Baumöl
Etwas geht einem ein wie Baumöl: man hört es sehr gern. Die Wendung wird zumeist dann gebraucht, wenn jemand eine Schmeichelei zu hören bekommt, die leicht übertrieben wirkt, die er aber so selbstverständlich aufnimmt (›schluckt‹), als käme sie ihm zu und wäre ernst gemeint.
   Berlinisch ›Et is zum Beboomölen‹, ostpreußisch ›Dat ös foorts tom bebommeelje‹ und obersächsisch ›Is das nich gleich zum Boomeelschwitzen?‹ sind mundartliche Varianten der Redensart Es ist zum Bebaumölen (zum Baumölschwitzen): es ist zum Verzweifeln, zum Verrücktwerden. Baumöl (d.i. minderwertiges, aus der letzten Pressung gewonnenes Olivenöl) steht hier für ›Harn‹, wie andere mundartliche Wendungen erweisen, z.B. {\i Einen schlagen, daß er Baumöl brunzt (seicht), bis er nach Baumöl stinkt.
   Sich bebaumölen} meint eigentlich: sich in der Aufregung bepissen, hat aber mundartlich verschiedene Bedeutung angenommen, z.B. obersächsisch: außer sich sein vor Freude oder Ärger, berlinisch: ängstlich sein.
   Verbaumölen: zum Narren halten, weismachen; vgl. schleswig-holsteinisch ›Lat ju nich bebomöhlen‹; dies sagte am 9. 4. 1848 Major Michelsen, als man meldete, daß die Dänen seine Abteilung umgingen.
   Im ›Simplicissimus‹ Grimmelshausens steht ›baumölen‹ für durchprügeln. Ölen ist ein älteres Synonym für schlagen; im Steirischen ist Baumöl = Stockprügel. Ursprünglich war also jemanden Verbaumölen: einen mit einem Baum, d.h. einem Knüppel, verprügeln.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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