verbeißen
Sich in etwas (z.B. in eine Ansicht) verbissen haben: sich irrigerweise darauf festgelegt haben. Die Wendung ist eine Übertragung aus der Weidmannssprache: Der Hund verbeißt sich so leidenschaftlich in das Wild, daß ihn der Jäger von der Beute lösen muß. Die Redensart findet sich literarisch z.B. bei Grimmelshausen im ›Simplicissimus‹ (II, 128): »Ich war dannoch so hart verbaist, solches zu wissen, daß ich mir dieselbige Gedancken nicht mehr ausschlagen konte«. Vergleiche französisch ›se casser les dents à quelque chose‹, im Sinne von: Sich die Zähne an einer Sache ausbeißen, Zahn.
   Den gleichen Ursprung hat wohl auch das adjektivisch gebrauchte Partizip Verbissen: grimmig, doch spielt heute in Wendungen wie ›Verbissener Groll‹, mühsam niedergezwungener Groll, auch ›verbeißen‹ in der Bedeutung: durch Beißen (auf die Lippen oder auf die Zähne) seinen Schmerz (sein Lachen) unterdrücken, mit hinein.
   Oft etwas verbeißen müssen: sich bei Ärger beherrschen, sich einer heftigen Äußerung enthalten. Ein Leipziger Kindervers dient zur Erheiterung des Zürnenden; mit kunstvollem Reim und mundartlichem Stabreim in der 1. Zeile lautet er:
   Biste beese, beiß in Belz,
   Bis de gommst nach Weißenfels;
   Bis de gommst nach Halle,
   Sin de beesen alle!

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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  • verbeißen — V. (Oberstufe) ein bestimmtes Gefühl unterdrücken, etw. beherrschen Synonyme: zurückhalten, sich verkneifen (ugs.) Beispiel: Diese Geschichte war so lustig, dass ich mir das Lachen nicht verbeißen konnte. Kollokation: seine Wut verbeißen …   Extremes Deutsch

  • Verbeißen — Verbeißen, von angeschossenen Wasservögeln untertauchen u. sich mit dem Schnabel so fest an die Schilfwurzel anbeißen, daß sie auch todt daran hängen bleiben …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Verbeißen — Verbeißen, das Abbeißen von jungen Trieben oder Pflanzen durch Wild …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • verbeißen — sich verbeißen 1. sich festbeißen, hartnäckig festhalten, [krampfhaft] festgelegt sein auf, nicht abgehen/ablassen/aufgeben, nicht mehr loskommen von, sich verbiestern, sich verrennen, sich versteifen; (ugs.): sich verbohren; (Psychol.,… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • verbeißen — festhalten (an); beharren (auf); auf die Zunge beißen (umgangssprachlich); unterdrücken; verkneifen (umgangssprachlich) * * * ver|bei|ßen 〈V. tr. 105; hat〉 1. ( …   Universal-Lexikon

  • verbeißen — ver·bei·ßen; verbiss, hat verbissen; [Vt] 1 sich (Dat) etwas verbeißen sich so beherrschen, dass man etwas nicht tut oder sagt ≈ etwas unterdrücken <sich eine Bemerkung, das Lachen, einen Schrei verbeißen> 2 <meist Rehe, Hirsche>… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • verbeißen — ver|bei|ßen; die Hunde hatten sich ineinander verbissen; sich den Schmerz verbeißen (nicht anmerken lassen); sich in eine Sache verbeißen (umgangssprachlich für hartnäckig daran festhalten) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • verbeißen — verbeißenv sichetwverbeißen=sichetwversagen;etwhinnehmen,ohneaufzubegehren.ManbeißtsichaufdieLippen.Seitdem19.Jh …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • verbeißen — verbieße …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Verbeißen (2) — 2. Verbeißen, verb. irregul. act. S. Beißen. 1. Durch Zusammenbeißung der Zähne den Ausbruch einer Empfindung zu unterdrücken suchen. Das Lachen, das Weinen, den Schmerzen verbeißen. Der Seufzer, den du jetzt verbeißest, Weiße. S. Ver 1 (c). 2.… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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