unberufen
›Unberufen‹, ›Unberedet‹, ›Unbeschrien‹, ›Unbeschladdert‹ und ähnliche Wendungen haben sich als ursprünglich magische Abwehrformeln des Volksglaubens auch heute noch im gesamten deutschen Sprachgebiet erhalten. Sie werden der Erwähnung glückhafter Umstände hintangestellt, um das Gegenteil nicht heraufzubeschwören. Mit ›beschreien‹, ›berufen‹, ›bereden‹ u.a. bezeichnet der Volksglaube die Be- oder Verzauberung von Personen und Sachen durch den magischen Bann des Wortes. Damit hängt zusammen, daß durch unvorsichtige Bewunderung und unzeitiges Lob das gegenteilige Schlechte gleichsam herbeigezogen wird. Das Alter dieser Vorstellung wird kaum zu ermessen sein. Um Unheil zu vermeiden, fügt man deshalb die Abwehrformeln hinzu und übt damit einen apotropäischen Zauber aus. So führt 1715 Johann Christian Ettner in ›Des Getreuen Eckarths unvorsichtige Hebamme‹ (937) an, daß man die Kinder nie »ohne zugesetzten Gedeyungs- Wunsch« loben solle. Theodor Fontane (1, 113) schreibt: »Übrigens ist sie, unberufen und unbeschrien, recht gut« beschreien.
   Oft wird der Glücksruf ›Toi, toi, toi‹ ( toi-toi-toi) erweitert zu: ›Unberufen toi, toi, toi‹. Man will hier glückliche Lebensumstände wünschen, die man nicht berufen will. Deshalb läßt man einen Ausspruch folgen, der das Geräusch des dreimaligen Ausspuckens o.ä. nachahmt, oft begleitet mit dem dreimaligen Klopfen auf Holz. H. Wilde leitet ›toi, toi, toi‹ entsprechend dieser Deutung aus dem jiddischen ›tow, tojw‹: ›gut‹ her, eine Verkürzung von ›masel tow‹: gut Glück. So meint ›unberufen toi, toi, toi‹: alles Gute!
• A. PERKMANN: Artikel ›berufen, beschreien‹, in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens I, Spalte 1096-1102; DERS.: Artikel ›besprechen‹ in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens I, Spalte 1157-1172; H. KÜPPER: 99 uralte Regeln, das Glück zu mehren, dem Unglück zu wehren (München 2. Auflage 1952) H. WILDE: Unberufen toi, toi, toi, in: Sprachdienst15 (1971), S. 47.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • Unberufen — Unberufen, adj. et adv. der Gegensatz von berufen. 1) Ohne den gehörigen Beruf zu etwas habend. Sich unberufen in etwas mengen. 2) Keinen üblen Ruf habend, doch nur in einigen Gegenden, besonders Nieder Deutschlandes; unberüchtigt …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • unberufen — AdjPP Beruf …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Unberufen! — [Redensart] Auch: • Toi, toi, toi! Bsp.: • Ich hatte bis jetzt mit diesem Wagen noch keinen Unfall, toi, toi, toi! …   Deutsch Wörterbuch

  • unberufen — /ŭnˈbə roo fən/ (German) adjective Not called for, used as an exclamation to avert the ill luck that may possibly follow an over confident or boastful statement …   Useful english dictionary

  • unberufen — ungebeten * * * ụn|be|ru|fen 〈a. [ ′ ] Adj.〉 nicht berufen, ohne Berechtigung, ohne Auftrag, Aufforderung, unaufgefordert ● unberufen, toi, toi, toi!; unberufene Einmischung; sich unberufen einmischen; eine Sache unberufen lassen von einer S.… …   Universal-Lexikon

  • unberufen — interjection Touch wood; an injunction to fate that nothing will go wrong. Unberufen ! cries Sarah, with a shudder that is not all affectation, do not mention that accursed name ; I could have sworn that I heard her voice just now ! …   Wiktionary

  • unberufen — unberufenadv 1.glücklicherweise;ohnesein(mein)Dazutun.Eigentlichsovielwie»ohneesberufenzuwollen«imSinnevon»ohnedasUnheilherbeiziehenzuwollen«.EinealteAberglaubensregelbesagt,mansollevonglücklichenLebensumständennichtsprechen,weilmansonstdieschaden… …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • unberufen — unberofe …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • unberufen — ụn|be|ru|fen ; in unberufene Hände gelangen …   Die deutsche Rechtschreibung

  • unberufen! — un|be|ru|fen! …   Die deutsche Rechtschreibung

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