Stiefkind
Jemanden (etwas) wie ein Stiefkind behandeln: jemanden (etwas) lieblos zurücksetzen, zu Unrecht vernachlässigen.
   Etwas ist ein Stiefkind: es ist zuwenig beachtet, nicht gefördert worden. Die Vorstellung, daß Stiefkinder schlechter als eigene Kinder behandelt werden, ist schon seit der Antike bezeugt. In der ›Alkestis‹ des Euripides (V. 309-310) heißt es um 438 vor Christi:
   Verfolgt die zweite Mutter doch Stiefkinder stets
   Mit giftigen Blicken, einer wilden Schlange gleich.
Bis heute ist dieses Vorurteil weit verbreitet und gilt so als Regel, daß die Redensarten immer davon ausgehen. Auch mundartliche Wendungen sind entstanden, zum Beispiel heißt es im Schwäbischen ›Du sollst net's Stiefkind sein‹: du sollst nicht schlechter dran sein als die anderen. Auch im Niederdeutschen sagt man gleichsam als Entschuldigung, wenn eines der Kinder versehentlich zu kurz gekommen ist: ›Du bist doch kein Stiefkind!‹
   Ein Stiefkind der Natur sein: weder körperliche noch geistige Vorzüge besitzen, sich selbst von der Natur als Mutter alles Lebens ungerecht behandelt fühlen und ihr die eigene Unvollkommenheit zum Vorwurf machen.
Stiefmutter.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Stiefkind — Stiefkind, eigentlich Waisenkind, denn die althochdeutschen Worte stiufen, irstiufen, bistiufen bedeuteten: jemand elternlos oder kinderlos machen, später wurde die Vorsilbe Stief zur Bezeichnung einer durch zweite Heirat der Eltern entstandenen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Stiefkind — Stief|kind [ ʃti:fkɪnt], das; [e]s, er: 1. Kind aus einer früheren Ehe des Ehepartners: meine Stiefkinder sind mir genauso lieb wie meine eigenen Kinder. 2. etwas, was im Verhältnis zu anderem zu wenig beachtet, gefördert wird: das… …   Universal-Lexikon

  • Stiefkind — Stieffamilie (von ahd. „stiof “ = „hinterblieben“ oder „verwaist“) ist im traditionellen Sprachgebrauch eine Familie, bei der mindestens ein Elternteil ein Kind aus einer früheren Beziehung in die neue Familie miteingebracht hat. Im Rahmen der… …   Deutsch Wikipedia

  • Stiefkind — Stief·kind das; 1 ein Kind des Ehepartners, das dieser aus einer früheren Ehe hat 2 etwas ist das Stiefkind + Gen etwas bekommt wenig Aufmerksamkeit, wird vernachlässigt: Die Kultur ist häufig das Stiefkind der Finanzpolitik …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Stiefkind — Stief...: Beziehungen innerhalb der Familie, die durch Wiederverheiratung eines Elternteils entstanden sind, drücken die germ. Sprachen durch Zusammensetzungen aus. Deren Bestimmungswort mhd. stief , ahd. stiof , stiuf , niederl. stief , engl.… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Stiefkind — 1. Das gerade Stiefkind ist doch schiefer als das buckeliche rechte. 2. Die Stiefkinder bekommen nicht das grösste Stück Brot. Auch nicht das beste, obgleich die Stiefmutter klagt, dass das Kind sehr verwöhnt sei. Daher das böhmische Sprichwort:… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Stiefkind — das Stiefkind, er (Mittelstufe) Sohn oder Tochter des Ehepartners Beispiele: Er misshandelte seine Stiefkinder. Stiefkinder fühlen sich oft benachteiligt …   Extremes Deutsch

  • Stiefkind — Steefkind (et) …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Stiefkind — Stief|kind …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Stiefkind, das — Das Stiefkind, des es, plur. die er, durch eine zweyte Heurath der Ältern oder Eines Theils derselben zugebrachte Kinder, zum Unterschiede von den leiblichen Kindern. S. Stief …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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