Siele
In den Sielen sterben: während der Arbeit sterben, aus einem erfüllten, tätigen Leben gerissen werden; ohne sich eine Ruhepause im Alter zu gönnen, bis zum Tode arbeiten. Der Vergleich bezieht sich auf das Zugtier, das, während es angeschirrt ist, tot zusammenbricht.
   Siele ist ein vorwiegend niederdeutsches Wort für Riemenzeug, ledernes Geschirr der Ochsen und Pferde. Verbreitet wurden Wort und Redensart durch Bismarck, der am 4. Februar 1881 in einer Rede vor dem Preußischen Abgeordnetenhaus den Gedanken an seinen möglichen Rücktritt mit den Worten zurückwies: »Ein braves Pferd stirbt in den Sielen!«
   In den Sielen gehen: stets hart arbeiten müssen wie ein Lasttier, aber auch wie ein Schiffsschlepper, ohne einmal ›ausspannen‹ zu können, ohne von einer ständigen Last (Bedrückung) befreit zu werden, Seil.
   ›In allen Sîlen trecken‹, ›In allen Sätteln gerecht sein‹, Sattel. Diese besonders in Braunschweig verbreitete Redensart enthält das Lob, daß jemand viele Kenntnisse besitzt und überall zu gebrauchen ist.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Siele — oder Deichschleusen, Bauwerke, die in erster Linie zur Entwässerung der bedeichten Niederungen, daneben aber auch zum Einlassen von Wasser bei höheren Außenständen dienen. In diesem Falle heißen sie Einlaß oder Bewässerungssiele und Einlaß oder… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Siele — ist ein Teil des Geschirrs bei Zugtieren, siehe Geschirr (Zugtier) ein Stadtteil von Enger in Nordrhein Westfalen, siehe Siele (Enger) ein Stadtteil von Olpe in Nordrhein Westfalen, siehe Siele (Olpe) Siehe auch: Siel …   Deutsch Wikipedia

  • Siele — Siele, 1) (Sielengeschirr, Sielenzeug), so v.w. Pferdegeschirr (s. Geschirr 1), bes. der breite Brustriemen, an welchem mit einem Sielengeschirr statt des Kummtes versehene Pferde ziehen; 2) breiter Riemen, womit die Bergjungen den Karren hinter… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Siele — Sf (auch Sille f., Sill n.) Riemenwerk der Zugtiere per. Wortschatz fach. (11. Jh.), mhd. sil(e) m./f./n., ahd. silo m., mndd. sele Stammwort. Vgl. anord. seli m. und afr. silrāp m. Geschirrseil . Zu Seil gehörig, aber auf der Schwundstufe… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Siele — Sie|le 〈f. 19〉 Zugriemen der Zugtiere ● in den Sielen sterben 〈fig.〉 mitten in der Arbeit sterben [<mhd. sil <ahd. silo „Geschirrseil“; verwandt mit Seil] * * * Sie|le, die; , n [mhd. sil, ahd. sīlo, zu ↑ Seil] (veraltend): Sielengeschirr …   Universal-Lexikon

  • sielė — sf. (1) K, NdŽ, Klp, Vn; MŽ190, N(Rg, Rsn), D.Pošk žr. sielis: Medžius sielėmis žemyn leisti KI8. Garlaivis velka sielę Kin. Šorys paklusęs ėjo į upę ant sielės LC1887,13 …   Dictionary of the Lithuanian Language

  • Siele — Sie|le, die; , n (Riemen[werk der Zugtiere]); in den Sielen (mitten in der Arbeit) sterben …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Siele (Enger) — Siele Stadt Enger Koordinaten: 5 …   Deutsch Wikipedia

  • Siele (Olpe) — Siele Stadt Olpe Koordinaten: 51° …   Deutsch Wikipedia

  • Siele, die — Die Siele, plur. die n, ein nur im gemeinen Leben einiger Gegenden übliches Wort. 1. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist die Siele, oder bey andern der Sielen, ein Kummet, woran die Pferde ziehen. Frisch leitet es hier von ziehen, ἑλκειν, ab;… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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