schön
Etwas ist zu schön, um wahr zu sein: es ist eine herrliche Sache (Aussicht), die jedoch leider kaum verwirklicht werden kann; die anfängliche Begeisterung wird vom Zweifel am Erfolg gedämpft. Die Wendung ist durch den Schlagerrefrain:
   Das gibt's nur einmal,
   Das kommt nicht wieder,
   Das ist zu schön, um wahr zu sein
allgemein bekannt geworden. Vergleiche französisch ›C'est trop beau pour être vrai‹.
   Einem schöntun: ihm schmeicheln, ähnlich jemandem schöne Worte (Augen) machen: ihn übertrieben loben, ihm nach dem Munde reden (kokettieren). Vergleiche niederländisch ›mooi weer spelen‹, freundlich wie schönes Wetter an einem Sonnentag, untertänig, dienstbeflissen sein; vgl. französisch ›faire les beaux yeux à quelqu'un‹.
   Schön heraus sein: glücklich zu preisen sein, eigentlich froh sein, nicht beteiligt, betroffen zu sein, nicht zur Verantwortung gezogen werden können; vgl. französisch ›S'en être bien tiré‹.
   Das Adjektiv schön wird gern zur ironischen Umschreibung des Gegenteils benutzt, z.B. in den Feststellungen Schön ist das! Vergleiche französisch ›C'est du beau‹. Das ist ja eine schöne Bescherung (Leistung), ein schöner Reinfall! Das sind ja schöne Aussichten (Geschichten); vgl. französisch ›Quelles jolies perspectives!‹
   Auch in der Verbindung mit einem bestimmten Verb erhält ›schön‹ negative Bedeutung: Bei jemandem schön ankommen: von ihm schlecht aufgenommen werden, abblitzen, Unwillen erregen; jemand wird schön gucken: er wird (unangenehm) überrascht werden; etwas schön bleiben lassen: sein Vorhaben bestimmt aufgeben müssen.
   Substantiv und Komparativ werden in der gleichen Weise benutzt: Etwas Schönes angerichtet (angestellt) haben; Sich etwas Schönes geleistet (eingebrockt) haben; Daraus wird etwas Schönes entstehen: es wird kein gutes Ende nehmen, aber auch: Das wäre ja noch schöner!: das kommt überhaupt nicht in Frage, ein häufiger Ausdruck der Ablehnung; vgl. französisch ›Il ne manquerait plus que cela‹, und: Das wird ja immer schöner: es wird immer schlimmer, unglaublicher.
   Die Schönheit einer Frau wird in den redensartlichen Vergleichen gern übertrieben und gesteigert: Sie ist schön wie der (junge) Tag, vgl. französisch ›Elle est belle comme le (beau) jour‹; Sie ist schön wie ein Engel, aber auch: wie die Sünde, d.h. also besonders verführerisch; mundartlich ›S' is (woar) su schîne, der Moaler het's nich schinner moalen kinnen‹ (schlesisch); ›Sie ist schön wie Anke von Tharau‹ (ostpreußisch). Scherzhaft sagt man in Schwaben zu einem Mädchen, das oft vor dem Spiegel steht, um es zu necken und zu verspotten: ›Du bist schön, du schielst und blöckst d' Zähn‹.
   Oft enthalten die Feststellungen über die Schönheit eines Mädchens oder einer Frau ironische Zusätze, die sie einschränken oder ganz in Frage stellen: Sie ist so schön wie ein Engel und dumm wie eine Gans; Sie ist schön wie ein Engel und dumm wie eine Gans; sie ist schön, man darf sie aber nicht bei Tage (nur bei Kerzenlicht) sehen.
   Manchmal enthalten die Redensarten auch einen gewissen Trost, der die mangelnde Schönheit vergessen läßt: Ist sie gleich nicht schön, hat sie doch Geld im Kasten; Sie ist nicht so schön zum Verlieben und nicht so häßlich zum Erschrecken.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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