Senf
Einen langen Senf über etwas machen: viele unnütze Worte machen, ein weitschweifiges, unklares Gerede ausführen. Im gleichen Sinne wird statt Senf auch ›Meerrettich‹ in den Wendungen gebraucht. Wenn Senf hier nicht ein bloßer Scherz ist, gebildet nach ›Brei‹, ›Kohl‹ und ›Quark‹, die ebenfalls bildlich für umständliche, dumme oder unpassende Ausführungen und Bemerkungen stehen, so wird Adelungs Vermutung (Versuch eines grammatisch-kritischen Wörterbuches 1780, Bd. IV, Spalte 433) als zutreffend gelten können: »Senf stehet für Senfbrühe, und lang bedeutet, wie in anderen Fällen, mit vielem Wasser verdünnet«. Vergleiche wienerisch ›a langi Soß machen‹, eine lange Rede halten; französisch ›faire tout un fromage de quelque chose‹ (Käse).
   Häufig wird die Redensart in der imperativischen Form als Warnung verwendet: Mach keinen Senf!: spiele kein Theater, reg dich nicht so auf, vermeide eine lange Auseinandersetzung!
   Vilmar (›Idiotikon von Kurhessen‹ S. 382) sagt, daß die Redensart Senf machen in älterer Zeit eine nicht seltene sprachliche Formel für ›nichtige Redensarten vorbringen‹ gewesen sei. Er stellt sie mit der Wendung Eine Senfmühle heimbringen: nichts ausgerichtet haben, zusammen, die in einer (wahrscheinlich von einem Hersfelder verfaßten) Chronik bezeugt ist. Auch in den niederdeutschen Mundarten ist die Redensart verbreitet, z.B. heißt es in Pommern und Holstein: ›en(en) langen Semp maken‹.
   Er macht mir viel (gelehrten) Senf vor: er kramt umständlich seine große (überflüssige) Gelehrsamkeit aus. Vergleiche niederdeutsch ›He makt mi vêl gelêrten Semp vör‹.
   Einen Senf dazu anrichten: durch seine Einmischung eine Angelegenheit nur noch verschlimmern.
   Den Senf überzuckern: etwas Unangenehmes in eine mildere Form bringen, einen notwendigen Tadel etwas abschwächen.
   Seinen Senf dazugeben: ungefragt seine Meinung zu etwas äußern, eigentlich etwas als Würze hinzufügen, was zu der angerichteten Speise passen sollte, ohne es immer zu tun. Diese seit etwa 1700 belegte Wendung erklärt die alte Redensart vom ›Senf bezahlen‹, womit eben der Senf gemeint ist, der als unnützer Rat sogar Schaden bringen kann. Damit ist diese Wendung, die auch mundartlich verbreitet ist, als Ablehnung fremder Einmischung zu verstehen. Vergleiche auch: ›Seinen Dreier dazugeben‹, ndl. ›ook een duit in't zakje doen‹ oder ›zijn boontje bijleggen‹; frz. ›Y mettre son grain de sel‹ (Salzkorn).
   Dieser Senf steigt in die Nase: der Spaß ist zu grob, er verursacht Ärger und Zorn. Vergleiche niederländisch ›De mostaard kriebelt hem in den neus‹; französisch ›La moutarde lui monte au nez‹. Im Niederdeutschen heißt es auch: ›Senf macht frech!‹ Der Käufer verlangt im Geschäft zum Scherz: »... und ein Glas Senf, aber nicht von dem ›frechen‹!«
   Jemand wird durch den Senf gezogen: ›Er wird durchgehechelt‹, ›Durch den Kakao gezogen‹,
   Die niederdeutsche Redensart ›enem Semp up de Titt smeren‹, jemandem eine Sache verleiden, bezieht sich auf die Entwöhnung des Kindes von der Mutterbrust, wozu diese mit Senf bestrichen wurde, um durch den scharfen Geschmack dem Kind das Trinken zu verleiden.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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