rollen


rollen
Eine große Rolle spielen: wichtig sein, von Ansehen und Bedeutung sein; wohl erst aus dem 18. Jahrhundert nachzuweisen. Ebenso: Keine Rolle spielen: nicht viel zu sagen haben; auch von Dingen gesagt, z.B. ›Geld spielt bei ihm keine (große) Rolle‹, scherzhaft erweitert zu: ›Geld spielt keine Rolle, da nicht vorhanden‹. Die Redensarten sind von der Schauspielkunst entlehnt, wo unter der Rolle eines Schauspielers die ihm zufallenden Worte verstanden werden. Der Text des Schauspielers wurde seit Ende des 16. Jahrhunderts auf einen Papierstreifen geschrieben, von dem er auf den Proben die eben gebrauchte Stelle sichtbar hielt, während er das übrige aufrollte. Daher auch: Aus der Rolle fallen: sich unpassend benehmen (scherzhaft verdreht zu: ›Aus der Falle rollen‹), wie ein Schauspieler, der statt des darzustellenden Charakters sich selbst spielt. Ferner: Sich in die Rolle eines anderen versetzen: einfühlend sein; Einem durch die Rolle fahren: seine Absichten durchkreuzen, ihn mißhandeln; Mit seiner Rolle zu Ende sein: nicht mehr wissen, was man tun oder sagen soll; französisch ›être au bout de son rouleau‹ (Pergamentrolle).
   Er hat seine Rolle ausgespielt: er ist gestorben. Die Rollen vertauschen: Aufgaben, Posten, auch Ansichten tauschen, wie ausgewechselt sein; französisch ›intervertir les rôles‹.
   Jemanden auf die Rolle schieben: jemanden zum Schein wütend machen, ihn Auf den Arm nehmen, Arm; vor allem alemannisch ›jemand uf d' Rolle schiebe‹. Die Wendung bezieht sich auf das Glätten großer Wäschestücke mit Hilfe einer Rolle, Mangel. Daher auch das bekannte Berliner Lied:
   Hilf mir mal die Rolle drehn,
   Du bist so dick und stramm.
   G(sch)enier dich nicht
   Und zier dich nicht!
   Wir dreh'n das Ding zusamm',
   das auch eine erotische Bedeutung besitzt.
Etwas ins Rollen bringen: den Anstoß zu einer Entwicklung geben; auch: ›Der Stein kommt ins Rollen‹, Stein.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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  • Rollen — Rollen, verb. reg. neutr. et act. welches eine unmittelbare Nachahmung des hohlen, dumpfigen Schalles ist, den es bezeichnet. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn, diesen Schall von sich geben oder… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Rollen [2] — Rollen der Kurven und Flächen aufeinander. Die Elementarbewegung eines unveränderlichen ebenen Systems Σ in der Ebene ist eine unendlich kleine Rotation um einen gewissen Systempunkt Γ, das Momentanzentrum, der eine bestimmte Lage C …   Lexikon der gesamten Technik

  • rollen — V. (Mittelstufe) sich drehend fortbewegen Beispiele: Der Zug rollte über die Brücke. Die Kugel ist auf den Rasen gerollt. rollen V. (Mittelstufe) etw. rollend an einen anderen Ort bewegen Beispiele: Er hat das Fass in den Keller gerollt. Ich habe …   Extremes Deutsch

  • rollen — Vsw std. (15. Jh.), mhd. rollen, mndl. rollen Entlehnung. Entlehnt aus frz. rouler, das teils auf ein Verbum zu l. rotella Rädchen , teils auf eines zu l. rotula Rädchen zurückgeht (zu diesem s. Rolle). Nomen instrumenti: Roller.    Ebenso nndl.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Rollen — steht für: mathematisch die Bewegung eines Punktes um eine Achse, siehe Zykloide physikalisch den Abrollvorgang eines Rades oder rundlichenen Objektes auf dem Untergrund, siehe Rollwiderstand die Bewegung eines Wasser oder Luftfahrzeugs um seine… …   Deutsch Wikipedia

  • Rollen [1] — Rollen, als Maschinenteile, s. Laufräder, ferner Kettenrollen, Hanfseilrollen, auch Reibräder, Riemscheiben, Draht und Hanfseilscheiben, die sämtlich hier und da als Rollen bezeichnet werden, sowie Auflager eiserner Brücken und Rollenlager.… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Rollen — Rollen, 1) sich drehend schnell bewegen; 2) dabei u. überhaupt einen dumpfen Schall erregen; 3) Holz auf der Holzrutsche u. Erz auf der Erzrolle von einer Höhe herabgleiten lassen; 4) so v.w. Sieben; 5) (Mandeln), das Verfahren mit der Wäsche… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Rollen [1] — Rollen, die Fortpflanzung, resp. die Fortpflanzungszeit (Rollzeit) bei Füchsen und Dachsen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Rollen [2] — Rollen, Wäsche mit der Drehrolle glätten, s. Mange …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Rollen [3] — Rollen (Schlingern), schaukelnde Bewegung des Schiffes, beeinträchtigt die Gefechtsfähigkeit der Schlachtschiffe und die Wohnlichkeit der Handelsdampfer und wird durch Schlinger , Roll oder Kimmkiele zu mindern gesucht, die an beiden… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Rollen — Rollen, vom Schiff, s. Schlingern …   Kleines Konversations-Lexikon


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