Schulter
Einem die kalte Schulter zeigen: ihn abweisend behandeln, ihn zurücksetzen; kalt, gleichgültig gegenüber einem anderen auftreten; so tun, als kenne man ihn nicht; ihm die Hilfe versagen. Die Redensart, die besonders in Norddeutschland üblich ist, gilt als eine Lehnübersetzung aus dem Englischen ›to show one a cold shoulder‹. ›Kalt‹ ist in der Bedeutung von ›gefühllos‹ gebraucht. Ähnlich Auf kalte Schultern stoßen: auf Ablehnung, Teilnahmslosigkeit treffen.
   Einen über die Schulter ansehen; ihn verächtlich, schief ansehen, Achsel, schief. Vgl. ndd. ›Den süt se küm över de Schullem an‹, ndl. ›Hij kijkt hem over den linker schouder‹; frz. ›regarder quelqu'un de haut‹.
   Etwas auf die leichte Schulter nehmen: unbekümmert, leichtsinnig sein; etwas für unwichtig halten, es nicht ernst nehmen und vernachlässigen. Die Wendung beruht auf einem Zitat aus den Satiren des Horaz (II, 3, 172): »ferre sinu laxo«, eigentlich: etwas nachlässig im Bausch (der Toga) tragen, Achsel.
   Auf beiden Schultern (Wasser) tragen: es mit keinem verderben wollen; es mit verschiedenen Parteien halten. Vergleiche lateinisch ›Duabus se venditat partibus‹ (Phaedrus) und niederländisch ›Het is een man, die op twee schouders draagt‹. Ähnliche Bedeutung hat die Redensart Auf der rechten Schulter unsern Herrgott und auf der linken den Teufel tragen, vgl. französisch ›donner une chandelle à Dieu et une au diable‹ (veraltet). Einem etwas auf die Schulter legen: ihn belasten, ihm etwas aufbürden; vgl. französisch ›charger les épaules de quelqu'un‹; ähnlich Alles auf seinen (den eigenen) Schultern liegen haben: alle Last allein tragen müssen; vgl. französisch ›porter un fardeau sur ses épaules‹. Etwas auf seine Schultern nehmen: die Verantwortung übernehmen wollen.
   Breite Schultern haben: eine große Last ertragen können. Vergleiche niederländisch ›Hij heeft breede schouders‹ und französisch ›Il a de bonnes épaules, il portera bien tout‹.
   Auf jemandes Schulter stehen: sich auf jemanden stützen, seine Erfahrungen oder wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen, seine eigene Arbeit darauf gründen und weiterführende Gedanken entwickeln. In einem alten Sprichwort wird der Sinn dieser Wendung besonders deutlich: ›Wer einem andern auff den Schultern stehet, der kan weiter sehn dan er‹ (Petri II, 699).
   Auf anderer Schulter treten: Vorteile durch andere haben; ihre Hilfe ausnützen und sie gleichzeitig unterdrücken; andere für den eigenen Aufstieg mißbrauchen, da dieser aus eigener Kraft allein nicht möglich wäre; vgl. lateinisch ›alienis uti soleis‹.
   Jemanden auf die Schultern heben: ihn zum Anführer und Vorbild erheben ( Schild); ihn vor Begeisterung umhertragen und feiern. Mit hängenden Schultern dastehen: mutlos und traurig aussehen, kraftlos in sich zusammensinken.
   Schulter an Schulter stehen: sehr dicht nebeneinander stehen, gemeinsam kämpfen und Angriffen standhalten; vgl. französisch ›être debout côté à côté‹. Diese solidarische Haltung bezeichnet man auch mit dem Schlagwort ›Schulterschluß‹.
• H. BATESON: To look over the left shoulder, in: Folklore (London) 34 (1923), S. 241-242; H. FISCHER: Die eheliche Verantwortung und das Schultersymbol, in: Antaios I (1960), S. 186-208.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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