vorstellen
›Stell‹ dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin‹: ein innerhalb der Friedensbewegung bekannt gewordener Spruch aus dem amerikanischen ›Suppose they gave a war and nobody came‹ (zuerst belegt bei R. Reisner). Reisners Buch war in den 70er Jahren in Deutschland erhältlich und wahrscheinlich Quelle weiterer Sprüche der Sponti-Szene (›We are the people our parents warned us about‹ u.a.).
   In Amerika ist dieser Graffitispruch schon seit 1960 belegt. Harpo Marx, einer der berühmten Marx Brothers, gab 1961 seine Autobiographie ›Harpo speaks‹ heraus, die eine Anekdote über den Schriftsteller Thornton Wilder enthält:
   Wilder wird einmal von einem kleinen Mädchen gefragt, was Krieg ist. »Wilder antwortete: ›Eine Million Männer mit Gewehren und eine andere Million Männer mit Gewehren treffen sich, und alle schießen und versuchen sich zu töten‹. Das Mädchen dachte einen Moment nach und sagte dann: ›Und wenn keiner kommt?‹ »(Bülow, S. 99).
   Nach diesem Muster werden seitdem immer neue Sprüche gebildet: ›Stell' dir vor, es gibt Freibier, und keiner weiß wo‹. ›Stell' dir vor, es ist Sonntag und keiner kauft Bild‹. – ›Stell' dir vor, es ist Dienstag und keiner guckt Dallas‹.
• R. REISNER: Graffiti (New York 1971), S. 190; R. BÜLOW: Stell' dir vor, es gibt einen Spruch ..., in: Der Sprachdienst 27 (1983), S. 97-100.

Das Wörterbuch der Idiome. 2013.

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