Schwanz
Den Schwanz einziehen (hängenlassen): kleinlaut werden, bedrückt, verzagt, mutlos sein. Die Redensart bezieht sich auf das Verhalten des Hundes, der wegen Krankheit und Schwäche, aber auch aus Furcht und meistens in Erwartung einer Strafe den Schwanz einzieht oder hängenläßt, den er normalerweise stolz erhoben trägt. Bereits Erasmus von Rotterdam (›Adagia‹ Nr. 695) führt 1528 diese Wendung in lateinischer Form auf: »Inter crura caudem subicit = Er zieht den Schwanz zwischen die Schenkel. Die Herkunft des Bildes in der Redensart wird durch die Vergleiche Er klemmt (zieht) den Schwanz ein wie ein Hund und Er läßt den Schwanz hängen wie ein begossener Hund ( Pudel) verdeutlicht und bestätigt. Die Rda. ist auch mdal. verbreitet, z.B. heißt es im Siebenb.- Sächs.: ›de Schwoanz änzän‹. Vgl. auch ndl. ›Hij laat den staart hangen‹, und ›met hangende pootjes terugkomen‹; frz. ›Ia queue basse‹. Etw. auf den Schwanz schlagen (klopfen):
   es sich unrechtmäßig aneignen, beiseite bringen, einen heimlichen Gewinn beim Ein- oder Verkauf machen. Die Rda. scheint mit dem Viehverkauf zusammenzuhängen: ›auf den Schwanz des verkauften Tieres rechnen‹; hineingespielt mag noch haben: einen Schwanz machen:treu-los sein, das Wort brechen, eigenil: einen Umweg machen, nicht geradeaus gehen, woraus dann die Bdtg..betrügen' entstanden ist. Einem eins auf den Schwanz geben: ihn demütigen, schon in Mumers.Schelmenzunft' (26) bezeugt: »Auch wie er uns mit list darneben eines uff den schwantz was werde geben« (Kloster I, 859).
   Einem auf den Schwanz treten: ihn beleidigen ( Schlips.). Zeigt sich jemandem schnell gekränkt und empfindlich, heißt es von ihm: Er fühlt sich auf den Schwanz getreten oder Der hat aber einen langen Schwanz, der fühlt sich dauernd draufgetreten.
   Einen (etwas) beim Schwanz fassen: es gerade noch schaffen, jemanden (etwas) festzuhalten. Vergleiche niederländisch ›Hij trekt se bij den start‹.
   Die Redensart hat daneben die Bedeutung: jemanden an seiner empfindlichsten Stelle angreifen, packen. Mit dem Schwanz wedeln (schmeicheln): sich wie ein Hund einschmeichelnd benehmen in der Hoffnung, einen Vorteil zu erschnappen. Vergleiche lateinisch ›cauda blandiri‹. Der redensartliche Vergleich Mit dem Schwanz wedeln und mit den Zähnen beißen wie die falschen Hunde verdeutlicht wieder die Herkunft des Bildes.
   Der Schwanz kommt nach! Eine Warnung, daß das Ende noch nicht gekommen oder sehr Unangenehmes noch zu erwarten ist. Schwanz steht hier wie in der folgenden Redensart für Ende und Schluß: Am Schwanz ist er steckengeblieben: der Abschluß einer Sache bringt oft unerwartete Schwierigkeiten und Verzögerungen. Vergleiche lateinisch ›Toto devorato bove in cauda defecit‹.
   Kein Schwanz ist da (zu sehen): es ist niemand anwesend. Ursprünglich bezog sich diese Feststellung wohl auf das fehlende Nutzvieh im Stall; da Schwanz aber auch zu einem beliebten Schimpfwort wurde (Du Schwanz! Du Schlappschwanz!, trat das Wort auch stellvertretend für Mensch ein, ohne in diese Redensart die verächtliche Bedeutung beizubehalten; vgl. frz. ›Je n'en ai pas la queue d'un‹.
   In der Sprache der Erotik ist ›Schwanz‹ die Bezeichnung für Penis. Daher die Redensarten: Sein Schwanz wedelt schon lange nicht mehr: er ist impotent; Mit dem Schwanz bellen: pervers sein und: Sich in den Schwanz beißen: Autofellatio betreiben (Borneman: Sex im Volksmund).
   Es ist zum Schwanz ausreißen Bein.
   Das Pferd beim Schwanz aufzäumen Pferd.
   Salz (Pfeffer) auf den Schwanz streuen Salz.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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