Polen
Noch ist Polen nicht verloren: noch gibt es Rettung, noch ist eine Möglichkeit vorhanden. Mit diesen Worten (polnisch »Jeszcze Polska nie zginela ...«) beginnt der von Joseph Wybicki 1797 gedichtete ›Dombrowski-Marsch‹, mit dem die Polen auf den »Finis Poloniae« (Das Ende Polens) antworteten, das ihr Führer Thaddäus Kosciuszko am 10. Oktober 1794 nach der verlorenen Schlacht bei Maciejowice ausgesprochen haben soll. Er selbst bestreitet dies in einem Brief an den Grafen Louis Philippe de Ségur vom 12. November 1806.
   Jetzt ist Polen offen: die Aufregung ist groß; man befindet sich in einer Situation, in der alles möglich, alles erlaubt zu sein scheint. In Schlesien sagt man: ›Dö is Polen uffe un Frankreich zu‹.
   Eine polnische Wirtschaft nennt man eine große (finanzielle, materielle usw.) Unordnung. so heißt auch eine Operette von Jean Gilbert (1910). Die Wendung ist ebenso als Titel verschiedener Dichtungen verwendet worden, so z.B. als Gedichttitel von Ernst Ortlepp (1831), Friedrich Hebbel (1853) und als Romantitel von Marie von Roskowska (1863).
   Sich polnisch verabschieden: sich heimlich davonmachen, besonders aus einer Gesellschaft; ›Sich französisch empfehlen‹ ( französisch) (vgl. englisch ›to take French leave‹); Sich polnisch verheiraten: in wilder Ehe leben.
   Von einem Betrunkenen heißt es in Frankreich: ›Il est soûl comme un polonais‹
• K. ROTHER: Die schlesischen Sprichwörter und Redensarten (Breslau 1927, Nachdruck Darmstadt o.J.); B. STASIEWSKI: ›Polnische Wirtschaft‹ und Johann Georg Forster, eine wortgeschichtliche Studie, in: Deutsche wissenschaftliche Zeitschrift im Wartheland 2 (1941), S. 207-216.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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