Tanz
Den Tanz anfangen: mit einer Sache den Anfang machen.
   Einen Tanz hinlegen (oder aufs Parkett legen): schwungvoll tanzen, etwa seit 1900 aufgekommen. Der schwäbische redensartliche Vergleich ›tanze wie dr Lump am Stecke‹ meint ebenfalls einen sehr ausdauernden Tänzer.
   Das Tanzbein schwingen: tanzen; die etwas umständliche Umschreibung kommt wohl aus der Studentensprache um 1900.
   Vom Tanz zum Rosenkranz sagt man bei einer plötzlichen Vertauschung des Weltlichen mit dem Geistlichen.
   Der redensartlich gewordene Tanz ums Goldene Kalb bezieht sich auf Ex 32, 4, wo wörtlich ›gegossenes‹ Kalb steht. Allerdings hatten sich die Israeliten zur Herstellung des Götzenbildes ihres goldenen Geschmeides entäußert; vgl. dazu die Schlußstrophe von Theodor Storms Gedicht ›Für meine Söhne‹ (1854):
   Wenn der Pöbel aller Sorte
   Tanzet um die goldnen Kälber,
   Halte fest; du hast vom Leben
   Doch am Ende nur dich selber.
Tanz wird bildlich und übertragen auch im Sinne von Zank, Wortkampf, geräuschvolle Auseinandersetzung gebraucht; z.B. Jemandem einen Tanz machen: ihm eine Strafpredigt halten, ihm laut und energisch Vorhaltungen machen; die seit dem späten 19. Jahrhundert belegte Wendung ist eine Parallelbildung der Redensart ›Eine Szene machen‹; vgl. französisch ›une contredanse‹, englisch ›country-dance‹ (eine Geldstrafe).
   Ähnlich: Der Tanz geht los: die Auseinandersetzung hat begonnen; und Das wird noch ein Tänzchen geben: die Szene steht noch bevor. Mach keine Tänze: Laß die Umstände, die Umschweife! Mit an den Tanz müssen: an einem anstrengenden, gefährlichen Unternehmen teilnehmen müssen; vgl. französisch ›entrer dans la danse‹: sich beteiligen, mitmachen; Affe, Eiertanz.
   Den Tanz kennen wir schon: deine Vorspiegelungen sind mir bekannt.
   Einen Tanz mit der Jungfer Birke tun: ausgepeitscht werden.
   Schweizerisch ›Chumm mer z' Tanz‹ ist eine deutliche Abfertigung.
   Berlinerisch ›Danzboden hat'n Loch‹, die Sache steht schlecht.
   Nach jemandes Pfeife tanzen Pfeife.
   Jemandem den Tanz lange machen: jemanden sehr lange Zeit warten lassen.
   Geschichte gemacht hat der von Robespierre gesagte Satz: »Nous marchons sur des volcans«. Er meint: ausgelassen lustig sein in einer gefährlichen Zeit; auch: bedroht sein, ohne es zu bemerken. So sagte Napoleon Bonaparte am 18. Brumaire (9.11.) 1799 zu den sogenannten Volksvertretern: ›Représentants du peuple, vous n'êtes point dans des circonstances ordinaires; vous êtes sur un volcan‹ (Mignet II, S. 226). Im Deutschen wurde das Zitat durch den 1938 aufgeführten Film ›Tanz auf dem Vulkan‹ bekannt.
• F. MIGNET: Histoire de la révolution française (Bruxelles 1833); J. SCHIKOWSKI: Geschichte des Tanzes (Berlin 1926); C. SACHS: Eine Weltgeschichte des Tanzes (Berlin 1933); R. WOLFRAM: Die Volkstänze (Salzburg 1951); L. SCHMIDT: Sprichwörtliche deutsche Redensarten, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 77 (1974), S. 91.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Tanz — 1. A Tanz geht nit var (vor) an Essen. (Jüd. deutsch. Warschau.) (S. ⇨ Essen, Subst., 35.) 2. Beim besten Tanz bleibt oft nicht eine Saite ganz. – Parömiakon, 2334. Beim Spiel ist kein Gewinn. 3. Beim Tanz soll man erst sehen, wen man bei der… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

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