Sache
Eine Sache drehen, wie man will. Die Redensart ist biblischen Ursprungs und geht auf Sir 19,22 zurück. Dort heißt es vom ›Schalk‹: er »kann die Sache drehen, wie er's haben will«.
   Die älteste Bedeutung des Wortes Sache (althochdeutsch sahha: Streit, Krieg, Prozeß) ist noch in der Redensart aus dem Rechtsleben spürbar: Eine Sache ist anhängig heißt, ein Verfahren schwebt vor Gericht.
   Im Zusammenhang mit der Sache als Rechtsfall stehen die Wendungen: Einer Sache auf den Grund gehen: etwas genau untersuchen; vgl. französisch ›aller au fond des choses‹.
   Der Sache näher kommen: in einer Diskussion sich dem Punkt nähern, wo Verständigung oder (und) Kompromisse möglich sind.
   Seiner Sache sicher sein: wissen, daß man im Recht ist, daß man Gewißheit über etwas besitzt und durch vernünftige Gründe überzeugen wird; vgl. französisch ›être sûr de son affaire‹.
   Hart in der Sache sein: unerbittlich nach eigenen Grundsätzen handeln; auf keine Kompromisse eingehen. Der Ausdruck geht zurück auf den Jesuitengeneral Claudio Aquaviva (1543-1615), der in seiner Schrift ›Industriae ad curandos animae morbos‹
(1606) eine starke und zugleich milde Regierung für einen Staat gefordert hatte: »Stark ... in der Erreichung des Ziels und milde in der Art, es zu erreichen« (Kap 2,1). Der schon in der Bibel (Weish 8,1) vorhandene Gedanke wurde zu einem lateinischen Spruch verdichtet: ›Fortiter in re, Suaviter in modo‹ (Hart in der Sache, milde in der Form).
   Das tut nichts zur Sache: das ist unwesentlich, bringt keine entscheidend neuen Gesichtspunkte zu einer umstrittenen Angelegenheit; vgl. französisch ›Cela ne fait rien à l'affaire‹ oder ›Cela n'a rien à voir‹.
   Mit jemandem gemeinsame Sache machen: sich mit ihm verbinden. vgl. französisch ›faire cause commune avec quelqu'un‹.
   Etwas ist jemandes Sache: etwas ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Um Einmischungen zu unterbinden, sagt man: ›Das ist meine Sache‹, Bier.
   Seine Sache auf Gott stellen: sein ganzes Vertrauen auf Gott richten. In einem Kirchenlied des Joh. Pappus (1549-1610) heißt es schon ganz ähnlich:
   Ich hab' mein' Sach'
   Gott heimgestellt.
Seine Sache auf etwas stellen: seine Hoffnung auf etwas gründen, sich eine Basis errichten, auf der man aufbauen kann, besonders in materieller Hinsicht, kann als Übertragung der vorherigen Wendung auf den profanen Bereich verstanden werden. Als Formel ist sie besonders durch Goethe bekannt geworden:
   Ich stellt' mein Sach'
   auf Geld und Gut!
   (Goethe, Weimarer Ausgabe I, S. 145). Im Gegensatz dazu schreibt Goethe aber auch 1806 in seinem Gedicht ›Vanitas Vanitatum Vanitas!‹: »Ich hab' mein' Sach' auf nichts gestellt«, wohl eine bewußte Negierung des bekannten Kirchenliedes.
Das ist (vielleicht eine) Sache!: das ist großartig, hervorragend, ausgezeichnet; verkürzt aus: ›Das ist eine große, bedeutende, ausgezeichnete Sache‹ o.ä.
   Das ist Sache mit Ei: das ist ganz hervorragend. Etwas ist eine runde Sache: jedermann ist mit einem Plan, einer Angelegenheit zufrieden.
   Das ist so 'ne Sache: das ist schwer zu entscheiden. Ähnliche Wendungen auch in den Mundarten, z.B. im Anhaltischen: ›Dat heest mer ene Sache‹, da gibt es nichts zu verwundern, dabei ist nichts Außerordentliches. Das sind keine Sachen: so etwas gehört sich nicht.
   Sache!: einverstanden selbstverständlich Wohl verkürzt aus: ›Das ist eine abgemachte Sache‹.
   Mach keine Sachen! Ausruf des Erstaunens; wohl verkürzt aus: ›Mach keine unglaubwürdigen Sachen‹; auch: Tu nichts Unerlaubtes, Ungehöriges!
   Nicht bei der Sache bleiben können: ständig abschweifen, unaufmerksam sein; vgl. französisch ›Ne pas s'en tenir au fait‹. Bei einer Verhandlung, die durch Nebensächliches verzögert wird, ist die Aufforderung Zur Sache, bitte! oft nötig; vgl. französisch ›(Venons-en) au fait, s'il vous plait!‹
   Als neue Prägung entstand nach einem Filmtitel die Wendung Zur Sache, Schätzchen!: keine Umschweife, kommen wir direkt zum Geschäftlichen, zum Sex.
   Mit -zig Sachen: mit größter Geschwindigkeit; eigentlich: mit soundso viel (›achtzig‹ oder ›neunzig‹) Kilometern Geschwindigkeit beim Auto- oder Motorradfahren; aus der Kraftfahrersprache.
   Sieben Sachen sieben, Siebensachen.
   Die formelhafte Wendung ›In Sachen XY‹ ersetzt oft das sinngleiche Wort ›betreffend‹, ›betrifft‹: so z.B. ›Mexiko will sich in Sachen Erdöl von niemandem beeinflussen lassen‹.
   ›Sache‹ wird auch verhüllend für Menstruation gebraucht; südbadisch ›Hasch dei Sach?‹
• H.G. REICHERT: Urban und human: Gedanken über lateinische Sprichwörter (Hamburg 2. Auflage 1956), S. 280-281; J.T. KIERAN: It's in the bag (deutsch: die Sache ist geritzt), in: Saturday Review of Literature 10 (1973), S. 1-3, S. 64.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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