Schubsack
Das hat seine geweisten Schubsäcke: seine guten Gründe, seine besondere Bewandtnis, auch: seine zwei Seiten. Die im Obersächsischen häufige Redensart meinte ursprünglich: es hat alles seine bestimmten Säcke (Taschen), in die es gehört, also seine bestimmte Ordnung. Schubsäcke nannte man tiefe Taschen von vielfacher Verwendung, es konnten z.B. Kleidertaschen, Zeitungsmappen oder Brotbeutel sein. In Christian Reuters satirischem Lustspiel ›Der ehrlichen Frau Schlampampe Krankheit und Tod‹ heißt es 1696: »Er wird gewiß einen Schubesack voll neuer Zeitung (= Nachrichten) mitbringen«, an einer anderen Stelle dieses Stückes steht: »er greift in den Schubesack hinein, um Konzepte herauszuholen«. Noch Schiller verwendet den heute fast unbekannten Ausdruck in seinem ›Fiesko‹ (III, 4): »Noch muß ich euch meinen Schubsack von Zeitungen stürzen« trugen die Schubsäcke Bezeichnung, durch die auf die spezielle Bestimmung hingewiesen (geweist) wurde. Als die Schubsäcke außer Gebrauch kamen, erhielt sich nur die Redensart in ihrer übertragenen Bedeutung, daß alles seinen bestimmen Zweck besitze.
   ›Geweist‹ ist das Partizip zu ›weisen‹ = anweisen, bestimmen, das früher schwach gebeugt wurde, heute aber fast überall durch ›gewiesen‹ verdrängt worden ist. In unserem ›weisen‹ sind die Formen des schwach flektierenden ›weisen‹ und des starken ›wizen‹ = strafen zusammengeflossen, was sich bei dem Wort ›verweisen‹ noch deutlich zeigt, das beide Bedeutung besitzen kann. Man hat die Redensart mit den Taschenspielern in Zusammenhang gebracht, die für ihre einzelnen Kunststücke bestimmte Taschen besaßen. Die bei Wander angeführte Nebenform ›Das hat seine gewußten Schubsäcke‹ spricht für diese Annahme.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Schubsack — 1. Es hat seine geweissten (gewichsten, gewitzten, gewussten) Schubsäcke. (S. ⇨ Nase 143.) Seinen Grund, auch seine Schwierigkeit oder auch bei Handlungsweisen, deren wahre Beweggründe verschwiegen bleiben. Wie einige meinen, von einem… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Schubsack — ∙Schub|sack, der: weite ↑Tasche (2 a) in einem Kleidungsstück: Darauf kramte er eifrig in seinem S. und zog endlich ... eine alte zerfetzte Landkarte hervor (Eichendorff, Taugenichts 86); Ü Tummle dich, Hassan! Noch muss ich euch meinen S. von… …   Universal-Lexikon

  • Schubsack, der — Der Schubsack, des es, plur. die säcke, ein vornehmlich im Oberdeutschen übliches Wort, eine Tasche an der Seite eines Kleidungsstückes zu bezeichnen, welches auch Schiebsack lautet; Nieders. Küpsack, Kiepsack …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Perseus — {{Perseus}} Sohn der Danae** von Zeus*, Enkel des Akrisios**, der aufgrund eines Orakelspruchs das Neugeborene, von dessen Hand ihm der Tod drohen sollte, samt der Mutter in eine Kiste einschließen und ins Meer werfen ließ. Die beiden wurden von… …   Who's who in der antiken Mythologie

  • Perseus (Mythologie) — Andromeda und Perseus …   Deutsch Wikipedia

  • Kiepe, die — * Die Kiepe, plur. die n, ein nur in Niedersachsen übliches Wort, einen Kober zu bezeichnen, besonders so fern er dazu bestimmt ist, auf dem Rücken getragen zu werden. S. Kober, mit welchem Worte es von einem und eben demselben Stamme herkommt.… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Kober, der — Der Kober, des s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Koberchen, ein von Baste, gespaltenen Ruthen oder Spänen geflochtenes hohes, länglich vierecktes Behältniß mit einem Deckel, welcher einem Schachteldeckel gleicht, und gemeiniglich an einem… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Sack, der — Der Sack, des es, plur. die Säcke, Diminut. das Säckchen, Oberd. Säcklein. 1. Im weitesten Verstande, ein jeder hohler, an einem Ende verschlossener Raum; eine nur noch in einigen Fällen übliche Bedeutung. So nennet man eine Gasse ohne Ausgang in …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Schiebsack, der — Der Schiebsack, oder Schubsack, des es, plur. die säcke, eine im Oberdeutschen übliche Benennung einer Tasche. Siehe Scheiben …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Tasche (3), die — 3. Die Tásche, plur. die n, Diminut. das Täschchen, Oberd. Täschlein, im gemeinen Leben Täschel, ein Wort, in welchem der Begriff der Öffnung, des Verhältnisses der herrschende ist welches aber nur noch in einigen besondern Fällen gebraucht wird …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”