Semmel
Abgehen wie warme Semmeln: gut abgehen, sich schnell verkaufen lassen, sehr begehrt sein. Der redensartliche Vergleich beruht auf der Beobachtung, daß besonders frische Ware, die gerade fertig wurde, die noch warm aus dem Backofen kommt, besonders rasch ausverkauft ist, weil die Kunden schon darauf gewartet haben. In übertragener Bedeutung bezieht sich die Redensart auf die Töchter aus einem Hause, die sich rasch hintereinander verheiraten. So sagt man z.B. redensartlich in Berlin: ›Den jehn seine Döchter ab wie bei'n Bäcker de warme Semmeln‹. Gottfr. Keller gebraucht im ›Fähnlein der sieben Aufrechten‹ dafür die Wendung »Wie frische Wecken«. Auch auf Hervorbringungen im geistigen und künstlerischen Bereich findet die Redensart Anwendung. Karl Philipp Emanuel Bach (1714-88), Johann Sebastian Bachs dritter Sohn, gab dafür schon ein Beispiel. Er schrieb in Erinnerung an seine in Leipzig verbrachte Jugend an seinen Verleger Breitkopf: »Meine Sonaten und mein Heilig gehen ab wie warme Semlen, bey der Börse vor dem Naschmarkt, wo ich vordem mancher Mandel Pretzel den Hals gebrochen habe«. Vergleiche französisch ›partir comme des petits pains‹.
   Das Gegenteil dieser Redensart ist die Wendung ›Etwas ausbieten wie sauer Bier‹, Bier.
   Er hat seine Semmel zuerst gegessen: er hat das Beste vorweggenommen, das Gute bereits erhalten und nichts Besseres mehr zu erwarten; vgl. französisch ›Il a mangé son pain blanc le premier‹.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

Synonyme:

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  • Semmel — steht für: eine Unterart von Brötchen Kurzform der Kaisersemmel Semmel (Rosinenbrot), in Norddeutschland eine Art von Rosinenbrot mit Orangeat und Zitronat Arno Semmel (* 1929), ein deutscher Geograph, Geologe und Geomorphologe Siehe auch Semel …   Deutsch Wikipedia

  • Semmel — Semmel, Gebäck aus weißem Weizenmehl; an einigen Orten bildet jede S. ein für sich bestehendes Brödchen, z.B. bei den Franz , Mund , Kaisersemmeln; anderwärts vereinigt man mehre einzelne S n zu einem Ganzen, so Reihen (Schicht , Zeilen ) semmel …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Semmel — (althochd. sëmala, simila, zusammenhängend mit dem lat. simila, »Weizenmehl«), feines Weizengebäck, mit gewöhnlich 2–3 Abschnitten (Nocken) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Semmel — Sf Brötchen erw. oobd. (8. Jh.), mhd. semel(e), simel(e), ahd. semala, simila, mndd. semel Entlehnung. Entlehnt aus l. simila feinstes Weizenmehl und später auch aus diesem Mehl gebackene Brötchen . Dieses wie gr. semídālis feinstes Weizenmehl… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Semmel — Semmel: Lat. simila »fein gemahlenes Weizenmehl« wurde früh ins Dt. entlehnt (mhd. semel‹e›, ahd. semala). Im Mhd. entwickelte sich dann die Bedeutung »Brot aus Weizenmehl; Brötchen«. Diese Bezeichnung für das nordd. und mitteld. Brötchen wird… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Semmel — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Auch: • Brötchen Bsp.: • Wir aßen Käsebrötchen …   Deutsch Wörterbuch

  • Semmel — 1. Breslauer Semmel und schweidnitzer Brot, wer s immer hätte, der litt nicht Noth. (Schles.) Beide Gebäcke wurden von alters her unter die schlesischen Delicatessen gerechnet. Die breslauer Christsemmeln werden noch heute gerühmt. »In Schlesien… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Semmel — Kaisersemmel (österr.); Brötchen; Weckerl (österr.); Rundstück (regional); Schrippe (regional) * * * Sem|mel [ zɛml̩], die; , n (landsch.): Brötchen: knusprige, weiche Semmeln; eine Semmel mit Wurst, Käse; die neuen CDs gingen weg wie warme… …   Universal-Lexikon

  • Semmel — Brötchen; (österr.): Wecken; (schweiz.): Mutschli, Weggen, Weggli; (nordd.; bes. hamburg.): Rundstück; (bes. südd.): Weck; (bes. südd., österr.): Wecke; (bayr., österr.): Weckerl; (landsch.): Knüppel, Weggla; (bes …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Semmel — f булочка белый хлебец из дрожжевого теста, распространённый сорт хлеба. Форма варьируется в зависимости от региона см. тж. Kaisersemmel, Langsemmel, Kärntner Semmel …   Австрия. Лингвострановедческий словарь

  • Semmel — Berufsübername zu mhd. sлmele »feines Weizenmehl, Weizenbrot, Semmel« für einen Bäcker, vgl. Sem(m)ler. F.Semel, im spätmittelalterlichen Regensburg (a. 1348) bezeugt, war ein Bäckergeselle …   Wörterbuch der deutschen familiennamen

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