rheinland ist die Redensart in der Form bezeugt: ›He steht bi Matthäus an't leste Kapitel!‹, mit ihm geht es zu Ende. Literarisch läßt sich die heutige Bedeutung zuerst 1626 in Friedrich Seidels ›Türkischer Gefängnuß‹ (4a) belegen: »Der eine Koch, so anrichten sollen, ein Pollack, spricht auff sein böse Deutsch: Nu ist mit uns der letzte Mattheus«. Auch Abraham a Sancta Clara gebraucht in ›Judas‹ (III,174): »Matthäei am letzten«. Die Wendung wird aber auch erklärt als Kurzform von ›[Evangelium] Matthäi am letzten [Sonntag nach Pfingsten]‹: in Mt 24, 15-35 ist die Rede von der Zerstörung Jerusalems und vom Weltuntergang. Zur Volkstümlichkeit der Redensart hat, wie auch Wieland bezeugt, sicher G.A. Bürgers Ballade ›Die Weiber von Weinsberg‹ (1777) beigetragen, in der es heißt:
   Doch wann's Matthä' am letzten ist
   Trotz Raten, Tun und Beten,
   So rettet oft noch Weiberlist
   Aus Angsten und aus Nöten.
• G. WACKERNAGEL: Kleine Schriften (Leipzig 1872), S. 112 und 119; A. Götze: Alte Redensar-
ten neu erklärt, in: Zeitschrift für deutsche Wortforschung 4 (1903), S. 332.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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