Platz
Auf dem Platz bleiben: im Kampf fallen; ein schonend-verhüllender Ausdruck, wobei Platz für Kampfplatz steht. Die Wendung kommt schon in einem historischen Volkslied aus dem Jahre 1446 vor: »Leib und blut auf dem platze blieb« (Liliencron 78,11). ›Auf dem Platz bleiben‹ bedeutet aber auch: Sieger in einem Zweikampf sein, das Feld behaupten; literarisch bereits in übertragenem Sinne, z.B. in den Worten der Lady Milford in Schillers ›Kabale und Liebe‹ (II,3): »Wir wollen sehen, ob die Mode oder die Menschheit auf dem Platze bleiben wird«.
   Jemanden auf die Plätze verweisen: siegen; den Gegner auf die niedrigeren Plätze zwingen, ihn im sportlichen Wettkampf überflügeln, ihm überlegen sein.
   Das war hier nicht am Platze: eine Bemerkung war nicht angebracht; dies ist die Übersetzung der lateinischen Wendung von Horaz (65-8 v. Chr.): ›non erat his locus‹. »Platz, Platz dem Landvog« stammt aus Schillers ›Tell‹ (1804) (III,3); heute ist es eine ironische Bitte, einem schwerbeladenen Platz zu machen. In der Schleswigschen Geest sagt man auf plattdänisch: ›Enva aa sit Plads aa ä Mjelckmand ve ä Pomp‹ (jeder an seinem Platz und der Milchmann bei seiner Pumpe).
   ›Am rechten Platz der rechte Mann‹ ist eine Formulierung von Austen H. Layard, gemacht im englischen Unterhaus 1855: ›The right man in the right place‹. Das englische Sprichwort ›A place for everything and everything in its place‹ erschienen ebenfalls erstmals 1855 und ist eine Variation des antiken Spruches: ›Omnia tempus habent et suis spatiis transeunt universa sub caelo‹ (A. Taylor, S. 238). Ein ›Platzhirsch‹ ist derjenige, dem alle Frauen am Ort nachlaufen; der Ausdruck wurde ursprünglich nur auf den Hirsch angewandt, der sich als der Stärkste während der Brunftzeit erwiesen hat.
   Mit der Wendung mehr Platz als Kuchen bezeichnet man rheinhessisch einen Projektemacher (›Platz‹ ist hier aber Name eines einfachen Gebäcks).
   Den Platz an der Sonne nicht gönnen: eifersüchtig, neidisch sein. In der Reichstagssitzung vom 6.12.1897 sagte Fürst Bülow (1849-1929) mit Bezug auf die Inbesitznahme von Kiautschou: »Wir sind gern bereit, in Ostasien den Interessen anderer Großmächte Rechnung zu tragen in der sicheren Voraussicht, daß unsere eigenen Interessen gleichfalls die ihnen gebührende Würdigung finden. Mit einem Worte: Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne«. Als ältester Beleg der Wendung gelten Pascals ›Pensées‹ (1670), wo es heißt: »Ce chien est à moi, disaient les pauvres enfants, c'est là ma place au soleil: voilà le commencement et l'image de l'usurpation de toute la terre« (Büchmann). ›Der Platz an der Sonne‹ spielt auch in der Gegenwart als Schlagwort eine Rolle, ebenso die Wendung ›Kein Platz für wilde Tiere‹, die durch die Fernsehsendungen Prof. Grzimeks allgemein bekannt geworden ist.
• A. TAYLOR: Method in the history and interpretation of a proverb: A place for everything and everything in its place, in: Proverbium 10 (1968), S. 235-238; B. KETELSEN: Redensarten von Mensch- und Menschenleben, in: Jahrbuch für Schleswigsche Geest 19 (1971), S. 165.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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