Tabulatur
hieß bei den Meistersingern die auf einer Tafel (lateinisch tabula) aufgezeichnete Satzung, in der die Regeln für Wort und Weise eines Meisterliedes zusammengefaßt waren. Nach der Tabulatur bekam in wörtlichem und übertragenem Sinne die Bedeutung: streng nach der Regel. So wird 1771 im ›Bremisch- niedersächsischen Wörterbuch‹ (V, 3) erklärt: »He singt na'r Tabulatur: er singt richtig und kunstmässig; dat geit na'r Tabulatur: das gehet nach der bestimmten Ordnung«.
   Mundartlich und volksetymologisch zurechtgebogen, wird daraus: ›Nach der Tafeltur‹, in gehöriger Ordnung, und obersächsisch, mit der Anlehnung an ›tippeln‹ und ›Tour‹: ›nach der Tippeltappeltur‹; z.B. ›bei dem geht's nach der Tippeltappeltur‹, er tut alles bedächtig, sorgfältig und genau; ›hier geht alles seine Tippeltappeltur‹, alles geht in altgewohnter Weise weiter.
• B. NAGEL: Der deutsche Meistersang (Stuttgart 1967}
Der Singer singt ins Gemerk (›Nach der Tabulatur‹). Der Singer singt ins Gemerk, aus: Georg Hagers ›Dreizehntem Liederbuch‹ (Handschrift Dresden M 6), in: B. Nagel: Meistersang, Stuttgart 1962.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Tabulatur — (v. lat.), 1) jede Art, die Töne durch Zeichen (s. Noten) darzustellen; 2) bes. die partiturmäßige Schreibart der Noten, wo man durch Ziffern u. andere Zeichen, welche man über die Grundstimme setzt, den harmonischen Antheil eines Tonstückes… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Tabulatūr — (ital. Intavolatura), »Tabellennotierung«, seit mindestens dem 15. Jahrh. Name der einen mehrstimmigen Tonsatz mit übereinandergeschriebenen Buchstaben oder Zahlen übersichtlich darstellenden Instrumentalnotierungen im Gegensatz zu den in sogen.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Tabulatur — Tabulatūr (vom lat. tabŭla), die alte Partitureinrichtung, eine Notenschrift, bestehend aus den sieben ersten Buchstaben des Alphabets und Zahlen, namentlich lange für die Laute gebräuchlich gewesen; bei den Meistersängern das Statut für die… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Tabulatur — Tabulatur, lat. deutsch, die partiturmäßige Schreibart der Noten; bei den Meistersängern die Regeln über die metrische Form; in der Malerei Deckgemälde …   Herders Conversations-Lexikon

  • Tabulatur — Nicolaus Bruhns, „kleines“ Präludium e moll in neuer deutscher Orgeltabulatur …   Deutsch Wikipedia

  • Tabulatur — Ta|bu|la|tur 〈f. 20; Mus.〉 1. 〈14. 16. Jh.〉 Tafel mit den Regeln für den Meistergesang 2. 〈14. 18. Jh.〉 System von Notenschrift für Instrumentalmusik [zu lat. tabula „Brett, Tafel“] * * * I Tabulatur   [zu lateinisch tabula »Tisch«, »Tafel«,… …   Universal-Lexikon

  • Tabulatur — *1. Er versteht die Tabulatur. – Waldis, IV, 46. *2. Et geit mit em alles na de Tabulatur. (Holst.) – Schütze, IV, 243. Von einen Menschen, der sehr peinlich auf Ordnung hält. In Pommern: Dat sall ümmer na de Tablatur gân. (Dähnert, 481b.)… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Tabulatur — tablature англ. [тэблэ/йчэ] Tabulatur нем. [табуляту/р] tabulatura лат. [табулату/ра] tabulatore фр. [табюлятю/р] табулатура: 1) система записи инструм. музыки буквами и цифрами 2) правила построения муз. поэтич. произведений мейстерзингеров …   Словарь иностранных музыкальных терминов

  • Tabulatur — 1. Regler for mestersangernes kunst. 2. En toneskrift med bogstaver og tal …   Danske encyklopædi

  • Tabulatur — Ta|bu|la|tur 〈f.; Gen.: , Pl.: en〉 1. 〈14. 16. Jh.〉 Tafel mit den Regeln für den Meistergesang 2. 〈14. 18. Jh.〉 System von Notenschriften für Instrumentalmusik [Etym.: <lat. tabula »Brett, Tafel«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

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