Mores
Jemanden Mores lehren: ihm Sitte, Lebensart beibringen; auch: ihn zurechtweisen. Die Redensart stammt wohl aus der Studentensprache und geht auf die Schulsprache der Humanistenzeit zurück. Latein ›mores‹ = Sitten ist seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen belegt, z.B. in der Verbindung ›weder zuht noch mores‹. Die volkstümlich gewordene Wendung ist seit dem Reformationszeitalter oft bezeugt; sie taucht schon bei Hans Sachs in dem Fastnachtsspiel ›Der Krämerkorb‹ (V. 303) auf: »Ich wolt dich gar wol mores leren«; ebenso bei Sebastian Franck 1531. ›Den will ich emol Mures liern‹ (Unterwesterwald) wird oft als Drohung verstanden; umgekehrt bedeutet daher Mores haben: Angst, Respekt vor etwas haben. Vielleicht spielt hier das hebräische ›mora‹ Furcht, das aus der Kundensprache eingedrungen sein könnte, herein und das auch der Ursprung von ›mauern‹ = zurückhaltend spielen ist.
   Umgangssprachlich ist die Redensart scherzhaft umgestaltet worden zu: Jemanden Moritz lehren, so z.B. 1779 bei Jung-Stilling. ›Ech well dech Moritz kennen lärnen‹ sagt man in Hessen, desgleichen in Norddeutschland.
   Vgl. auch niederländisch ›Hij zal nog anders mores moeten leeren‹.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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