Schneckengang
Es geht den Schneckengang: etwas geht nur sehr langsam, träge vorwärts. Der Ausdruck verspottet nicht nur träge Lebewesen, sondern vor allem die sich oft endlos hinziehenden Verhandlungen und den schleppenden Gang innerhalb der Bürokratie. Vgl. niederländisch ›Het gaat den slakkengang‹; vgl. französisch ›Cela va à un rythme d'escargot‹.
   Auf (mit) der Schneckenpost fahren (kommen, reisen): eine überaus lange Reisezeit benötigen, kaum vorankommen. Wir nennen eine schlechte und langsame Beförderung von Personen, Gütern und Nachrichten eine ›Schneckenpost‹, seit Börne 1821 die durch viele Rastpausen unterbrochene Fahrt der Thurn- und Taxisschen Postwagen in seiner ›Monographie der deutschen Postschnecke‹ verhöhnte (Ges. Schriften, Teil 3 [Hamburg 31840], S. 78-118). Ähnliche Vorstellungen von der Langsamkeit der Post spiegeln sich im Lied. Im ›Vogelhändler‹ singt die Christel von der Post: »denn bei der Post geht's nicht so schnell«. Vgl. auch den Kanon: »I fahr, i fahr, i fahr mit der Post! Fahr mit der Schneckenpost ...«
   Es geht nur im Schneckentempo vorwärts: man kommt kaum voran. Diese moderne Wendung wird besonders häufig bei Stauungen im Verkehr (Kreuzungen und Ampeln in der Stadt, Bauarbeiten an der Straße, Unfall) gebraucht, wenn der Autofahrer lange warten oder ›Schritt fahren‹ muß.
   Im Elsaß und in der Pfalz sind mundartliche Wendungen mit Schneckentanz verbreitet. ›Mache mir keine Schneckentänz vor!‹ Täusche mich nicht, suche keine Ausflüchte zu machen! warnt man in der Pfalz einen, den man durchschaut hat. Im Elsaß stellt man bei Lügen, Possen und Narrheiten fest: ›Diss sinn Schnecketänz!‹, es ist sowenig wahr wie das Märchen von demjenigen, der Schnecken tanzen lehrte (Alsatia 48 [1851]).
Mit der Schneckenpost fahren. Grandville: G.W., Bd. II. S. 845.
Mit der Schneckenpost fahren. ›Schneckenpost zwischen Bern und Luzern‹ L'escargot-poste entre Berne et Lausanne, Henri de la Poste, Soleure, 1844-1875, 1866. Aus: J. Grand-Carteret: Les maeurs et la caricature en Allemagne en Autriche en Suisse, Paris 1885, S. 399, Fig. 240.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Schneckengang — Schneckengang, 1) ein mehrfach gekrümmter Gang, bes. in Gartenanlagen od. eine Höhe hinauf; 2) der S. in der Uhr, s.u. Schnecke 2); 3) spiralförmiger Gang um eine Welle, in welchen sich eine Kette od. ein Seil legt …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schneckengang — Schneckengang, Scala media, mittlerer Raum der ⇒ Cochlea; enthält als Gehörorgan das Corti Organ …   Deutsch wörterbuch der biologie

  • Schneckengang — Schneckengang,der:⇨Trödelei …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Schneckengang — Unter einem Schneckengang versteht man in der Optik und Feinmechanik einen mit Hilfe eines Gewindes in der Länge verstellbaren Tubus, der es gestattet, z. B. ein Linsen oder Spiegelsystem auf der optischen Achse zu bewegen. Dies ist vor… …   Deutsch Wikipedia

  • Schneckengang — Schnecke: Das Weichtier heißt mhd. snecke, ahd. snecko (daher noch oberd. mdal. die maskuline Form Schneck), entsprechend mnd. snigge, mengl. snegge. Diese germ. Namen gehen von einer Grundbedeutung »Kriechtier« aus. Sie gehören zu einem germ.… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schneckengang — * Es geht den Schneckengang. Holl.: Het gaat den slakkengang. ( Harrebomée, II, 272b.) …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Schneckengang. — См. Улита едет, когда то будет …   Большой толково-фразеологический словарь Михельсона (оригинальная орфография)

  • Schneckengang — Schnẹ|cken|gang 〈m. 1u〉 1. 〈Tech.〉 Gewinde mit großer Steigerung, bes. an Kameras zum Einstellen der Entfernung; Sy Schneckengewinde 2. 〈fig.〉 bes. langsamer Gang * * * Schnẹ|cken|gang, der: 1. (ugs.) sehr langsame Gangart. 2. (Anat.) in der… …   Universal-Lexikon

  • Schneckengang — Schnẹ|cken|gang, der; [e]s …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Schneckengang, der — Der Schnêckengang, des es, plur. die gänge, ein Gang in einem Garten, welcher in einer Schneckenlinie zu einem Mittelpuncte oder offnen Platze führet …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”