Schliche
Die Schliche kennen: genau alle Wege und Möglichkeiten kennen und zu nutzen wissen, um entweder heimlich oder auf Umwegen einen Vorteil oder ein Ziel zu erreichen. Die Redensart weist ursprünglich auf den Jäger, der alle Schleichwege (Schliche) des Wildes genau kennen muß. Noch in diesem alten Sinne gebraucht Schiller die Wendung in seinem ›Tell‹ (I, 4): »Die Schliche kenn' ich und die Felsensteige«.
   Die Übertragung der Redensart erfolgte jedoch bereits in mittelhochdeutscher Zeit, wobei sie die Bedeutung von heimlichen Verfahren, Listen und Kunstgriffen erhielt. Im ›Parzival‹ (78, 5) heißt es:
   Sie geloubten sich der sliche
   die man heizet friwendes stiche:
   heinlich gevaterschaft
   wart dâ zefuort mit zornes kraft.
Jemandem hinter (auf) seine Schliche kommen: herausfinden, was einer tut und welche Mittel er gebraucht, auch: seine heimlichen Absichten merken und seine wahre Natur erkennen. Im Niederdeutschen heißt ›Ek kenne dîne slêke‹, ich bin hinter dein Geheimnis gekommen, deine Winkelzüge und Kunstgriffe sind mir bekannt.
   Einen auf die Schliche bringen: ihm auf die Sprünge helfen, ihm etwas begreiflich machen.
• L. RÖHRICH und G. MEINEL: Redensarten aus dem Bereich der Jagd und der Vogelstellerei, S. 317

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Schliche — Schlị·che die; Pl; meist in jemandem auf die Schliche kommen / hinter jemandes Schliche kommen / jemandes Schliche durchschauen herausfinden, welche heimliche Absicht jemand hat …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Schliche — *1. A wêss alle Schlieche am Esel ins Loch, aber kênen wieder râs (heraus). (S. ⇨ Steg.) – Gomolcke, 269. *2. He wât r de recht n Sleke af. – Eichwald, 1737. *3. Hinter die Schliche kommen. – Braun, I, 3903 …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Schliche — Einfall, Kniff, Kunstgriff, List, Schachzug, Trick, Winkelzug; (schweiz.): Rank; (bildungsspr.): Finesse, Manipulation, Strategem; (ugs.): Dreh, Masche; (österr. ugs.): Schmäh; (abwertend): Manöver; (veraltend): Pfiff; (veraltet): Machination …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Schliche — Schlich (de) …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Schliche — Schlị|che vgl. Schlich …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Hinter jemandes \(auch: jemandem auf die\) Schliche kommen —   Die Wendung bedeutet, dass man jemandes [unlautere] Absichten durchschaut, jemandes heimliches Treiben entdeckt: Die Polizei wird dem Einbrecher schon auf die Schliche kommen. Früher konntest du mir einiges vormachen, aber mittlerweile bin ich… …   Universal-Lexikon

  • auf die Schliche kommen — herausfinden; ausmachen; feststellen; (einer Sache) auf die Spur kommen; erkennen; ermitteln; eruieren; ausfindig machen; sehen; identifizieren; entdecken; …   Universal-Lexikon

  • Schlich (1), der — 1. Der Schlich, des es, plur. die e, von dem Zeitworte schleichen, ein verborgener, geheimer Weg, in weiterer Bedeutung, ein verborgener, geheimer Ort, und figürlich, geheime Kunstgriffe, verborgene Art und Weise zum Schaden anderer zu handeln;… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Gold — (Aurum), nächst Eisen und Aluminium das am weitesten verbreitete, meist aber in geringer Menge vorkommende Metall. 1) Vorkommen (mineralogisch und geologisch). G. findet sich meist gediegen und dann fast immer legiert mit Silber, auch mit Eisen,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schlich — Schlịch 〈m. 1〉 1. Schleiferschlamm 2. feinkörniges Erz 3. 〈Pl.〉 Schliche Listen, heiml. Treiben, heiml. Umwege, Heimlichkeiten ● jmds. Schliche kennen; jmdm. auf die Schliche kommen; hinter jmds. Schliche kommen [<mhd. slich „leise gleitender …   Universal-Lexikon

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