nolens
Nolens volens (lateinisch; eigentlich: wollend – nicht wollend): ›Wohl oder übel‹, man mag wollen oder nicht. In seinem Werk ›Retractationes‹ (I,13,5) sagt Augustinus: »Ille qui concupiscente adversus spiritum carne non ea quae vult facit, concupiscit quidem nolens et in eo non facit quod vult; sed si vincitur, concupiscentiae consentit volens et in eo non facit nisi quod vult. – Der Mensch, der dem Verlangen des Fleisches nicht nachgibt, wenn es wider den Geist aufbegehrt, hat wohl ein Verlangen, aber er will ihm nicht folgen, und in diesem Entschluß unterdrückt er seine Wünsche. Unterliegt er aber, so widerstrebt er seiner Begierde nicht und will auch nicht widerstreben; in dieser Schwäche tut er nur das, was er will«. Der Sinn der Worte ist: Für die Begehrlichkeit des Fleisches ist man nicht verantwortlich, wohl aber dafür, daß man ihr nachgibt. Aus dieser Stelle scheint sich die Redensart ›nolens volens‹ entwickelt zu haben. Das antik-klassische Vorbild für unsere Wendung ist »velim nolim« (mag ich wollen oder nicht) in Ciceros ›De natura deorum‹ (I,7,17); »velis nolis« bei Martial (VIII,44,16). Der lateinischen Verbindung entsprechend bildet Shakespeare im ›Hamlet‹ (V,1): »will he nill he« und in ›Der Widerspenstigen Zähmung‹ (II,1): »will you nill you«. In der deutschen Umgangssprache ist die Wendung seit der Mitte des 17. Jahrhunderts oft belegt; z.B. 1665 in ›Gepflückte Finken‹ (S. 117): »Drauff giengen sie den andern Gang zusammen, in demselben wurde der Frantzoß durch den Arm gestoßen, daß er also aus Unkräfften nolens volens den Degen fallen lassen mußte«. Die unverstandenen lateinischen Worte sind in der volkstümlichen Umgangssprache scherzhaft zu ›Nolenz – bohlenz‹, besonders aber zu ›Nolenz – Koblenz‹ verdreht worden.
• A. OTTO: Sprichwörter der Römer, S. 362.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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