Stolz
Stolz sein auf (über) etwas: voll berechtigter Freude und Genugtuung über etwas gut Gelungenes, Anerkennenswertes sein, ein gesteigertes Selbstgefühl dadurch besitzen.
   Stolz sein auf jemanden: seine Hoffnungen und Erwartungen durch jemanden, in den man sein Vertrauen gesetzt hat, in schönster Weise erfüllt sehen, sich über seine guten Eigenschaften, seine Erfolge und Fortschritte mitfreuen und ihn im stillen bewundern und schätzen.
   Das Adjektiv stolz kann aber auch negative Bedeutung besitzen. Die Feststellung Er (sie) ist stolz geworden meint, daß er (sie) eingebildet und hochmütig geworden ist, daß er seine ehemaligen Freunde verachtet, weil er vergessen hat, woher er einmal gekommen ist. Vergleiche auch niederländisch ›prat gaan op‹; französisch ›Il (elle) est bien fier(e)‹.
   Warum so stolz? fragt man auch scherzhaft, wenn man von einem Bekannten übersehen und deshalb versehentlich nicht begrüßt wurde.
   Der redensartliche Vergleich Stolz wie ein Pfau besitzt ebenfalls negative Bedeutung und wird in tadelndem Sinne gebraucht, wenn nur auf das Äußere Wert gelegt wird und die Eitelkeit zu auffallend ist, Pfau.
   Die bekannte Wendung Stolz wie ein Spanier sein meint den übertriebenen Stolz, der als besondere Eigenart der Spanier gilt; vgl. französisch ›fier comme Artaban‹ (König der Parthen).
   Schiller gebraucht eine ähnliche Wendung in durchaus positivem Sinne in seinem ›Don Carlos‹ (III, 10): »Stolz will ich den Spanier«. Doch gerade wegen dieses sprichwörtlichen Stolzes wurde der Spanier auch gern verspottet und Gegenstand von Karikaturen bei den Nachbarvölkern. Mit der Wendung Stolz wie ein Preuße wird besonders in Oberdeutschland deren Mut und Selbstbewußtsein bewundert und anerkannt.
   Besonderen Dünkel bezeichnen die redensartlichen Vergleiche Stolz wie ein Kutschenpferd sein und Stolz wie ein reichgewordener Bettler.
   Vor Stolz nicht wissen, wie man den Kopf halten soll: durch eine übertriebene Körperhaltung seinen Hochmut zum Ausdruck bringen, seine Verachtung anderer deutlich zeigen, ›Die Nase sehr hoch tragen‹, Nase.
   Der (falsche) Stolz verbietet jemandem etwas: er schämt sich, etwas Demütigendes zu tun, um etwas zu bitten oder in der Notlage eine Hilfe anzunehmen. Dagegen: Jemandem fehlt es (offenbar) an Stolz: er erniedrigt sich bedenkenlos.
   Seinen (ganzen) Stolz in etwas setzen: sich besonders bemühen, anstrengen, weil man es sich selbst schuldig ist; vgl. französisch ›mettre toute sa fierté dans quelque chose‹.
Stolz wie ein Spanier. Englische Karikatur auf den stolzen Spanier, aus: W. Flemming: Deutsche Kultur im Zeitalter des Barock, Potsdam 1937, S. 65.
Stolz wie ein Spanier. Detail aus:›1 Fräulein und 2 Dutzend Männer kauft man hier für 6 Pf.‹. Neuruppiner Bilderbogen, Nr. 2269 (S. und K., S. 77).

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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