besser
Besser als gut, mittelhochdeutsch: ›bezzer danne guot‹. Die Wendung begegnet schon früh im deutschen Minnesang. Sie war eine beliebte Formel zur Steigerung des Guten und wurde vor allem dann eingesetzt, wenn es galt, andere im Lob der Frauen zu übertreffen. Bei Rudolf von Fenis (ca. 1158-92), dem ersten schweizerischen Minnesänger, der sie aus dem Provenzalischen übernahm, heißt es (Minnesangs Frühling 83,9): »wan diu vil guote ist noch bezzer dan guot«. Später findet man die Wendung auch bei anderen Dichtern, z.B. bei Walther von Klingen (1253-86): »guoter wîbe minne ist bezzer danne guot«. Auch bei Tannhäuser (um 1250) begegnet sie: »diu ist noch bezzer danne gut«.
   Das Wort ›besser‹ wird nicht immer als Steigerung von gut gebraucht, sondern dient in einzelnen Gesprächssituationen sogar dazu, ein weniger Gutes zu bezeichnen, so z.B. wenn ein Genesender sagt: ›Es geht mir besser‹. Aus dieser Verwendung des Wortes geht der Gebrauch von besser als selbständigem Adjektiv hervor, das nicht mehr als Komparativ zu gut empfunden wird. So spricht man von ›Besseren Leuten‹; ähnlich ein ›Besserer Laufbursche‹ und Eines Besseren belehren, Sich eines Besseren besinnen, In Ermangelung eines Besseren (französisch: ›faute de mieux‹).
   Die ›Bessere Hälfte‹ als Bezeichnung für die Ehefrau (neuerdings auch für den Ehemann) ist eine Übersetzung des englischen ›better half‹, das Sir Philip Sidney (1554-86) als erster verwandte.
   Allerdings begegnet besser auch häufig in komparativer Verwendung, zum Beispiel ›besser als keen Hemd‹ (berlinisch) oder ›besser als in die Bux geschissen‹, besser als nichts.
   Schon bessere Tage gesehen haben wird von jemandem gesagt, dessen soziale Stellung sich stark zum Negativen verändert hat. Meist unverschuldet durch Krieg oder Unglück, auch durch Arbeitslosigkeit und Krankheit kann er in diese Notlage geraten sein.
   Die Redensart Besser als sein Ruf sein begegnet zuerst als Zitat bei Ovid, der von der Claudia Quinta sagt: »Ipsa sua melior fama« (Epistolae ex Ponto, I, 3, 143); dann bei Beaumarchais ›Hochzeit des Figaro‹ (III,5) und in Schillers ›Maria Stuart‹ (III,4): »Ich bin besser als mein Ruf«.
   Das bessere Teil erwählt haben ist eine Umgestaltung der Bibelstelle: »Maria hat das gute Teil erwählt« (Lk 10,42).
   Häufig begegnet der Ausruf Besser ist besser! Er mahnt zur Vorsicht oder begleitet eine vorbeugende oder nochmals überprüfende Handlung.
   Die Wendung Das wäre ja noch besser (schöner) enthält sogar negative Bedeutung und meint: es kommt gar nicht in Frage.
• A.H. TOUBER: »bezzer danne guot.« Das Leben einer Formel, in: Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 44 (1970), S. 1-8.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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