Teufel
Der Teufel kommt in unzähligen sprichwörtlichen Redensarten vor, von denen hier nur ein Teil herausgegriffen werden kann.
   Den Teufel mit Beelzebub austreiben: ein Übel durch ein noch schlimmeres Übel beseitigen. Die Redensart geht auf das N.T. zurück, ist also eigentlich ein Bibelzitat: »Aber die Pharisäer, da sie es hörten, sprachen sie: Er treibt die Teufel nicht anders aus denn durch Beelzebub, der Teufel Obersten. Jesus kannte aber ihre Gedanken und sprach zu ihnen:. So ich aber die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus?« (Mt 12, 24-27; ebenso Lk 11, 14-19; vgl. Mt 9, 34 und Mk 3, 22); vgl. die kontroverse theologische Literatur zur Interpretation dieser Bibelstellen (H. Haag: Teufelsglaube, Tübingen 1974, S. 293-303).
   In Christoph Lehmanns ›Florilegium politicum‹ (1639) heißt es (S. 459): »Wenn Gottlose Obristen vnd Soldaten gegen einander streiten, so treibt ein Teuffel den andern auß«. S. 713 verzeichnet Lehmann zwei gleichbedeutende Redensarten, die aber nicht allgemeine umgangssprachliche Bedeutung erlangt haben: »Einen Donner mit dem andern vertreiben. Man muß Pilatum mit dem Keyser schrecken«.
   Dahinterhersein wie der Teufel nach einer armen Seele: auf etwas gierig sein; meist: ›auf's Geld wie der Dübel up de ärm' Seel‹. Die Formulierung ist als Redensart erst relativ jung bezeugt (17. Jahrhundert), bezieht sich aber auf das eschatologisch-apokalyptische Motiv vom Kampf der Engel und Teufel um den Besitz der Seele, ein der mittelalterlichen Apokalyptik und Erzählungsliteratur vertrautes Thema (vgl. schon das althochdeutsche Muspilli-Gedicht).
   Aus der alten Vorstellung, daß der Teufel gebunden in der Hölle liege, erklärt sich der Ausruf: Der Teufel ist los! Da ist der Teufel los: da herrscht Zank, Unfriede, Ausgelassenheit. Über wen eine Menge Unfälle mit einemmal hereinbrechen, der fragt verzweifelt: ›Sind denn heute alle Teufel los?‹ Die Vorstellung beruht auf der biblisch-apokalyptischen Aussage: »Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus seinem Gefängnis. »(Offb 20, 2.3 und 20, 7).
   Dieser Gedanke ist aber auch sonst in die volkstümlichen Vorstellungen eingegangen und hat sich mit heimischen Sagen vom gefesselten Unhold und vom ›kalten Schlag der Schmiede‹ vermischt.
   Den Teufel im Leibe haben, Vom Teufel besessen sein: unbeherrscht, temperamentvoll sein. Nach alter krankheitsdämonistischer Auffassung fährt der Teufel in den Körper des Menschen und ist dort Urheber jeglicher Krankheit und Absonderlichkeit; vgl. mittelhochdeutsch ›der tiuvel var im in den balc (in den munt)‹; ›tûsent tiuvel ûz dir bellen!‹ Verwandte Wendungen sind: ›Der Teufel liegt ihm im Magen‹; ›er hat alle Teufeleien im Kopf‹ (schlesisch); ›dear hot da leibhaftiga Teuf'l im Leib‹; ›dui hot da Teuf'l lebendig im Leib‹ (schwäbisch); vgl. französisch ›avoir le diable au corps‹; englisch ›to have the dog in one's belly‹; niederländisch ›den duivel inhebben‹, ›de hel inhebben‹. Durch den Exorzismus wollte man den Besessenen vom Teufel befreien.
   Ihn plagt (reitet) der Teufel: er ist mutwillig, bösartig, unbeherrscht. Nach dem Volksglauben setzt sich der Teufel auf den Menschen und quält ihn vor allem als Aufhocker und Alp (Incubus- und Succubus-Glaube); schon in mittelhochdeutscher Zeit geläufig. »Das euch allda der Teufel reut« (Fischart, Flöhhatz); »Das dich der Valant reiten soll« (Luther; Burkard Waldis); vgl. englisch ›to have the black dog on one's back‹. Dem Teufel vom Schubkarren (von der Schippe) gesprungen (gehüpft) sein: vgl. oberösterreichisch ›Der ist dem Teufel aus der Butte gesprungen‹.
   Des Teufels sein: unbeherrscht, ausgelassen sein; sich austoben. Die älteste, vollständige Wendung hieß: ›Des Teufels Eigen sein‹, und ist schon mittelhochdeutsch bekannt; geläufig etwa seit dem 16. Jahrhundert; vgl. schwäbisch ›Do möcht ma grad's Teuf'ls wera‹. In der Redensart ist in ihrer ursprünglichen Bedeutung das ›sein‹ aufzufassen wie lateinisch esse c. Gen., d.h. als ›besitzen‹. Des Teufels sein ist also: dem Teufel zugehören.
   Aus der großen Anzahl von Belegstellen nur zwei: In Hans Sachs, Schwank vom Mönch, Bettler und Landsknecht, welche »Hosen desselben Tuches« tragen, sagt (V. 54) der Mönch zum Landsknechte, der ihm all seine Schandtaten gebeichtet: »Darumb du gwis des teuffels pist«, und gibt ihn damit dem Teufel in Besitz. Genauso findet sich die Redensart in Hans Sachs' Schwank ›Kunz Zweifel mit dem Erbsenacker‹ (V. 72, 78) und an vielen anderen Stellen. Noch klarer tritt die Bedeutung dieses ›sein‹ hervor an Stellen, an denen es sich um Sachen handelt. So im ›Simplicissimus‹ (II, 20): »weil man sagt, der Wurff, wan er auß der Hand gangen, sey des Teuffels«. Auch ›des Herrgotts sein‹ findet sich, und zwar ›Katzipori‹ 71: »Ich bin unsers Herrgotts und ir des teufels«, sagt der Mönch zum Junker. – Heute bedeutet ›des Teufels sein‹ etwa: besessen, toll sein und wird nicht selten in launiger Weise gebraucht. Heine: »Doktor, sind Sie des Teufels?«
   Sich zum Teufel scheren: sich fortmachen (meist imperativisch: ›Scher dich zum Teufel!‹). Erhalten geblieben ist in dieser Redensart ein altes intransitives Verbum ›scheren‹, mittelhochdeutsch ›schern‹ =
schnell eilen, entkommen.
   Zum Teufel! (›Zum Teufel noch mal!‹ ›Zum Teufel noch eins!‹): Fluch, Verwünschung, verkürzt aus ›Scher dich zum Teufel!‹ Jemanden zum Teufel jagen (wünschen): jemanden energisch verabschieden, entlassen; vgl. französisch ›Que le diable t'emporte!‹
   Der Bösewicht, der vom Teufel geholt wird, spielt in vielen Redensarten eine Rolle: ›Der Teufel hat ihn am Kragen (Seil)‹, oder z.B. schwäbisch ›Dear ischt am Teuf'l gwiess gnuag‹; ›dear ischt am Teuf'l naus komma‹; ›des ischt doch zum Teuf'l hola‹; ›dear ischt am Teuf'l z'schlecht, soscht hätt'n dear scho lang gholat‹; ›was hilft mi's, wenn dea dr Teuf'l holt, und i muass 's Fuahrloah zahla‹. Das Zum-Teufel-Wünschen geschieht meist in Form einer imperativischen Fluchformel: Der Teufel soll dich holen!, erweitert und verstärkend: ›Den soll dr Teuf'l lothweis hola!‹; ›meinetweag gang zum Teuf'l oder zum Taud‹ (schwäbisch); ›dich soll der Teufel frikassieren!‹ (berlinerisch, Gegenwart); reiches Material hierzu enthalten fast alle Mundart-Wörterbücher. Historische Belege z.B. bei Johann Fischart: »Der Teuffel hol dich in der Senffte, so zerstoßt kein knie«; »der Teufel soll dich lecken«; ». als dann nemm euch der Teuffel zum Giselpfand«; »der Teuffel hol den letzten«; »der Teuffel zerreiss dir das Fidle«. – Auch Verlorenes ist ›Zum Teufel‹, ›Der Teufel hat es geholt‹, ›Der Teufel hat es gesehen‹. ›Es geht zum Teufel‹, es geht verloren, zugrunde, d.h., was beim Teufel ist, kehrt nicht zurück (literarisch im 18. Jahrhundert häufig).
   Der Teufel soll mich holen! Der Ausruf gilt als Versicherung und Bekräftigung der Wahrheit, da man glaubt, daß der Falschschwörer vom Teufel geholt wurde; vgl. französisch ›Que le diable m'emporte!‹
   Auf den gleichen Zusammenhang weist die Wendung In aller Teufels Namen schwören. Nach dem Volksglauben kann man den Teufel als Superlativ alles Bösen und als Fürsten der Hölle durch bloßes Nennen seines Namens herbeizitieren, auch durch Malen seines Bildes herbeiholen, denn das Bild stellt nicht nur den Teufel dar, sondern ist er selber (Bildzwang, Bildzauber). So berichtet auch Johann Heinrich Jung, genannt Stilling, wie er als Knabe nach dem Fluch ›Hol' mich der Teufel‹ auf eine entsprechende Manifestation des Spruches gewartet habe.
   Die Redensart Den Teufel an die Wand malen: von etwas reden, etwas als möglich annehmen, was man weit weg wünscht, meinte ursprünglich, man würde durch leichtsinniges Handeln ein Unglück heraufbeschwören. Man fürchtet sich nicht nur, den Teufel zu nennen, sondern auch bloß zu malen, als ob er sich dadurch zitiert fühlen könnte. Die Redensart ist auch bekannt als Sprichwort-Vollform: ›Man darf den Teufel nicht an die Wand malen‹; sie hat sich erst im Laufe der Zeit auf diese Formulierung festgelegt. Früher sagte man gewöhnlich: ›Den Teufel über die Tür malen‹ (statt des Segenszeichens C + M + B). Sebastian Franck (1541) schreibt in seinen ›Sprichwörtern‹ (2, 104a): »Man braucht den teuffel nit über die thür malen, er kompt von selbs ins hauß«. Bei Luther finden sich noch beide Versionen nebeneinander: »Man soll den Teufel nicht an die Wand malen«, häufiger aber »den Teufel über die Tür malen«, ebenfalls mit dem Nachsatz: »er komt von sich selber«. Seit dem 18. Jahrhundert wird nur noch die Wendung ›an die Wand malen‹ gebraucht: »Willst du noch dazu keinen Teufel glauben? O! male ihn nicht an die Wand!« (Lessing im ›Freigeist‹, 1749, II, 5).
   Bismarck verwandte die Redensart gern, z.B.: »Wo sind denn die Gefahren gewesen, die an die Wand gemalt werden als wahrscheinlich eintretend«, oder: »Warten Sie doch ruhig ab, bis der unglückliche Krieg gekommen und geführt ist, und enthalten Sie sich der Sünde, ihn an die Wand zu malen« (›Reden‹ XI, 130). Verwandt und sinngleich ist das Sprichwort ›Wenn man vom Teufel spricht, kommt er‹, englisch ›talk of the devil and he is sure to appear of‹; französisch ›Quand on parle du loup, on en voit la queue‹; niederländisch ›Als je van de duivel spreekt, trap je op zijn staart (rammelen zijn benen)‹; lateinisch ›lupus in fabula‹. Dem Sprichwort liegt der alte Volksglaube zugrunde, daß man ein Unheil, einen Dämon durch bloßes Nennen herbeilocken (›berufen‹ oder ›beschreien‹) könne (Namenzauber).
   Auch die verhältnismäßig junge Redensart Auf Teufel komm raus! (19. Jahrhundert) leitet sich von dem Glauben her, daß der Mensch durch bestimmte Handlungen und Worte das Erscheinen des Teufels hervorrufen könne; sie ist vor allem norddeutsch bezeugt, z.B. ›Er schuftet auf Deiwel komm raus‹, aus Leibeskräften, sehr stark; ›Er lügt auf Teufel komm raus‹, er lügt dreist. Teufel gilt hier als verstärkendes Wort.
   Der besondere Akzent, der in jeder Teufelsnennung liegt, hat dazu geführt, daß der Teufel auch in zahlreichen Negationen vorkommt, z.B. in den Wendungen Sich den Teufel um etwas kümmern; Den Teufel danach fragen; ›Den Teufel tun‹, nichts tun; ›Es hält ihn kein Teufel‹. Die Wendung ›den Teufel‹, nichts, ist vermutlich entstanden aus Ausdrücken wie ›Er fürchtet nicht den Teufel‹, also nicht einmal den Fürchtenswertesten, d.h. eben niemanden und nichts; vgl. A.v. Chamissos Gedicht ›Der rechte Barbier‹:
   Den Teufel auch!
   Das ist des Landes nicht der Brauch!
Die mittelhochdeutsche Negation ›tiuvels wenig‹ lebt in neuzeitlich ›Verteufelt wenig‹ weiter.
   Der gefürchtete Teufelsname wird oft durch Hüllworte, wie ›Gottseibeiuns‹, ›Der Böse‹, ›Leibhaftige!‹ ›Pfui Spinne!‹ u.a., ersetzt (Euphemismus, Tabu). Parallele enge Umschreibungen für den ›Teufel‹ sind: ›God be with us‹ entsprechend dem deutschen ›Gottseibeiuns‹. ›Black Dog‹ meint ebenfalls den Teufel, vgl. die Redensart ›He has got the black dog on his back‹: der Teufel sitzt ihm im Nacken. Eine weitere Umschreibung für den Satan ist ›deuce‹: ›Deuce take you!‹ (Der Teufel soll dich holen!)
   Die Verwünschung ›Der Teufel soll dich holen!‹ wird vielfach verhüllt, z.B. ›Dich soll der Deixel (oder: der Kuckuck) holen‹; ähnlich: ›Ich will des Donners sein‹; ›Sich zum Kuckuck (zum Henker) scheren‹. ›Kuckuck‹ als Hüllwort für den Teufel hat dazu geführt, daß umgekehrt auch der Teufel in eine Reihe von Redensarten Eingang gefunden hat, die sich primär auf den Kuckuck beziehen: Ein Teufelsei ins Nest legen, Der Teufel schmeißt seine Kinder aus dem Nest.
   Jemandem hat der Teufel ein Ei ins Haus gelegt: jemand hat ein Kind bekommen; literarisch bei Schiller: »Wem der Teufel ein Ey in die Wirthschaft gelegt hat, dem wird eine hübsche Tochter geboren« (›Kabale und Liebe‹ II, 4).
   Eine Reihe von Redensarten spielt auf den Teufelspakt der Sage an, etwa Das müßte mit dem Teufel zu-
gehen!; Mit Teufels Gewalt (z.B. schwäbisch ›Dear will mit's Teuf'ls G'walt reich wera‹); Der Teufel hat seine Hand im Spiele meint das Kartenspiel, das nach dem Volksglauben des Teufels ist (›Des Teufels Gebetbuch‹); vgl. französisch ›Le diable s'en mêle‹.
   Man sagt ferner noch heute, wer etwas im Glase stehen lasse, bringe dem Teufel ein Opfer (s. ›der Rest ist für die Gottlosen‹); vgl. ». Vnd es, wie man sagt, dem Teufel zum neuen Jahr auff opferen« (Johann Fischart im ›Ehzuchtbüchlein‹). Das schlesische Sprichwort ›Der Teufel hilft manchmal, eine Kirche zu bauen‹ bezieht sich auf die in allen deutschen Landschaften bezeugten Sagen vom Teufel als Baumeister.
   Der Teufel bringt demjenigen Reichtum, der ihm seine Seele verschreibt. Als ›Geldteufel‹ findet er immer wieder Anhänger. Die bairische Redensart Den Teufel im Gläslein haben: den Teufel als geheimen Helfer, in allem Glück haben, bezieht sich auf die weitverbreitete Sage vom ›spiritus familiaris‹, einem Dämon in der Flasche, der seinem Besitzer zunächst Glück, dann ewiges Verderben bringt; vgl. Johann Fischart: »Die wüßten den Teuffel in kein Glaß zu beschweren«. Von derselben Sage abgeleitet ist auch die Redensart Einem den Teufel im Gläslein zeigen: ihm Angst, ihm die Hölle heiß machen; schon bei Johann Fischart bezeugt: »Ich will dir den Teuffel im Glas zeigen« (›Geschichtklitterung‹).
   Etwas fürchten wie der Teufel das Weihwasser: etwas sehr fürchten. Schwäbisch: ›Der fürcht's Feuer wie der Teufel 's Kreuz‹.
   Den Teufel Holz machen hören: ein ängstlicher Mensch sein. Gemeint ist, daß man schon hört, wie einem der Teufel das Feuer, in welches man gelangen kann, vorbereitet.
   Eine große Anzahl von Redensarten spielt auf die Schnelligkeit des Teufels an, wie sie z.B. aus der Faustsage (Puppenspiel) literarisch bekannt geworden ist: Wie der Teufel oder Das geht wie 's Teufelshaschen: sehr schnell. Von einem flinken und entschlossenen Menschen sagt man: ›Der fängt den Teufel auf freiem Felde‹. Niederdeutsch sagt man auch: ›Dat geit, as wenn de Düwel Spörken (Sperlinge) frett‹ bairisch ›glatt wegk wie de Tuifl n' Bauern holt‹ heißt soviel wie: ohne alle Zeremonien.
   Im Schwäbischen heißt: etwas schnell tun, sich beeilen: So schnell, eh' der Deubel die Schuh' anhat.
   Im Schwäbischen sagt man vom Teufel: ›Wer de Teufel g'lade hat, muß ihm au Arbet gebe‹: Wer A sagt, muß auch B sagen, A. Die Redensart hat einen Bezug zur Sage: vom ›Recht des Teufels auf Arbeit‹.
   In (des) Teufels Küche kommen: in große Verlegenheit oder Gefahr geraten. Nach mittelalterlichem Volksglauben hatte der Teufel eine Küche, in der die Hexen (daher ›Hexenküche‹; vgl. ›Faust‹ I) und Zauberer am Werke waren. Auch die Hölle hieß im 16. Jahrhundert ›des Teufels Küche‹. In Fischarts ›Brotkorb‹ (1584) heißt es: »S. Patricius Loch, darin der Teufel ist Koch«. Verwandt ist die Redensart ›In des Teufels Badstube kommen‹, in die höchste Not geraten; vgl. schon mittelhochdeutsch ›ze helle baden‹ (Thomasin). Von der Volkssage werden oft Teufelsbäder und Teufelsküchen genannt.
   In der folgenden Gruppe von Redensarten tritt der Teufel als Widersacher Gottes und als negativer Nachäffer des Göttlichen in Antithese zu Begriffen des Christentums, wie dies auch aus zahlreichen Sagen, Märchen und Sprichwörter bekannt ist, z.B. ›Wenn Gott heut' sagt, sagt der Teufel morgen‹; ›Wo eine Kirche ist, da baut der Teufel eine Kapelle daneben‹.
   Luther hat in seinen Predigten und Schriften des öfteren die Redewendung vom Teufel als dem Affen Gottes gebraucht. In den Predigten über das Buch Mose, die 1523/24 gehalten worden sind, erscheint das Wort wohl zum ersten Male; in der Nachschrift findet sich der Satz ›Semper simia vult esse dei diabolus‹ (Weimarer Ausgabe 14, 434). In der Schrift ›Von den Konziliis und Kirchen‹ (1539) hat Luther in längeren Ausführungen die verschiedenen Möglichkeiten des Wortes ausgebaut. Nach der Darlegung der sieben Hauptstücke, woran das heilige, christliche Volk äußerlich erkannt werden könne, hat er auf das Gegenteil der Kirche hingewiesen: des Teufels Kapelle, die dieser stets neben die heilige Kirche baue, »wie er denn allezeit Gottes Affe ist und will alle Dinge Gott nachtun und ein Besseres machen«. Alles das rechnet Luther zu dem »Affenspiel« des Teufels. In den Vorlesungen über Gen 37, 9 findet sich die zugespitzte Formel: »a Diabolo, qui est Simia Dei« (Weimarer Ausgabe 44, 247). Die Quelle, aus der Luther den Ausdruck geschöpft hat, ist nicht Agricolas Sprichwörter-Sammlung gewesen. Zwar ist in ihr das Wort unter Nr. 24 verzeichnet: »Der Teuffel ist unsers Herr Gotts affe«, aber schon die viel frühere Verwendung in der Predigt von 1524 zeigt Luthers Unabhängigkeit von Agricola. Doch zeigt Agricolas Sammlung, daß es sich bei diesem Ausdruck um eine sprichwörtliche Redensart handelt (vgl. Wander IV, 1076, Nr. 416).
   Der Teufel ist (manchmal) ein Eichhörnchen, sagt man und meint damit, daß man sich eigentlich auf nichts oder niemanden verlassen sollte, Eichhörnchen.
   Eine Sage aus Tirol berichtet folgendes Erlebnis eines Wildschützen, der sonntags frühmorgens auf die Jagd ging, aber immer noch rechtzeitig zur Messe heimkam. Eines Sonntags jedoch sah er ein Eichhörnchen. Er wollte es schießen, aber es verdoppelte sich; bei jedem Schuß verdoppelten sich die Eichhörnchen, so daß »der Baum davon ganz überfüllt war«. Dieses Erlebnis war schuld daran, daß der Wildschütze nicht mehr rechtzeitig in die Kirche kam: »Nun war es klar, daß der böse Feind die Gaukelei auf dem Baume gemacht und den Schützen um die Messe betrogen hatte« (Zingerle, S. 374).
   Von abergläubischen Menschen hieß es in Schlesien: ›Der denkt auch, der Teufel ist ein Eichhörndel‹ (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens II, Spalte 658).
   Gerhart Hauptmann gestaltete das Motiv vom Teufel als Eichhörnchen in seiner Geschichte vom ›Bahnwärter Thiel‹ um: der kleine Sohn Thiels fragt kurz vor seinem Tod, als er ein Eichhörnchen sieht: »Vater, ist das der liebe Gott?«.
   Des Teufels Dank; Jörg Wickram bringt in seinem ›Rollwagenbüchlein‹ Nr. 37 (S. 148) die Geschichte von dem Spieler mit dem Teufel, die Hans Sachs in einen Meistergesang und ein Spruchgedicht eingekleidet hat.
   Dem Teufel ein Licht anzünden (oder eine Kerze anzünden, aufstecken); auch: Dem Teufel zwei Lichter aufstecken): einer schlechten Sache aus Gewinnsucht huldigen; vgl. französisch ›se confesser au renard‹; englisch ›to go to the wrong shop‹. Das Bild der deutschen Redensart zeichnet die teuflische Verkehrung eines Gottesdienstes: In der Kirche zündet man ein Licht an und steckt es vor einem Gnadenbild auf; wer aber den Teufel für sich günstig stimmen möchte, steckt ihm ein bzw. zwei Lichter auf. Hier wird der Teufel zum Gegenstand eines Kultes gemacht. Zur Redensart gehört folgende Erzählung: Beim Kirchenbesuch geschah es einer Frau, daß sie irrtümlicherweise unter dem Bild des Teufels – er versteckte sich hier in einer Darstellung des Erzengels Michael – ein Licht anzündete. Als man sie ihres Irrtums wegen verspottete, verteidigte sie sich mit den Worten: ›Es ist gut, in allen Lagern Freunde zu haben‹.
   Den Teufel anbeten: sich einem falschen Idol verschrieben haben, dem Bösen huldigen. Auch beim Hexensabbat bildete die Teufelsanbetung den Höhepunkt des wilden Treibens. Es handelt sich um ein Bild der verkehrten Welt, wie es auch Bruegel neben der verwandten Redensart Beim Teufel zur Beichte gehen (niederländisch ›bij de duivel te biecht gaan‹) in seinem Redensarten-Bild dargestellt hat; vgl. »Das wird e schö Kloster sei, wo der Teufel die Beicht hört« (Zuckmayer, Schinderhannes, 1. Akt).
   Das weiß der Teufel!: Das weiß ich nicht! Frag andere! Ebenso: ›Das mag der Teufel (der Kuckuck)
wissen!‹; schwäbisch ›Des verschtand dr Teuf'l‹; ›des mag dr Teuf'l leasa‹; vgl. französisch ›Le diable le sait‹; niederländisch ›Dat mag de duivel weten‹; aber englisch ›Goodness knows‹.
   Weil man den Namen Gottes nicht mißbräuchlich verwenden soll, hilft man sich in Flüchen und fluchähnlichen Äußerungen mit dem Umweg über den Teufel, der auf solche Weise ein Stück von Gottes Allwissenheit erbt. Allerdings sind in dämonistischer Auffassung auch die Dämonen Alleswisser, vor allem Wisser des Ungünstigen (vgl. das ›Alwislied‹ der Edda).
   Der Fluch In Teufels Namen! ist eine Parallelbildung zu ›In Gottes Namen‹; die Formel ›In drei Teufels Namen‹ eine Gegenphrase zu den heiligen Namen der Dreifaltigkeit. Sie ist literarisch im 18. Jahrhundert belegt.
   Heute ausgestorben ist die Redensart Dem Teufel auf den Schwanz binden. Thomas Murner sagt in der ›Schelmenzunft‹ von den Selbstmördern, sie seien dem Teufel auf den Schwanz gebunden, der sie darauf mit in die Hölle nimmt. Die Szene ist auch in den Abbildungen der ›Schelmenzunft‹ vertreten. In dem Roman ›Der Wassermann‹ des schlesisch gebürtigen Schriftstellers Friedr. Bischoff findet sich die Wendung Über den Teufelsschwanz springen: auf die schiefe Bahn geraten (S. 260).
   Dem Teufel auf den Schwanz treten: zu einem Unglück noch einmal Unglück haben; ›Jetzt habe mr dem Teufel uf de Schwanz tappt‹: jetzt ist es schon so schlimm, darauf kommt es auch nicht mehr an. Vergleiche französisch ›tirer le diable par la queue‹: mit wenig Geld auskommen müssen.
   Sehr drastisch ist die erst in der jüngsten Zeit (20. Jahrhundert) aufgekommene Redensart Der Teufel hat (ihm, auf ihn) durchs Sieb geschissen: er hat Sommersprossen.
   In einer großen Zahl von Sprichwörtern und Redensarten ist der Teufel nur noch ein sprechender Name. Das Volk sieht in ihm nicht so sehr das geistige Wesen, den Widersacher Gottes, als vielmehr eine recht vermenschlichte Erscheinung mit ganz konkreten menschlichen Eigenschaften und Fehlern, die ihn wohl lächerlich, aber doch im großen und ganzen nicht abstoßend machen. Immer mehr ist also die Furcht vor dem Teufel geschwunden. Die mitleidigen Wendungen Armer Teufel, Dummer Teufel: armer, bedauernswerter Mensch, stehen jedenfalls auf einer ganz anderen Ebene als die biblischen und Volksglaubens-Auffassungen vom Teufel. Sie beruhen auf dem betrogenen Teufel des spätmittelalterlichen Fastnachtsspieles und Schwankes. Es gibt z.B. einen Schwank von Hans Sachs, wo der Teufel hinter dem Ofen – der Platz heißt im Volksmund Hölle – spielenden und trinkenden Landsknechten zusieht, um sie womöglich zu holen; hinterm Ofen haben die Landsknechte aber auch einen erbeuteten toten Hahn aufgehängt. Einer von ihnen sagt zum Wirt:
   Geh hinter den Ofen in die hel
   Und pald den arrnen deuffel nem,
   Rupf und lass praten in.
Das bezieht der Teufel auf sich und flieht entsetzt. Jörg Wickram erzählt 1555 in seinem ›Rollwagenbüchlein‹ von einem Bauern, der vor Christi Bild eine Kerze aufstecken will und dabei sieht, daß man das Bild des Teufels in einen finsteren Winkel gestellt hat; da beschleicht ihn Mitleid, und mit den Worten ›Ach, du armer Teufel!‹ stellt er auch vor den Teufel eine Kerze. Ähnliche volkstümliche Erzählungen über den geprellten und verkannten Teufel sind in der Schwank- und Märchenliteratur seit dem 16. Jahrhundert häufig. Teufelserzählungen, meist schwankhafter Art, und Redensarten stützen sich hier gegenseitig. Eine oberhessische Erzählung der Sammlung Th. Bindewalds vom Typ Aarne-Thompson 1130 begründet z.B. ›Warum man spricht: Der arme Teufel‹: Aufgrund eines Paktes hat der Teufel einen Sack mit Goldstükken zu füllen. Da ihm jedoch ein durchlöcherter Sack aufgehalten wird, verliert er nicht nur eine Unmenge blanker Taler, sondern auch dazu noch die Seele seines Kontrahenten, weil er den Pakt nicht einhalten kann.
   Die redensartliche Wendung ›der arme Teufel‹ (französisch ›un pauvre diable‹) geht vermutlich auf den biblischen Bericht von der Versuchung Jesu zurück. Die Reiche und Herrlichkeiten der Welt, die der Satan verspricht, sind nur Blendwerk: Jesus weist ihn in einer dramatischen Bearbeitung dieser Episode mit den Worten »verfluchter armer Sathan. »zurück. Ähnlich sagt auch Berthold von Regensburg: »sô sprechent echt etelîche, man ergebe sich dem tiuvel umbe guot. Daz ist ein gespöte: wan er mac einen helberlinc niht geleisten, er ist reht ein armer wiht, ein dürftiger. pfî, ir tiuvel, schamt ir iuch des niht, daz ir alsô liegent, daz ir pfeffinge habent? geloubet mir, ir hêrschaft, der tiuvel ist reht ein dürftiger armer: er enmac einen helbelinc niht geleisten«. Die ursprünglich metaphorisch gemeinte Stelle scheint später – etwa in der Zeit der Hexenprozesse – konkret aufgefaßt worden zu sein, wenn in den Hexenprozessen immer wieder zu lesen ist, daß sich den Hexen das vom Teufel empfangene Handgeld andern Tages in wertloses Zeug verwandelte. 1689 bekennt eine Hexe aus Ostrau bei Halle: »ihr Junker. wäre ein gar armer Teufel, hätte ihr 6 pf. versprochen, aber nicht gehalten«. Ähnlich läßt noch Goethe seinen Faust zwar nicht die konkrete Wirklichkeit der Teufelsgaben bezweifeln, doch ihre Beständigkeit in einem höheren Sinne: »Was willst du armer Teufel geben?« (›Faust‹ V. 1675). Die Armut des Teufels wird aber auch damit begründet, daß er weder Leib noch Seele habe. Doch ist dies keine spezifisch teuflische Eigenschaft, sondern eine der Engel, ohne daß man diese deshalb ›arm‹ nennen würde.
   Mitleidig klingt die schwäbische Wendung: Jemand isch e armer Teufel, er hat kei eigne Höll: wenn jemand keine Wohnung hat, kei ›Häusle‹; denn in der Volksmeinung ist »die Hölle. die Heimat selbst der ärmsten Teufel«.
   Von einer streitsüchtigen Frau sagt man: Sie kann selbst den Teufel auf ein Kissen binden; niederländisch ›de duivel op een kussen binden‹. Die Redensart ist abgebildet in Bruegels großem Redensarten-Bild, scheint jedoch heute ausgestorben. Die Darstellung bei Bruegel ist nicht singulär, sondern hat ihre Parallelen in der älteren flämischen Kirchenkunst.
   Französisch heißt es von einer listigen und energischen Frau noch immer: ›Elle lierait le diable sur un coussin avec des rubans‹, wie es im flandrischen Aershot, im französischen Isle-Adam (Seine-et-Oise) und selbst in Tarragona und zu Saragossa dargestellt ist, durch die flämischen Beeldesnyders importiert. Dieselbe Deutung hat das Sprichwort ›Sie sägt dem Teufel ein Ohr ab‹, dessen Abbildung in einer Zeichnung bei Champfleury aus St-Spire in Corbeil (16. Jahrhundert) erhalten ist, ähnlich wie in St-Martin-aux- Bois.
   Er schwätzt (geigt, lügt), dem Teufel ein Ohr (Bein) weg (oder an); schon in der ›Geschichtklitterung‹ von Johann Fischart heißt es: »Er flucht dem Teufel ein Bein aus dem Ars und das linke Ohr vom Kopf«, Des Teufels Dank davon haben;... Und wenn der Teufel auf Stelzen kommt; schwäbisch z.B. ›Dear muass Reacht hau, und wenn dr Teuf'l auf Schtelza drhear kommt‹; Wie der Teufel noch ein kleiner Bub war. (schwäbisch).
   Wenn der Teufel stirbt und es tut ihm nicht weh: niemals, Pfingsten.
   Bei Johann Fischart finden sich die Wendungen: »Er trifft das Mittel, wie der Teuffel mit den zweyen alten Weibern« (›Aller Praktik Großmutter‹, 1572); »So fahr der Teuffel in Hew« (›Geschichtklitterung‹); »Hei Teufel, schlag' dem Fass den Boden aus und schlupf' ins Korn« (›Geschichtklitterung‹); »Das heißt dem Teuffel in den Höllen ein Stuhl in Himmel stellen wöllen« (›Die Gelehrten‹).
   An die Redewendung vom ›Teufelsbraten‹ erinnern die folgenden Redensarten-Belege, denen aber moderne Entsprechungen fehlen und deren ursprüngliche Bedeutung unklar ist: Die Seel mit Meien besteckt dem Teufel senden (Burkard Waldis). Bei Hans Sachs (III, 3) will einer zwei alte Weiber »mit einer Bärenhaut zudecken, mit grünen Rauten bestecken und dem Teufel zum neuen Jahr schenken«; und bei Christian Weise heißt es: »Ja man sollte ihn mit Rosmarin bestecken, die Nase vergülden und ihm einen Borstorfer Apfel zwischen die Zähne drücken, so könnte man den Teufel drauf zu Gaste bitten«.
   Dem Teufel am Arsch sitzen: ein verworfener Mensch sein. Von Leuten, die noch schlimmer sind als der Teufel, manchmal aber auch bewundernd, sagt man: Er ist ein Teufelskerl (mittelhochdeutsch heißen die von ihm in Besitz Genommenen ›des tiuvels kint‹); ›Er ist ein eingefleischter Teufel‹; schwäbisch ›bei deam möcht's dr Teuf'l auf d'Läng aushalta‹; ›dear glaubt an koin Herrgott und an koin Teuf'l‹; vgl. französisch: ›ne connaître ni Dieu ni Diable‹ (wörtlich: weder Gott noch Teufel kennen): vor keiner Untat zurückschrecken; Johann Fischart (›Geschichtklitterung‹): »Die mit dem Teuffel inn die Schul ist gangen«.
   Der Teufel kommt schließlich in mehreren redensartlichen Vergleichen vor, z.B. Schwarz wie der Teufel; ›Er krümmt sich wie der Teufel, wenn er mit Weihwasser begossen wird‹; ›Es geht schluckweise, wie der Teufel 'nen Juden holt‹; ›Abschied nehmen wie der Teufel mit Gestank‹ ( Abschied); »Auf meim Dachbode sieht's aus, als hätte tausend Teufel durch die Dachsparrn geschisse« (Zuckmayer, Schinderhannes, 2. Akt).
   Weitere Teufels-Redensarten seien nur aufgezählt: Ein Teufel voll Geld; Den hat der Teufel im Galopp verloren; vgl. Johann Fischart in ›Geschichtklitterung‹: »Da hat der Teuffel ein gleichs geworffen«. Einer ist dem andern sein Teufel: einer ist des anderen Widersacher. Ein Beleg hierfür findet sich in Hocks ›Schönem Blumenfelde‹ (Kap. 17, 1601):
   Es ist kein Freundschafft mehr auff Erdt,
   Ein Mensch deß andern dheufel.
In mehreren Redensarten spielt des Teufels Großmutter oder (älter) seine Mutter eine Rolle: Mit des Teufels Großmutter verwandt sein; Er würde den Teufel und seine Großmutter hineinfressen, wenn sie nicht zappelten; ›Den Teufel bei seiner Mutter (Großmutter, bei der Hex') verklagen‹: eine aussichtslose Sache betreiben; z.B. vor Gericht streiten wollen, wenn der Angeklagte und der Richter gut miteinander befreundet sind; ›Du kannst zum Teufel oder seiner Mutter laufen‹; ›Der Teufel und seine Großmutter hat's gesagt‹; ›Wenn der Teufel nicht schon eine Großmutter hätte, die müßte es werden‹ (auch bei Jeremias Gotthelf belegt); schwäbisch ›die ist wüster als des Teufels Nahne‹; vgl. niederländisch ›Wij hebben daar met den donder en zijne moeder te doen gehad‹; ›hij geeft om den drommel noch zijne moër‹; dänisch heißt es: ›at slippe fanden og tage ved hans oldemoder‹. Schwedisch bedeutet ›fanen och hans mor‹: alle Welt. In den Redensarten bedeutet des Teufels Großmutter meist eine Verstärkung der bloßen Teufelsredensarten, z.B. ›Versteh' das der Teufel und seine Großmutter‹ (18. Jahrhundert); »Der Tag wird heiß, der Teufel ist mit seiner Großmutter los« (Chamisso).
   Die heute märchenhafte, schwankhaft-komische Figur ist u.a. entstanden aus der häufig zu beobachtenden Tendenz, allen mythischen Gestalten andersgeschlechtige Entsprechungen an die Seite zu stellen. Die Rolle, die des Teufels Großmutter im Grimmschen Märchen vom ›Teufel mit den drei goldenen Haaren‹ (Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm 29) hat, ist dieselbe, die schon in der motivgleichen Erzählung des Saxo Grammaticus Lokis Gattin in Lokis Fahrt zu Utgarthilocus spielt. Während im Volksglauben die Gestalt der Großmutter des Teufels durchaus feststeht, tritt uns in der mittelalterlichen Literatur durchweg des Teufels Mutter entgegen, und zwar nicht nur als Gegenstück zur Mutter Gottes. Nach kabbalistischer Vorstellung hat Gott mit Adam zugleich die Teufelin Lilith erschaffen. Von ihr stammen die unzähligen bösen Geister ab. Ein Fastnachtsspiel von Hans Folz zeigt, daß sie auf deutschem Boden wohl bekannt war, und auch in anderen Fastnachtsspielen vom Ende des 15. Jahrhunderts wird Lilith tatsächlich als des Teufels Großmutter eingeführt. Für Liliths Ahnfrauenstellung paßte der Name Groß- oder Ellermutter besser als Mutter.
   Im 16. und 17. Jahrhundert gehen beide Ausdrücke (Mutter und Großmutter) nebeneinander her, z.T. sogar bei denselben Schriftstellern. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ist des Teufels Mutter gänzlich seiner Großmutter gewichen. Namentlich hat dann Wilh. Hauff (›Memoiren des Satans‹, 1826) die Gestalt mit harmlosem Humor zu beleben gewußt, wie sie dann in die komische Literatur des ganzen 19. Jahrhunderts übergegangen ist und noch jetzt gilt.
   Der Teufel prügelt sein Weib Kirmes.
   Der Teufel schert ein Schwein Geschrei.
   Wissen, wo der Teufel im Heu sitzt: wissen, woran man ist, wissen.
   Es ist, als habe der Teufel seinen Sack ausgeleert, sagt man, wenn zu viele Menschen auf engstem Raum Platz finden müssen; so z.B. im Bus oder in der Straßenbahn, die überfüllt sind.
   Niederdeutsche Redensarten, die sich mit dem Teufel befassen, sind folgende: ›De Düvel schiit jümmers op den gröttsten Hupen!‹: wer hat, bekommt noch dazu, vgl. schwäbisch: ›Bei de Reiche scheißt dr Teufel uf de Misthaufe‹ und: ›Dr Teufel scheißt bloß auf de dungte Äcker‹. Von einem Verschwender sagt man niederdeutsch: ›He hett sien Tasch vun'n Düvel‹.
   ›Wenn de Düvel op Reisen geiht, denn lett he sien Peerfoot to Huus‹: man erkennt das Böse nicht sogleich; ähnlich auch die Bemerkung: Der Teufel steckt im Detail: über das Grundsätzliche ist man sich einig, aber bei den Einzelheiten wird es schwierig; man vermutet den Fehler immer woanders als dort, wo er steckt.
   In der Not frißt der Teufel Fliegen (und fängt sie auch noch selber): wenn es denn gar nicht anders geht.
   Teufelheilen Nebelheilen.
• J. GRIMM: Deutsche Mythologie, II, 822-860, III, 291-303; H.T. RILEY: ›Deuce take you‹, in: American Notes and Queries 2 (1856), S. 331; DORRICKS: Holding a candle to the devil, in: American Notes and Queries 9 (1860), S. 29; A. BIRLINGER: Volksthümliches aus Schwaben. Sagen, Märchen, Volksaberglauben (Freiburg i. Br. 1861), besonders Kapitel IV, Nr. 409-414; Der Teufel im deutschen Sprichwort, in: Protestantisches Monatsblatt für innere Zeitgeschichte 22 (1863), S. 108-112; WANDER IV, Spalte 1058-1130; G. ROSKOFF: Geschichte des Teufels, 2 Bde. (Leipzig 1869-73); F. KÖRNER: Deutsche Götter und Göttersagen (Leipzig 1877), S. 357-360 (der Teufel im Sprichwort); F. CHANCE: Gottseibeiuns, in: American Notes and Queries 8 (1883), S. 385; R.H. BUSK: God be with us, in: American Notes and Queries 9 (1884), S. 15; GRIMM: Deutsches Wörterbuch, Bd. XI, I. Abtlg., 1. Teil, Spalte 265-277; R. WOSSIDLO: Gott und Teufel im Munde des mecklenburgischen Volkes, in: Korrespondenzblatt d. Ver. niederdeutscher Sprachforscher 15 (1891), S. 18-32, 44-48; W. UNSELD: Der Teufel in schwäbischen Sprichwörtern und Redensarten, in: Alemannia 20 (1892), S. 203-206; E. PEACOCK: Black Dog = Devil, in: American Notes and Queries 2 (1898), S. 335-336; J. PICKFORD: He has got the black dog on his back, in: American Notes and Queries 2 (1898), S. 336; A. WÜNSCHE: Der Sagenkreis vom geprellten Teufel (Leipzig – Wien 1905); A. GÖTZE: Teufels Großmutter, in: Zeitschrift für deutsche Wortforschung, Bd. 7 (1905/06), S. 28-35; E. LEHMANN: Teufels Großmutter, in: Archiv für Religionswiss. 8 (1905), S. 411ff.; F.V.D. LEYEN: Der gefesselte Unhold, in: Prager Deutsche Studien 8 (1908); R. ECKART: Der Teufel im Sprichwort der Oberlausitzer Wenden, in: Mitteilungen d. Ver. für Sächsische Volkskunde 4 (1908), S. 311-314; O. SCHELL: Der Teufel in Sprichwörtern und Redensarten des Bergischen, in: Zeitschrift d. Ver. für rheinisch- westfälische Volkskunde 14 (1918), S. 215; W. MICHEL: Das Teuflische und Groteske in der Kunst (München 25. Auflage 1919); K. DREWES und P. FISCHER: Der Teufel im Sprichwort, in: Niedersachsen 25 (1920), S. 529, 26, S.
15; A. OLRIK: Ragnarök (Berlin – Leipzig 1922), S. 287ff.; Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens II, Spalte 1575ff.; A. HAAS: Der Teufel im pommerischen Sprichwort, in: Heimatleiw und Mudderspr. 12 (1931), Nr. 10-13; O.A. ERICH: Die Darstellung des Teufels in der christlichen Kunst (Berlin 1931); M. RUDWIN: The Devil in Legend and Literature (Chicago 1931), Neudruck 1959; R. CORNETTE: Quand on parle du loup on voit sa queue, in: Folklore Brabançon 11 (1931/32), S. 171-178 A.J. STORFER: Teufelsspuren in der Sprache, in: Atlantis 2 (1935), S. 103; L. SCHMIDT in: Das Deutsche Volkslied 38 (1936), S. 81f.; U. MÜLLER: Die Gestalt Luzifers in der Dichtung vom Barock bis zur Romantik (Berlin 1940); H. COLLEYE: Histoire du diable (Brüssel 1945); D. DE ROUGEMONT: La part du Diable (Paris 1946); L. RÖHRICH: Der Dämon und sein Name, in: Paul und Braunes Beiträge 13 (1951), S. 456-468; R. DUBAL: La psychoanalyse du diable (Paris 1953): H. HALPERT: The Devil is beating his wife, in: Kentucky Folklore Record 1 (1955), S. 105-106; A.H. BLESKEN: Gott und Teufel im westfälischen Sprichwort, in: Westfälischer Heimatkalender 9 (1955), S. 69-71; I.M. BOBERG: Baumeistersagen, Folklore Fellows Communication 151 (Helsinki 1955); R. WILDHABER: Das Sündenregister auf der Kuhhaut, Folklore Fellows Communication 163 (Helsinki 1955) W.K. TANTSCH: Deutsche Teufels- und Hexennamen (Diss. Heidelberg 1956), S. 8ff.; W. KAYSER: Das Groteske. Seine Gestaltung in Malerei und Dichtung (Oldenburg 1957), S. 35ff.; W. HAND: The Devil beating his wife and other folk beliefs about the sun's shining while it rains, in: Kentucky Folklore Record 3 (1957), S. 139-143; W. HOFMANN: Das rheinische Sagwort (Siegburg 1959), S. 164-170; C. SEIGNOLLE: Le diable dans la tradition populaire (Paris 1959); H. REYNOLDS: The Devil's tail, in: American Speech 34 (1959), S. 64-65; Religion in Geschichte und Gegenwart. VI (3. Auflage 1961), Spalte 703-712; A. ADAM: Der Teufel als Gottes Affe. Vorgeschichte eines Lutherwortes, in: Luther-Jahrbuch 28 (1961), S. 104-109; B. DENEKE: Materialien aus dem Umkreis der Sage vom Überzähligen, in: Zeitschrift für Volkskunde 57 (1961), S. 195-229; R.W. BREDNICH: Der Teufel und die Kerze, in: Fabula 6 (Berlin 1963), S. 141f.; L. RÖHRICH: Teufelsmärchen und Teufelssagen, in: Sagen und ihre Deutung (Göttingen 1965); V. VOIGT: Variantenschichten eines ungarischen Proverbiums (One has to light a candle for the devil), in: Proverbium 15 (1970), S. 541-544; H.-J. LIXFELD: Gott und Teufel als Weltschöpfer, in: Motive, Freiburger folkloristische Forschungen, Bd. 2 (München 1971); G. MAHAL: Mephistos Metamorphosen (Diss. Tübingen) (Göppingen 1972); R. HAMMERSTEIN: Diabolus in Musica (Bern – München 1974); A. VAN ACKER: De Duivel in Spreekwoorden en Gezegden (Kortreijk – Heule (2. Auflage 1977); H. HAAG: Teufelsglaube (Tübingen 2. Auflage 1980); M. BAMBECK: Wenn einen der Teufel reitet, in: Muttersprache 92 (1982), S. 185-195; G. BEBERMEYER: Teufelliteratur, in: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte 4 (Berlin – New York 1984), S. 367-403; hier besonders S. 370ff.: die Intensität des Teufelsglaubens verschiedener Jahrhunderte und Gesellschaften; G. BAUER: In Teufels Küche, in: Essen und Trinken in Mittelalter und Neuzeit (Sigmaringen 1987), S. 127-142; CHR. DAXELMÜLLER: Artikel ›Exorzismus‹, in: Enzyklopädie des Märchens IV, Spalte 664-674; I. GRÜBEL: Die Hierarchie der Teufel (= Kulturgeschichtliche Forschungen 13 (München 1991).
Exorzismus (›Den Teufel im Leibe haben‹). Majolika Votivbild mit Darstellung eines Exorzismus; Madonna dei Bagni von Deruta /Italien, aus: R. Kriss: Wallfahrtsorte Europas, München 1950, S. 237.
Dem Teufel vom Schubkarren gehüpft. Slowenisches Bienenstockbrettchen, 19. Jahrhundert, Museum Ljubljana.
Der Meineidige verschwört sich (›Der Teufel soll mich holen ...‹). Baegert, um 1500: Die Eidesleistung (Detail), Niederrheinisches Museum Wesel.
Den Teufel an die Wand malen. Zeichnung von Wilhelm Scholz (Guter Rath an gewisse Französische Heißsporne, 1882), Bismarck-Album, S. 141.
Der Teufel ahndet die Übertretung der Zehn Gebote. Spielkarten mit den 10. Geboten, Holzschnitt, 15. Jahrhundert.
Der Teufel hat seine Hand im Spiel – Des Teufels Gebetbuch. ›Advokaten und Soldaten sind des Teufels Spielcameraden‹, französische Graphik, 17. Jahrhundert.
Geldteufel. Bilderbogen über den Geldteufel, Ed. Pellerin in Épinal, 1. Hälfte 19. Jahrhundert (Imagerie d'Épinal, Nr. 9).
In des Teufels Küche kommen – Teufelsbraten. ›Des Teuffels Garkuchen‹, Kupferstich von F. Hildenberg, 1580, Graphische Sammlung der Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle.
Dem Teufel eine Kerze anzünden. Detail aus dem Sprichwörter-Bild von P. Bruegel, 1559.
Dem Teufel eine Kerze anzünden. Detail aus einem Bilderbogen aus Ost-Flandern, um 1700.
Beim Teufel zur Beichte gehen. Detail aus dem Sprichwörter-Bild von P. Bruegel, 1559.
Dem Teufel auf den Schwanz gebunden. Holzschnitt aus Thomas Murners ›Schelmenzunft‹, 1512.
Den Teufel auf ein Kissen binden. Detail aus dem Sprichwörter-Bild von P. Bruegel, 1559.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Teufel — Teufel: Der Name des nach der christlichen Lehre von Gott abgefallenen und zum Widersacher Gottes gewordenen Engels, mhd. tiuvel, tievel, ahd. tiufal, wurde entweder im Zuge der arianischen Mission aus got. diabaúlus, diabulus aufgenommen, das… …   Das Herkunftswörterbuch

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  • Teufel — (grch. diábolos, »Verleumder«; hebr. satan, »Widersacher«; im N. T. auch Beelzebub, Belial, später Luzifer), in der jüd. und christl. Theologie die Verkörperung des Bösen in Gestalt des Obersten der Dämonen (s.d.); die Lehre vom T. wurde erst (s …   Kleines Konversations-Lexikon

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  • Teufel — Satan; Diabolo; Beelzebub; Dämon; Luzifer; Antichrist; Gottseibeiuns; Mephistopheles * * * Teu|fel [ tɔy̮fl̩], der; s, : Gestalt, die das Böse verkörpert: der leibhaftige Teufel; den Teufel austreiben, verjagen …   Universal-Lexikon

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