Bild
Im Bilde sein: sich über etwas im klaren sein, den Zusammenhang erfaßt haben. Die Redensart ist erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in militärischen Kreisen aufgekommen, zunächst in der verneinenden Form ›Nicht im Bilde sein‹, d.h. sich bei taktischen und strategischen Aufgaben keine klare Vorstellung von der Sachlage machen können. Erst später ist die Wendung auch auf nichtmilitärische Vorstellungen übertragen worden, ebenso die Redensarten: Sich ein Bild von etwas machen: sich eine Meinung bilden, und Jemanden ins Bild setzen: ihn genau informieren.
   In Bildern reden: wie in Gleichnissen sehr anschaulich sprechen; vgl. französisch ›parler par symboles ... en images‹.
   Ein Bild ohne Gnade sein: schön, aber unfruchtbar sein, eine Anspielung auf die Gnadenbilder. Die Wendung begegnet bereits 1447/78 in der Steinhöwelschen Übersetzung der Aesopischen Fabel ›Von dem Bild und dem Wolf‹ im Sinne von: schön, aber unwissend.
   Ein Bild des Jammers sein: einen besonders traurigen Eindruck machen, im Gegensatz zu der Wendung Ein Bild von einem Mädchen (Manne) sein: sehr schön sein. Bild hat hier noch die ursprüngliche Bedeutung von Gestalt.
   Bild bedeutet ursprünglich gestaltetes Wesen, Gestalt voller zauberhafter Kraft, nicht Abbild (vgl. Mannsbild, Weibsbild, Unbilde). Notker gebraucht den Begriff ›ebanbilidi‹ im Sinne von Vorbild, noch nicht als Abbild oder Nachbildung.
   Wolfs These, daß ›bil‹ zu den Wörtern mit numinosem Inhalt gehört, die ursprünglich die Kraft zu gestalten, das gestaltete Wesen meinen, wird unterstützt durch den Hinweis auf das althochdeutsche Substantiv bilidari = Töpfer, der Gestaltlosem eine Form gibt. Wenn Gott als Schöpfer ebenfalls als ›pilidari‹ bezeichnet wird, soll damit die Vorstellung von seiner ungewöhnlichen Machtfülle verdeutlicht werden, die allen Dingen und Geschöpfen ihre eigene Form verleihen kann.
   Damit kannst du keine Bilder 'rausstecken: darauf kannst du dir nichts einbilden. Die in Berlin aufgekommene Redensart bezieht sich ursprünglich auf die Auslagen der Straßenbilderhändler.
   Ein schiefes Bild geben schief.
   Ein Bild für (die) Götter Gott, Götter.
   Sich ein Bildchen verdienen wollen: sich beliebt machen wollen, einschmeicheln.
   Auf der Bildfläche erscheinen: zum Vorschein kommen. Die am Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommene Redensart bezieht sich ursprünglich auf die Fläche des photographischen Bildes; erst etwas später
(Beginn des 20. Jahrhunderts) und auf die Filmleinwand bezogen Von der Bildfläche verschwinden: sich entfernen.
   Zur Bildsäule erstarren ( Salzsäule) (zu Stein erstarren): vor Schreck wie gelähmt sein; französisch: ›être comme changé en pierre‹.
   Bildschön ist Dreck dagegen: zur Steigerung werden im 20. Jahrhundert gern Gegensatzwörter verwendet.
• ANONYM: »Im Bilde sein«, in: Zeitschrift des allgemeinen deutschen Sprachvereins 30 (1915) Spalte 242; F. PFISTER: Artikel ›Bild und Bildzauber‹, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens I, Spalte 1282-1298; A. WOLF: Die germanische Sippe bil. in: Sprakvetenskapliga Sällskapets Förhandlingar (Univ. Upsala 1928-1930); Paul und Braunes Beiträge 66 (Halle 1942), S. 291 ff. (Althochdeutsch bilidi von E. Karg-Gasterstädt); W. BENJAMIN: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Frankfurt/M. 1963); W. BRUCKNER: Bildnis und Brauch (Berlin 1966); DERS.: Artikel ›Bildnisstrafe‹ und ›Bildzauber‹, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte I, Spalte 424-430; DERS.: Artikel ›Bild, Bildzauber‹, in: Enzyklopädie des Märchens II, Spalte 319-326; N.A. BRINGÉUS: Volkstümliche Bilderkunde (München 1982); H. VEKEMAN und J. MÜLLER-HOFSTEDE: Wort und Bild (Erft-
stadt 1984); N.A. Bringéus (Ed.): Man and Picture (Lund 1986); CH. PIESKE: Bilder für jedermann (München 1988).
Ein Bild ohne Gnade. Steinhöwel, Esopus, Die XIIII. Fabel ›von dem bild vnd dem wolff‹.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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