ohne
Das ist nicht (ganz) ohne: das ist nicht übel, es ist etwas daran. In dieser elliptischen Redensart ist das von der Präposition ohne abhängige Substantiv (›Grund‹, ›Nutzen‹, ›Zweck‹, ›ein Körnchen Wahrheit‹, ›ein Schein von Recht‹, oder was sonst zu ergänzen sein könnte) eingespart. Die Wendung findet sich seit frühneuhochdeutscher Zeit. Im ältesten bis jetzt bekannten Beleg aus dem Jahre 1603 in den ›Ordnungen und Lectiones in den Stadtschulen 1603‹ (hg. von Philipp Keiper als Gymn.-Programm Zweibrücken 1902) wird über die Fabeln Äsops u.a. gesagt: »... Fürs Ander unndt obschon nit ohn, dass darin viell herrliche Lehren begriffen, so ist doch am Tag, dass es allegoriae unndt lauter verblumte reden seindt ...« ›Nicht ohne‹ also hier im Sinne von ›obschon es nicht grundlos ist‹ oder ›obschon nicht zu leugnen ist‹, ›obschon etwas daran ist‹. Die Redensart wurde also schon im Anfang des 17. Jahrhunderts ganz in demselben Sinne gebraucht wie heutzutage. In Sebastian Francks Sprichwörter-Sammlung: »Es is nit gar on, was sagt herr iederman«; bei Grimmelshausen heißt es im ›Simplicissimus‹ (IV,39): »Es ist nicht ohn, daß kein Mensch glauben kann, wie jämmerlich einen die Liebe peinigt, der es selbt noch nicht erfahren«; später z.B. bei Ludwig Tieck in der Erzählung ›Vittoria Accorombona‹ (1840, Buch 2, Kapitel 5): »Die Sache, wie Ihr sie da vorstellt, ist nicht ohne«.
   Jemand ist ganz oben ohne: ohne Verstand, ohne Gehirn, dumm, eine Redensart neuesten Datums, die in Anlehnung an die busenfreie Badekleidung geprägt wurde, die man als ›Oben-ohne-Mode‹ bezeichnet.
• P. Keiper: ›Es ist nicht ohne‹, in: Zeitschrift für den deutschen Unterricht 17 (1903), S. 655f.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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