Staub


Staub
(Viel, mächtig) Staub aufwirbeln: Anlaß zu lebhaften Erörterungen geben, von sich reden machen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, Verwirrung stiften, sagt man seltener von Personen, sondern hauptsächlich von besonderen Ereignissen. Bei dieser Redensart ist daran zu denken, daß ein vorüberfahrender Wagen den Staub der Straße aufwirbelt und dadurch noch eine Zeitlang an sein Erscheinen erinnert, auf diese Weise also noch eine geraume Weile nachwirkt. Bismarck spricht von den Parlamenten, »in denen die Parteikämpfe so viel Staub aufwirbeln« (›Reden‹ 13, 230). Niederländisch ›veel stof opjagen‹; französisch ›faire de la poussière‹. Dazu auch das ältere Sprichwort ›Tanzt ein Alter, so macht er viel Staub‹. ›Mächt'jen Stoob machen‹ bedeutet berlinerisch: gewaltig schimpfen; anderwärts auch: sich wichtig machen, angeben.
   Sich aus dem Staub machen: sich eilig entfernen, sich heimlich zurückziehen, einer Unannehmlichkeit ausweichen, flüchten; der Redensart liegt das Bild eines Schlachtgetümmels zugrunde, in dessen Staubwolken man unauffällig fliehen konnte; lateinisch heißt es: ›arena cedere‹, vom Kampfplatz abtreten. Die deutsche Redensart ist bereits im 15. Jahrhundert bezeugt; der bairische Geschichtsschreiber Aventinus
(Johannes Turmair) verwendet sie: »Jezabel, die stellt dem Helia nach dem leben. Helias macht sich aus dem staub« (Akad. – Ausgabe [1882-86], Bd. IV, 1, S. 242). Im 16. Jahrhundert finden sich mehrere Belege, so zum Beispiel in der ›Zimmerischen Chronik‹ (II, 531): »Es megen die pauren zu Walwis das ›weberpu‹ ebensowenig leiden oder verguet haben, als die pauren zu Borsum im stift Hildeshaim vom ›weihen‹; dann der inen darvon meldung thuet, der mach sich kurz ußerm staub, will er anders nit frembde hendt im haar haben, und das hat die ursach«; oder, mit eindeutigem Bezug auf ein Kampfgeschehen: »da war eyn grausam geschrey, der schlug, der stach, der warff, ich aber machet mich auß dem staube, satzte mich von ferren hinder einen stein, sahe ihnen zu, wollte der suppen nicht versuchen« (›Buch der Liebe‹ [Frankfurt 1587], 203c). Die Brüder Grimm bedienen sich der Redensart in der Erzählung vom Bürle (Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm 61): »Bürle aber machte sich am andern Morgen mit den dreihundert Talern aus dem Staub«. Die Redensart ist zwar auch heute noch allgemein bekannt, in mundartlicher Verwendung aber kaum anzutreffen; vgl. auch Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 179.
   Den Staub von den Füßen schütteln, schon in der Bibel gebraucht (Mt 10, 14): weggehen, weiterziehen.
   Die französische Redensart ›mordre la poussière‹
(wörtlich in den Staub beißen) hat im Deutschen die Entsprechung von ›ins Gras beißen‹, Gras.
   ›Blas mr den Stoob weg!‹ sagt man obersächsisch zu einem hochnäsigen Gesellen, indem man ihn gleichsam auffordert, einem die Kleidung, die Schuhe zu säubern; oft auch als bloßes Einschiebsel des Tadels gebraucht.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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