Pflicht
Seine verdammte (oder verfluchte) Pflicht und Schuldigkeit tun. Die Redensart gilt als ein angebliches Zitat Friedrichs des Großen, was aber nicht sicher verbürgt ist. In dem Aufsatz ›Die Tänzerin Barberina‹ erzählt Louis Schneider (›Der Bär‹, Berlin 1880, S. 25), Graf Dohna habe für seinen Haushofmeister C.L. Mayer, der sich darum bemüht hatte, die Tänzerin 1744 für Berlin zu gewinnen, eine besondere Belohnung beim König beantragt. Dieser aber habe geantwortet: »Kriegt nichts! hat nur seine verfluchte Schuldigkeit getan«. Nach anderen Überlieferungen soll ein württembergischer Soldat diese Worte zu Napoleon gesagt haben; Röhrle. Diese voneinander abweichenden ätiologischen Anekdoten machen keinen ursprünglichen Eindruck und wecken den Verdacht, daß das vermeintliche Zitat doch als Redensart im Volksmund entstanden ist.
   Jemanden in die Pflicht nehmen: dafür sorgen, daß jemand gewisse Aufgaben übernimmt und die Verantwortung dafür trägt. Literarisch z.B. belegt in ›Wallensteins Tod‹ (V,2) von Schiller: »Nun ja, du nahmst uns ja für ihn [= für Wallenstein] in Pflicht«. ›Eheliche Pflicht‹ Ehe; Obligo.
   Ein Couplet des Bergdirektors Zwack aus der Operette von Karl Zeller ›Der Obersteiger‹ (1893 Uraufführung in Wien) hat den Kehrreim: »Der Bureaukrat tut seine Pflicht, von neun bis eins! Mehr tut er nicht« (II. Akt).

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Pflicht- — Pflicht …   Deutsch Wörterbuch

  • Pflicht — (aus pflegen[1]) oder Sollen ist das, was jemand aus moralischen Gründen tun muss. Daneben wird als Pflicht auch das bezeichnet, was von einer als berechtigt angenommenen Autorität von jemandem gefordert wird. In diesem Sinne ist zum Beispiel ein …   Deutsch Wikipedia

  • Pflicht — Pflicht, im Allgemeinen, besteht aus der treuen Erfüllung unseres Berufes. Wenn der Beruf der Frauen kein anderer als die Gesammtausbildung ihrer Natur, in Bezug auf das Verhältniß zum geselligen Verbande genannt werden kann, so wird es den… …   Damen Conversations Lexikon

  • Pflicht — Pflicht: Das westgerm. Substantiv mhd., ahd. pflicht, niederl. plicht, engl. plight ist eine Bildung zu dem unter ↑ pflegen (ursprünglich »für etwas einstehen«) behandelten Verb. Das von »Pflicht« abgeleitete Verb älter nhd. pflichten »in einem… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Pflicht — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Auch: • Aufgabe • Muss Bsp.: • Er tut immer seine Pflicht …   Deutsch Wörterbuch

  • Pflicht — Pflicht, heißt (nach Sailer) eine Handlung, zu deren Vollbringung od. Unterlassung uns eine sittliche Nöthigung gegeben ist. Die P.en sind in Beziehung auf den Handelnden: allgemeine, besondere und persönliche; in Beziehung auf den Gegenstand der …   Herders Conversations-Lexikon

  • Pflicht — Obliegenheit; Schuldigkeit; Verpflichtung; Agenda (österr.); Verbindlichkeit * * * Pflicht [pf̮lɪçt], die; , en: 1. a) etwas, was zu tun jmd. als eine (innere, sittliche, moralische) Verpflichtung ansieht, was seine eigenen bzw. die… …   Universal-Lexikon

  • Pflicht — Pflịcht die; , en; 1 etwas, das man tun muss, weil es die Gesellschaft, die Moral, das Gesetz, der Beruf o.Ä. verlangt ≈ Verpflichtung ↔ Recht <eine sittliche, moralische, staatsbürgerliche Pflicht; jemandes Rechte und Pflichten; etwas für… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Pflicht — 1. Die Pflichten bleiben bei der Wer und ihrer Zubehör. – Graf, 122, 308. »De plichte bliven by der wehre und erer Thobehöringe.« (Normann, 134, 107.) Unter Pflichten sind die Reallasten zu verstehen, deren Grundcharakter in dem engen Verbande… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Pflicht — Man tut nie, was man will, sondern was man muß. Wollen ist ein Euphemismus für müssen. «Karlheinz Deschner» Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muß. «Hermann Gmeiner [1919 1986]; österr. Sozialpädagoge» * Was… …   Zitate - Herkunft und Themen

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