Vergeltsgott
Der Gebrauch der Dankesformel ›Vergelt's Gott‹ steht in der ländlichen Umgangssprache des oberdeutschen Raumes noch heute in engem Zusammenhang mit den erzählten Arme-Seelen-Geschichten. Wird ein Armer, ein Bettler von einer Bäuerin beschenkt, so hört sie ein städtisch-höfliches ›Dankeschön‹ nicht gern. ›Des isch wie Wasser!‹, d.h., es hat keinen Wert. Der Beschenkte soll mit einem ›Vergelt's Gott!‹ danken, worauf sie mit einem ›Segen's Gott‹ oder ›Zahl's Gott‹ antwortet. Diese ›Vergelt's Gott‹ werden in der Ewigkeit gesammelt, und nach der Zahl der guten Werke wird jedermann gemessen. Eine Erzählerin versicherte, daß man sofort in den Himmel käme, wenn man im Tag drei ›Vergelt's Gott‹ empfangen würde. Hat ein Mensch zu wenig dieser Dankesformeln gesammelt, so muß er als Arme Seele gehen und um die fehlenden ›Vergelt's Gott‹ betteln.
   Die Almosen, die man den Armen gibt, und die ›Vergelt's Gott‹, die man dafür erhält, braucht der Spender selbst einmal nach seinem Tod.
   Jemandem ein Vergeltsgott sagen: ihn nach einer Arbeit nicht mit Geld entlohnen, sondern sich mit dem Ausdruck ›Vergelt's Gott‹ bei ihm bedanken; besonders im Schwäbischen sind folgende Sprüche beliebt und verbreitet: ›I sag Vergelt's Gott, i will glei zahle!‹, ›Vergelt's Gott ist au e Gelt‹. Darauf antwortet mancher dann: ›Vom Vergelt's Gott wird mei Ross nit fett!‹ oder ›Vom Vergelt's Gott ka ma it lebe‹ (Schwäbisches Wörterbuch II, Spalte 1140).
• L. RÖHRICH: Sage und Märchen. Erzählforschung heute (Freiburg 1976), S. 95f.; L. KRETZENBACHER: Zur steirischen Soziallegende vom ›Vergeltsgott‹ als der ›Währung des Herrn‹, in: Festschrift Othmar Pickl (Graz – Wien 1987), S. 349-358.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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