nichts
Mir nichts, dir nichts: ohne Rücksicht auf mich und dich, ohne weiteres, ohne alle Umstände, ist wohl eine Verkürzung aus ›Ohne mir und dir zu schaden‹. Joh. Joach. Schwabe alias Vit. Blauroeckelius schreibt 1745 in seinem ›Volleingeschanckten Tintenfäßl eines allezeit parat-seyenden Brieff Secretary‹ (S. 38): »Bei den Zeitungsschreibern haißts mir ninx, dir ninx: die tractiert mer (=man) wie seins gleiches«. In der Bedeutung von ›ohne weiteres‹, ›im Nu‹ verwendet bereits Lessing die Redensart im ›Nathan‹ (3,2):
   Der (Wassereimer) ließ sich füllen,
   ließ sich leeren mir nichts, dir nichts ...;
ähnlich auch in Schillers ›Wallenstein‹ (›Wallensteins Lager‹ 7).
   Nichts wie raus!: schnell hinaus!
   Nichtsdestotrotz: trotzdem, gleichwohl; scherzhaft dem ›Nichtsdestoweniger‹ nachgebildet, dessen Etymologie dem Gefühl des Laien unzugänglich ist.
   Mit Nichts für ungut! entschuldigt man sich bei einem Versehen bei dem Betroffenen ( ungut).
   Ein niederdeutscher Schwankspruch verwendet die Formel als Ausdruck der Heuchelei:
   ›Niks vör ungüud!‹
   Segg de Foß,
   do bäät he den
   Haan den Kopp af.
Vor dem Nichts stehen: plötzlich mittellos sein; den Besitz verloren haben.
   Überaus häufig hört man das Sprichwort: ›Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren‹, Kaiser.
   Nichts ist gut für die Augen (aber nicht für den Magen): dies wird im südlichen deutschsprachigen Raum als Erwiderung gegeben, wenn man auf eine Frage die Antwort ›nichts‹ erhält. Die Wendung beruht auf einem volkstümlichen Übersetzungsfehler für lateinisch ›Nix alba‹ (oxydiertes Zink). ›Nix‹ wurde nun nicht mit ›Schnee‹ übersetzt, sondern mit deutsch ›nichts‹ gleichgesetzt. Die Apotheker ihrerseits übersetzten das volkstümliche ›nichts, nix‹ wieder ins Latein, und so gelangte das weiße, pulvrige Zinkoxyd zu dem lateinischen Namen ›nihilum album‹. Als Salbe verarbeitet (unguentum nihili) wurde Zinkoxyd gegen Augenflüsse und hitzige Blattern der Augen erfolgreich angewandt. Schon Luther war diese Redensart 1535 geläufig. Er schreibt im 2. Kommentar zum Galaterbrief: »Minutissima festuca in oculo, offendit visum. Hinc Germani dicunt de remediis oculorum, Nichts ist inn die augen gut«.
   Das angenehme (süße) Nichtstun wird im allgemeinen in der italienischen Form ›il dolce far niente‹
gebraucht, ohne daß man den Ursprung dieser Wendung genau nachweisen könnte. Carlo Goldoni (1707-93) nimmt wohl schon auf eine zu seiner Zeit geläufige Redensart Bezug, wenn er in ›Metempsicosi‹ (II, 3) sagen läßt: ›Quel dolce mestier di non far niente‹ (welch süßes Handwerk, dieses Nichtstun). In der komischen Oper ›Galathée‹ von Jules Barbier und Michel Carré, komponiert von Victor Massé, die 1852 erstaufgeführt wurde, lautet ein Kehrreim (II, 1): »Ah! qu'il est doux / De ne rien faire, / Quand tout s'agite autour de nous« (Büchmann), Deut, Pfingsten.
• J.N. HERTIUS: Observatio juris germ. in par. »Da nichts ist het der Kaiser sein Recht verloren« (no place, no date); J. ZINCK: Disputatio inauguralis Juridica ... Wo nichts ist ... (Rostocki 1686); J. FESTING: De Germanorum proverbio: Wo nichts ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren (Jenae 1745); H. SCHRADER: Nichts ist gut für die Augen, in: Zeitschrift für deutsche Sprache (Hamburg) 9 (1895-1896), S. 173-177; OLBRICH: Artikel ›Nicht, Nichts‹, in: Handbuch des Aberglaubens Vl, Spalte 1069-1070; P.J. DIERMANSE: Nikshor, in: Eigen Volk 6 (1934), S. 88; H. VITTIEN: Nix is goed voor de ogen, in: Eigen Volk 7 (1935), S. 71; H. B.: Waar niets is, verliest de Keizer zijn recht, in: Biekorf 60 (1959),S. 288; E. GRABNER: Nix is gut für die Augen; Heilchemie, Volksmedizin und Redensart um das Augennix, in: Carinthia 152 (1962), S. 316-321.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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